"Check die Welt" Welt/N24-Manager zur ersten Kampagne von JvM und zum Re-Design von N24

Donnerstag, 08. September 2016
Stephanie Caspar und Torsten Rossmann
Stephanie Caspar und Torsten Rossmann
Foto: Axel Springer

Nachdem Jan-Eric Peters nicht zum massiven Personalabbau bereit gewesen sein soll und lieber „Upday“ lancierte, war es an Stefan Aust, als kommissarischer Chefredakteur bei „Welt“ und „Welt am Sonntag“ den Ausputzer zu geben. Diese Phase ist vorbei. Vor zwei Tagen inthronisierte Axel Springer Ulf Poschardt als Chefredakteur von Welt/N24. Nebenbei sickerte durch, dass am 12. September Schluss ist mit der jungen App „Kmpkt“. Doch das ist nicht alles. Ebenfalls am Montag endet die Betaphase für die Webseite, N24 erhält ein Re-Design, gleichzeitig startet die von der neuen Leadagentur Jung von Matt konzipierte erste gemeinsame Werbekampagne für alle Medien von Welt/N24, außerdem verteuert „Welt.de“ das digitale Abo und stellt das Bezahlmodell um. Darüber und über den Integrationsprozess von „Welt“ und N24 sprach HORIZONT mit den beiden Geschäftsführern, Stephanie Caspar und Torsten Rossmann.

Am Montag startet die erste gemeinsame Kampagne der Welt/N24-Gruppe. Von „Welt de“ über die Sonntagszeitung bis zu N24 lautet der Claim: „Check die Welt“. Dass soll sicherlich cool wirken. Transportiert der Spruch eine weitere Botschaft? Caspar: „Checken“ ist ein sehr selbstverständlicher Ausdruck moderner, digitaler Lebensführung.

Rossmann:  Er ist Teil der Alltags- und Umgangssprache und in seiner Bedeutung vielschichtig.

Caspar: Man checkt das Handy, die Nachrichten, die Mails…. Wir verbinden damit auch den Anspruch, sich in der Flut der täglich auf uns einprasselnden Nachrichten zurechtzufinden, die Dinge verstehen zu wollen und auf diese Weise eine Haltung zu entwickeln. Das ist unser Markenversprechen. 

Etwas zu checken bedeutet, sich einen schnellen Überblick zu verschaffen. Er bedeutet nicht, in die Tiefe zu gehen. Zur „Welt am Sonntag“ passt er also nicht. 

Rossmann: Etwas zu checken, bedeutet eben auch, etwas zu verstehen. Im Kern geht es darum, zu begreifen, was ist. Genau das leisten wir mit unseren Angeboten. 

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Wann wird denn nun, wie lange angekündigt, der Sender N24 umbenannt in „Welt“? 

Rossmann: Wir sind im gesamten Umstellungsprozess sehr behutsam vorgegangen. Das tun wir auch bei der Umbenennung des Senders. 2017 ist wegen der Analogabschaltung in den Kabelnetzen und den Veränderungen bei der digitalen Terrestrik ein wichtiges Jahr, um die Verbreitung und Auffindbarkeit des Senders zu sichern. Deshalb gehen wir eher davon aus, dass wir diesen letzten Schritt 2018 vornehmen. Zunächst haben wir  ab 12. September mit „welt.de“  ein Produkt, das die Stärken von „Welt“ und N24 zusammenführt. Ende 2016 geht dann die Webseite von N24 in „Welt.de“ auf. Sobald wir wissen, dass das TV-Publikum mitgeht, erfolgt als letzter Schritt die Umbenennung des Senders in „Welt“.

Wie die Webseite aussieht, kann man seit geraumer Zeit auf beta.welt.de verfolgen. Verstehe ich Sie richtig, dass diese Betaphase am Montag endet? 

Caspar: Ja, aus der Beta wird am Montag die neue „welt.de“. 

Rossmann: Zeitgleich werden wir in den frühen Morgenstunden mit dem neuen Design von N24 on air gehen – vorausgesetzt, es gibt keine Breaking-News-Situation. Sender und Webseite sind dann auch optisch aus einem Guss. Sie sehen, uns steht ein heißer Herbst bevor. 

Optisch erinnert die Seite mit ihrer orange-blauen Farbgebung an N24. Auffällig ist die Vielzahl von Neuerungen. Neben jedem Artikel steht, wie lange die Lektüre dauert, es gibt einen News-Check, die Mediathek und den Livestream von N24, auch personalisierbare Angebote. Was war Ziel der Veränderungen? 

Caspar: Wir wollten eine Seite bauen, die alle Elemente der Berichterstattung selbstverständlich integriert. Sie sollte alle Tools einer modernen Nachrichtenseite haben, leistungsfähig und sicher sein. Deshalb haben wir die Seite technologisch komplett neu aufgesetzt. Die Ladezeiten sind minimiert, selbst bei Bewegtbild, der Werbung und den für das Smartphone optimierten Tools, die dem Nutzer ermöglichen, sich wahlweise einen schnellen Überblick zu verschaffen oder bei einem Thema tiefer einzusteigen.

Bereits vor einiger Zeit hat Springer die Abkehr vom Metered zum Freemium Model angekündigt. Wie steht es damit? 

Caspar: Die Umstellung erfolgt ebenfalls am 12. September. Wir haben gute Erfahrungen mit dem Metered Model gemacht. Tatsächlich hat es aber nicht in ausreichendem Maß die Qualität der Redaktion und die Exklusivität der journalistischen Beiträge gespiegelt. Es konnte passieren, dass ein Nutzer zu Monatsbeginn die exklusiven Beiträge frei gelesen hat, dann aber ausgerechnet bei einer Agentur-Meldung zum Zahlen aufgefordert wurde.  

Wonach richtet sich künftig, ob der Nutzer zahlen muss? 

Caspar: Wir wollen bei der Weiterentwicklung von Bezahlmodellen auch jetzt wieder ein Signal setzen. Grundsätzlich wird die Regel sein: Je exklusiver ein Stück, desto eher ist es kostenpflichtig. Aber auch bei Meinungsbeiträgen erkennen wir hohe Zahlungsbereitschaft. Wir werden da flexibel bleiben und weiter experimentieren, das gilt auch für das Verhältnis von Text und Bewegtbild. 

Ändert sich preislich etwas für die bisher 75.000 Digital-Abos? 

Caspar: 
Für die laufenden Abos ändert sich nichts. Bei neu abgeschlossenen Abos gilt das neue „Welt-plus“-Preismodell. Unsere aktuellen Angebote, von 4,99 Euro aufwärts, scheinen uns mit Blick auf die redaktionelle Leistung und der „Welt“ als Premium-Marke nicht mehr angemessen – auch im Wettbewerbsumfeld. Deshalb erhöhen wir den Einstiegspreis auf 9,99 Euro für alle, die die exklusiven Inhalte der Webseite nutzen möchten. Der Preis für unsere digitale Zeitung „Welt Edition“ inklusive „Welt am Sonntag“ und aller Bezahlinhalte der Website bleibt bei 19,99 Euro.

Lassen Sie uns über Ihre neue Kampagne sprechen. Jung von Matt hat sie kreiert. In der Manier von „Wer wird Millionär“ sieht man auf den Motiven jeweils ein Foto und eine Frage mit vier Antwortmöglichkeiten, die richtige ist optisch hervorgehoben. Beim Foto einer Drohne zum Beispiel heißt es, sie könnte „Mitarbeiter des Monats werden“, „Blumen bestäuben“, „mit einem Flugzeug kollidieren“ oder – das soll die korrekte Antwort sein – „Ihren Wellensittich ausführen“. Was soll das? 

Rossmann: Es geht nicht um richtige oder falsche Antworten. Wir bilden mit den Antworten die Möglichkeiten ab, die sich aus den Deutungen der Motive  ergeben. Sie sind, je nach Motiv, mal augenzwinkernd, mal sehr ernsthaft. 

So wie bei dem Foto eines syrischen Vaters. Da heißt es, er könnte demnächst a) zusammengeschlagen werden,  b) als Arzt praktizieren, c) nach Syrien zurückkehren oder – korrekte Antwort – d) Deutsch können? 

Rossmann: Dieses Motiv greift ein sehr aktuelles Thema auf und verdeutlicht, dass es nicht immer die eine richtige Antwort gibt. Es handelt sich eben nicht um ein Quiz. Die ausgewählten Motive bringen die inhaltliche Bandbreite unserer journalistischen Angebote zum Ausdruck, von „Welt“ bis N24.

Sie sprachen von einem heißen Herbst. Wird sich N24, jenseits von Re-Design und Webauftritt, auch konzeptionell weiterentwickeln? 

Rossmann: Wir werden unsere erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Dabei profitieren wir bei der aktuellen Berichterstattung von der Zusammenarbeit innerhalb von WeltN24 – allein dadurch, dass wir mehr Korrespondenten, mehr Experten und dadurch mehr Einordnung in den News haben. N24 verzeichnet trotz Olympia und EM das erfolgreichste Jahr in seiner Sendergeschichte. Im August haben wir 1,6 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen erzielt. Das erlaubt uns, die Werbepreise in diesem Jahr geringfügig nachzujustieren.

Machen Ihnen die neuen Doku-Kanäle anderer Sendergruppen zu schaffen? 

Rossmann: Das sehen wir sportlich. Als Antwort auf diese Herausforderungen starten wir am 17. September den Timeshift-Sender N24 Doku. Die N24 Dokumentationen und Reportagen zeigen wir auf diesem Kanal um eine Stunde zeitversetzt. Die N24-Nachrichtenstrecken werden bei N24 Doku durch Dokumentationen und Reportagen ersetzt. Die beiden Sender werden sich ergänzen, auch mit Blick auf die Werbung, die kombiniert buchbar ist.

Unverändert sitzt der Sender am Potsdamer Platz, räumlich getrennt von der „Welt“-Redaktion. Praktisch ist das nicht. Inwiefern verhindert das die Zusammenarbeit? 

Rossmann: Das verhindert die Zusammenarbeit nicht, erschwert sie aber natürlich manchmal. Nach zweieinhalb Jahren ist es inzwischen gelebter Alltag, dass das Programm des Senders sowie die Videos für die digitalen Angebote weitestgehend am Potsdamer Platz entstehen und aus dem Newsroom an der Axel-Springer-Straße Digital und Print kommen. Es gibt sogenannte Botschafter, die den Informationsfluss sichern, wir haben den Materialaustausch organisiert. Spätestens wenn der Neubau von Axel Springer fertig ist, werden „Welt“ und N24 in einen gemeinsamen Newsroom ziehen. Dann haben wir wirklich alle Ziele erreicht, die wir uns 2014, am Anfang des Intergrationsprozesses, gesteckt haben.

Täuscht der Eindruck, dass N24 bisher nicht wie geplant der zentrale Bewegtbild-Lieferant für alle Springer-Marken ist? „Bild“ macht ihr eigenes Ding. 

Rossmann: Das Potenzial, tatsächlich der zentrale Bewegtbild-Lieferant zu werden, haben wir. Das zeigen die Erfolge auf unseren digitalen Angeboten und in den Social Networks. Genau das war Teil der Logik der Akquisition von N24 durch Axel Springer, ein Ansatz, für den es, was das operative Zusammenführen von Print, Digital und TV angeht, weltweit kein Vorbild gibt. „Bild“ verfolgt gleichzeitig völlig zu Recht eine eigene Bewegtbild-Strategie. usi

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