Vidcon2016 Youtube launcht mobiles Live-Streaming und will Bezahlangebot ausbauen

Freitag, 24. Juni 2016
Youtube-Chefin Susan Wojcicki
Youtube-Chefin Susan Wojcicki
Foto: Youtube
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Youtube zieht im Wettbewerb gegen Facebook, Periscope und Co nach: Auf der VidCon im kalifornischen Anaheim verkündete CEO Susan Wojcicki in ihrer Keynote, dass Nutzer nun über die Youtube-App Live-Videos streamen können. Und nicht nur das: Mit neuen Exklusiv-Inhalten für das Bezahlangebot Youtube Red will die Google-Tochter auch VoD-Dienste wie Netflix und Amazon Prime angreifen. Wojcickis Mission: "Make Youtube great again".

Es war ihr großer Auftritt gestern im „Ballroom“ im dritten Geschoss des Convention Centers in Anaheim. Zum ersten Mal am gestrigen Tag war der Saal bis auf den letzten der rund 2500 Plätze besetzt, als CEO Wojcicki am Abend die Bühne betrat. Zuvor war der Raum nie wirklich gut besucht, trotz prominenter Besetzung wie Fidji Simo von Facebook, Jeremy Risher von Twitter oder US-Journalist Jeff Jarvis. Bei Wojcicki wussten die Besucher: Angesichts der massiven Konkurrenz durch Facebook, Snapchat und Co im Onlinevideo-Markt, muss die Chefin heute liefern.

Und das tat sie auch. Unter anderem wird nun nach monatelangen Spekulationen offiziell die Live-Streaming-Funktion für die Youtube-App ausgerollt. Zuvor war dies nur über die Desktop-Version und mit hohem technischen Aufwand möglich. Ein konkretes Datum für das mobile Streaming nennt Wojcicki noch nicht, bislang haben nur ausgewählte Nutzer auf das Feature Zugriff. Dabei ist Live-Streaming für den Video-Riesen eigentlich nichts Neues: „Wir gingen auf Youtube schon life, als es noch gar nicht cool war“, sagt Kurt Wilm, Product Lead für Immersive Experiences bei Youtube, der die neue Funktion auf der Bühne sogleich mit seinem Smartphone vorführte. Die Rede sei etwa von der royalen Hochzeit im Jahr 2011, dem Stratosphärensprung von Felix Baumgartner 2012 und das aktuelle Champions-League-Finale. Alle diese Events hatte Youtube live übertragen. Jetzt soll das jeder machen können.

Dass der Video-Riese dieses Feature auch mobilen Nutzern zur Verfügung stellt, ist nachzuvollziehen. Periscope, Facebook, Younow oder Meerkat bieten Live-Streaming schon seit Längerem an und haben bereits zahlreiche Nutzer in ihren Bann gezogen. Der Social-Media-Riese von Mark Zuckerberg zahlt laut Berichten neuerdings gar Medienunternehmen und Prominenten Geld, wenn diese ein Live-Video aufnehmen und das Format somit bekannter machen. Facebook setzt ohnehin derzeit alles auf die Live-Karte: Auf der VidCon, nur wenige Stunden vor Wojcickis‘ Keynote, kündigte Facebooks Head of Product, Fidji Simo, an, die Live-Funktion auf die App MSQRD zu übertragen. Nur an der Monetarisierung hapert es noch, gibt Simo zu. Man experimentiere derzeit mit verschiedenen Formaten.

Apropos Monetarisierung: Eine andere wichtige Säule in Wojcickis Plänen ist das Bezahlangebot Youtube Red. Um den kostenpflichtigen und werbefreien Video-Dienst attraktiver zu machen, kündigte die Chefin neun neue Serien an, die exklusiv für zahlende Nutzer produziert wurden und nun nach und nach an den Start gehen, darunter beispielsweise Dokumentationen oder Komödien mit großen Youtube-Stars wie etwa Piewdiepie. „Während TV-Sender Publikum verlieren, wachsen wir in jeder Region und auf jedem Screen“, sagt Wojcicki. Die 47-Jährige betrachtet das traditionelle TV nach wie vor als größte Konkurrenz, mit Youtube Red hat es die Chefin jedoch auch auf Netflix und Amazon Prime abgesehen, die derzeit ohne Frage den Streaming-Markt dominieren.

Ob die Mission „Make Youtube great again“ gelingen kann, wird sich erst zeigen müssen. Den richtigen Riecher für wichtige Entscheidungen zur richtigen Zeit hat Wojcicki zumindest schon einmal bewiesen. Als Verantwortliche für das Werbegeschäft von Google hat sie den Suchmaschienenriesen vor einigen Jahren zu einem der profitabelsten Konzerne der Welt gemacht. Der Fachtitel „Adweek“ kürte Wojcicki 2013 nicht ohne Grund zur „wichtigsten Frau der Werbebranche“. Vielleicht gelingt ihr dieses Kunststück ja nochmal mit Youtube.

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