Von Verzweiflung bis Vorfreude Wie sich das "Abendblatt" von Springer verabschiedet

Montag, 06. Januar 2014
"Abendblatt"-Chefredakteur Lars Haider begrüßte die Gäste (Bild: Axel Springer)
"Abendblatt"-Chefredakteur Lars Haider begrüßte die Gäste (Bild: Axel Springer)


Erstaunen, Entsetzen, Wut, Hoffnung, Zuversicht, Vorfreude: Frank Mahlberg, Geschäftsführer des "Hamburger Abendblatts", ließ keine Gefühlslage aus, als er in seiner Begrüßungsrede zum Neujahrsempfang der Zeitung im Rückblick seine Emotionskurve in 2013 nachzeichnete. Gemeint war natürlich der Verkauf des Axel-Springer-Traditionstitels an die Funke Mediengruppe. Und Chefredakteur Lars Haider kann sich nach seinem damaligen Erschrecken nun nachträglich mit zwei Erkenntnissen trösten.
Die "Abendblatt"-Ausgabe vom 26. Juli mit der Titelmeldung in eigener Sache war die bestverkaufte im vergangenen Jahr, verkündete Haider vor über 900 Gästen aus Politik, Kultur und Wirtschaft im Hamburger Hotel "Atlantic". Und außerdem habe der Gesamtdeal - für das hoch rentable "Abendblatt", die "Berliner Morgenpost", die Programm- und die Frauenzeitschriften zahlt Funke 920 Millionen Euro an Springer - gezeigt, dass das "Hamburger Abendblatt" mehr Wert sei als die "Washington Post", die Amazon-Gründer Jeff Bezos im Sommer für 250 Millionen Dollar kaufte. Oder hat Bezos nur besser verhandelt als Funke?

Doch diese kleinen Genugtuungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Axel Springer an diesem Montagvormittag im Namen der Zeitung, die der legendäre Verleger vor 65 Jahren gründete und die - neben der ebenfalls an Funke verkauften "Hörzu" - zum Gründungsmythos der Konzernhistorie gehört, zum letzten Mal die Honoratioren der Hansestadt zum großen Neujahrstreffen einlud. Anfangs war geplant, dass das "Abendblatt" und die übrigen betroffenen Titel schon im Januar an Funke übergehen - doch das Bundeskartellamt erhob bei wesentlichen Teilen des Deals Einspruch, so dass auch der bereits genehmigte Verkauf der beiden Regionalzeitungen noch nicht vollzogen ist.

Immerhin: Die beiden Funke-Geschäftsführer Manfred Braun (Zeitschriften) und Thomas Ziegler (Personal, Finanzen & Dienstleistungen) - der dritte im Bunde, Christian Nienhaus (Regionalmedien), wurde nicht gesehen - waren aufmerksame Zuhörer der "Abendblatt"-Chefs Mahlberg und Haider, die künftig wohl mit Funke-Verträgen arbeiten werden.

"Es waren 65 schöne Jahre bei Axel Springer, aber jetzt freuen wir uns auf Funke", so Mahlberg: "Diese Veränderung setzt neue Kräfte frei, im Regionalzeitungsverbund werden unsere Stärken noch besser zur Geltung kommen." Und die Marke "Abendblatt" sei so stark, dass es fast egal sei, ob der Eigentümer in Berlin oder im Ruhrgebiet sitze. Zugleich kündigten er und Haider für 2014 ein Treueprogramm für Abonnenten (Motto: Je länger dabei, umso mehr Benefits) sowie eine Initiative für das Engagement in politischen Parteien an. rp
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