WDR Redakteure äußern Vorbehalte gegen Valerie Weber

Mittwoch, 20. November 2013
Am Freitag stimmt der Rundfunkrat über Valerie Weber ab
Am Freitag stimmt der Rundfunkrat über Valerie Weber ab

Beim WDR formiert sich Widerstand gegen Valerie Weber. Die Programmdirektorin des Privatsenders Antenne Bayern ist die Wunschkandidatin von Intendant Tom Buhrow für den Posten der Hörfunkdirektorin. Doch in zwei Protestbriefen formulieren die Mitarbeiter des WDR ihre Bedenken gegen die Eignung der Radiomanagerin für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk. Am vergangenen Donnerstag hatte Buhrow die Programmdirektorin und Geschäftsführerin von Antenne Bayern per Pressemitteilung als seine Wunschkandidatin für die Nachfolge des scheidenden Hörfunkdirektors Wolfgang Schmitz ausgerufen. Seitdem gärt es unter den Mitarbeitern der größten ARD-Anstalt. Weber kann bei Antenne Bayern große Erfolge vorweisen: Die private Welle mit Sitz in Ismaning bei München verteidigt seit Jahren erfolgreich ihre Position als reichweitenstärkster deutscher Radiosender. Die letzte Mediaanalyse Radio bescheinigte dem Sender im Schnitt fast 1,3 Millionen Hörer pro Stunde.

Doch der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Der Sender ist perfekt auf gute Durchhörbarkeit getrimmt, Ecken und Kanten oder musikalische Experimente haben in dem rein werbefinanzierten Programm keinen Platz. Eine Programm-Philosophie, die sich denkbar schlecht mit dem Qualitätsanspruch einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt verträgt.

"Wie soll der WDR-Hörfunk in der ganzen Bandbreite seiner Qualitäts-Programme authentisch von einer Persönlichkeit geführt werden, die Ihre unbestrittenen Quoten-Erfolge im Radio ausschließlich in Programmen mit einem Mix aus seichtem Pop, reißerischer Eigenwerbung, Regionalpatriotismus, ständigen Gewinnspielen und Comedybeiträgen erzielt hat kurz: reinem Formatradio?", lautet eine von mehreren Fragen, die die Verfasser in ihrem Brief an Tom Buhrow richten. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" haben rund 160 von insgesamt 450 Redakteuren im Bereich Hörfunk den Brief an Buhrow unterzeichnet.

In einem zweiten Brief haben sich außerdem die Moderatoren der jungen Welle 1Live an an den Intendanten gewandt: "Herr Buhrow, wir freuen uns, Sie als Intendanten an Bord zu wissen, haben aber Bedenken, dass der gesamte WDR-Hörfunk in den nächsten fünf Jahren in eine aus unserer Sicht falsche Richtung gesteuert werden könnte, und möchten, dass Sie das wissen", heißt es in dem Schreiben. Außerdem zitieren die Mitarbeiter den Leitsatz des 1Live-Mitgründers und ehemaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen: "Nicht rumdudeln, nicht ranwanzen! Daran halten wir uns bis heute. Unsere Art, Radio zu machen, steht im krassen Gegensatz zum typischen Privatrundfunk."

Am Freitag stimmt der Rundfunkrat des WDR über Valerie Weber und den designierten Fernsehdirektor Jörg Schönenborn ab. Dessen Wahl darf als sicher gelten. Die Abstimmung über Weber dürfte wegen der deutlichen Vorbehalte der Redakteure dagegen spannend werden. dh
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