Videoportal Projekt "Germany's Gold" wird beerdigt

Montag, 16. September 2013
Die Auflagen des Bundeskartellamts haben "Germany's Gold" zu Fall gebracht
Die Auflagen des Bundeskartellamts haben "Germany's Gold" zu Fall gebracht


Das geplante Videoportal "Germany's Gold" kommt nicht zustande. Die beteiligten Partner, darunter mehrere kommerzielle Töchter von ARD und ZDF sowie zahlreiche Produktionsfirmen, gaben heute bekannt, dass sie das Projekt nicht weiterverfolgen. Die vom Bundeskartellamt geforderten Beschränkungen hätten einen wirtschaftlichen Betrieb des Portals verhindert. Damit haben die Wettbewerbshüter nach dem Projekt Amazonas von Pro Sieben Sat 1 und RTL bereits das zweite Videoportal noch vor dem Start zu Fall gebracht.
Die Überprüfung des Vorhabens durch das Bundeskartellamt habe ergeben, dass das Portal in der ursprünglich geplanten Form nicht genehmigungsfähig gewesen wäre, teilten die beteiligten Unternehmen am Montag mit. Unter den von den Wettbewerbshütern geforderten Rahmenbedingungen wäre ein wirtschaftlicher Betrieb des Portals nach Auffassung der Partner aber nicht möglich gewesen.

"ARD und ZDF konnten kein kartellrechtskonformes Konzept für den Betrieb ihrer Online-Videoplattform vorlegen", begründet Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, die Entscheidung: "Möglich wäre der Betrieb eines offenen Marktplatzes auf der Grundlage einer technischen Plattform gewesen. Dies hätte im Übrigen auch den Anforderungen entsprochen, die an RTL und ProSiebenSat.1 gestellt wurden. Die Pläne von ARD und ZDF sahen aber Absprachen über Preise und bestimmte Exklusivitätsvereinbarungen vor, die wir nicht akzeptieren konnten. Diesen kartellrechtlichen Vorgaben müssen sich die kommerziellen Töchter von ARD und ZDF ebenso stellen, wie andere private Unternehmen."

"Germany's Gold" sollte die Inhalte aller beteiligten Sender und Produktionsfirmen und damit große Teile der Archive von ARD und ZDF im Internet zugänglich machen. Zu den beteiligten Partnern gehörten unter anderem die ARD-Töchter WDR Mediagroup und SWR Media Services, ZDF Enterprises und zahlreiche renommierte Produktionsfirmen wie Bavaria Fernsehproduktion, Brainpool, MME Moviement, Studio Hamburg oder Ziegler Film.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein ambitioniertes Video-on-Demand-Portal am Bundeskartellamt scheitert: 2011 mussten die privaten TV-Gruppen Pro Sieben Sat 1 und RTL ihre Pläne für ihr gemeinsames Videoportal Amazonas ebenfalls stoppen. Das Bundeskartellamt hatte das Vorhaben untersagt, weil ein gemeinsames Angebot nach Ansicht der Wettbewerbshüter die beherrschende Position der beiden TV-Konzerne auf dem deutschen Werbemarkt verstärkt hätte. Eine Klage der beiden Unternehmen gegen die Entscheidung war vergangenes Jahr in letzter Instanz gescheitert. dh
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