Wahlforscher TV-Duelle verändern Wählerverhalten nicht wesentlich

Donnerstag, 31. August 2017
Wer schlägt sich besser: Merkel oder Schulz?
Wer schlägt sich besser: Merkel oder Schulz?
Foto: ARD

Der Wahlforscher Matthias Jung rechnet nicht damit, dass das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) zu wesentlichen Veränderungen des Wählerverhaltens führt. "Frühere Duelle haben gezeigt, dass ein Großteil der Zuschauer bereits Präferenzen für den einen oder anderen Kandidaten hat und die Diskussion sehr selektiv wahrnimmt. Er sieht sich durch das, was er hört, eher bestärkt", sagte das Vorstandsmitglied der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim der Deutschen Presse-Agentur.

Grundsätzlich sei der Herausforderer in der günstigeren Position. "Er ist in der Regel weniger bekannt und hat weniger Medienpräsenz als der Amtsinhaber. Und da wird ihm oft bescheinigt, dass er sich besser geschlagen hat, als man das von ihm erwartet hat. Trotzdem macht das am Ende in der Kanzlerpräferenz meist nur zwei, drei Prozentpunkte aus", sagte Jung.

„Die Art der Auseinandersetzung, die oft unter die Gürtellinie gegangen ist, wäre in Deutschland völlig undenkbar. Jeder, der einen solchen Stil benutzen würde, müsste katastrophale Verluste hinnehmen. “
Matthias Jung zu US-TV-Duellen zwischen Trump und Clinton
Wichtiger als die unmittelbare Wahrnehmung sei die von Medien vermittelte Wahrnehmung des Duells. "Wenn der Medientenor unisono ist, dass einer der beiden katastrophal abgeschnitten hat, stellen wir dadurch manchmal eine größere Wirkung fest."
Diese Moderatoren sind beim TV-Duell dabei
Diese Moderatoren sind beim TV-Duell dabei (Bild: ARD)
Sinnvoll sei ein solches Duell schon, sagte der Wahlforscher. "Man sieht an der großen zu erwartenden Zuschauerzahl, dass es dafür eine Nachfrage gibt. Ein TV-Duell hat auch einen rituellen Charakter - es befriedigt nicht nur ein Informationsbedürfnis, sondern auch die Neugier, wie die beiden sich beharken. Es ist keine reine trockene Veranstaltung, sondern hat auch einen gewissen Unterhaltungswert."

Parallelen zu den USA sieht Jung nicht, insbesondere nicht zum jüngsten Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton. "Das kann man nicht ansatzweise übertragen", sagte er. In den USA ziehe sich meist die Wahl zwischen nur zwei Personen über Monate hin. "Auch die Art der Auseinandersetzung, die oft unter die Gürtellinie gegangen ist, wäre in Deutschland völlig undenkbar. Jeder, der einen solchen Stil benutzen würde, müsste katastrophale Verluste hinnehmen. So etwas stößt in Deutschland auf massive Ablehnung." dpa

Meist gelesen
stats