Vice-Frauenportal Broadly "Die Konkurrenz in diesem Segment ist erschreckend dünn"

Montag, 14. März 2016
Broadly-Chefredakteurin Lisa Ludwig und Vice-Herausgeber Benjamin Ruth
Broadly-Chefredakteurin Lisa Ludwig und Vice-Herausgeber Benjamin Ruth
Foto: Vice

Am Donnerstag geht der neue Frauenkanal von Vice online. Broadly richtet sich an junge, selbstbewusste Frauen der Generation Y und will sich mit der Vice-typischen Themenmischung und Tonalität klar von anderen Frauenportalen und -Magazinen abheben. Im Interview mit HORIZONT geben sich auch Chefredakteurin Lisa Ludwig und Vice-Herausgeber Benjamin Ruth selbstbewusst: Direkte Konkurrenten von Broadly gebe es in Deutschland nicht: "Wir waren doch sehr überrascht, wie dünn die Konkurrenz in diesem Segment ist."

Warum startet Vice ein Angebot speziell für Frauen?
Lisa Ludwig: Ich glaube, dass es in der deutschen Medienbranche in diesem Bereich eine Lücke gibt. Es gibt natürlich sehr sehr viele Frauenmagazine und -Plattformen, aber kein Angebot, das so aufgestellt ist wie Broadly. Die positiven Reaktionen auf unsere Ankündigung zeigen uns, dass sich die Leute darauf freuen – und zwar nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer.

Tatsächlich?
Ludwig:
Wir richten uns ja nicht ausschließlich an Frauen. Wir berichten über Frauen und über Themen, von denen wir glauben, dass sie für Frauen wichtig sind. Wir erzählen Geschichten durch und mit Frauen, da sie Teil der Gesellschaft und keine Nische sind. Daher glaube ich, dass Broadly auch für Männer ein spannendes Angebot sein wird.

Benjamin Ruth: Broadly ist natürlich auch eine Ergänzung unseres Portfolios für Frauen. Das differenzierende Merkmal ist aber in erster Linie, wie wir mit den Themen umgehen. Die bestehenden Angebote haben ja immer noch ein sehr althergebrachtes Frauenbild, das die Interessen von Frauen reduziert auf Haus, Hof und Beauty. Davon grenzen wir uns stark ab.

Wie spiegelt sich das in der Themenauswahl bei Broadly wider?
Ludwig: Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass jedes Thema auch ein Frauenthema ist. Wir sagen uns bewusst davon los, was andere Medien als Frauenthemen definieren. Was für uns sehr wichtig ist, sind Themen wie Sexismus, Abtreibung, weibliche Gesundheit und starke und engagierten Frauen. Es wird aber auch um LGBTQ-Themen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer; Anm. der Redaktion) und um Geschlechteridentität gehen. Wir wollen auch solchen wichtigen Themen bei Broadly Platz einräumen.

Ruth: Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein sind die zentralen Elemente, die für unsere Haltung stehen und aus der sich auch unsere Themen ableiten. Diese beiden Begriffe sind für die junge Generation und für unser Handeln zentral.

Wie würden Sie die Zielgruppe von Broadly definieren?
Ludwig: Junge und junggebliebene Frauen, die wissen, wo sie im Leben stehen und was sie vom Leben erwarten und für die Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit ist.

Ruth: Natürlich sprechen wir auch eine bestimmte Zielgruppe im klassischen Sinne an. Das sind vor allem Frauen von 18 bis 34 Jahren, also die Generation Y. Das ergibt sich auch aus der Themenauswahl. Viel wichtiger ist uns aber die Haltung, für die Broadly steht.
Broadly
Bild: Screenshot Broadly

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Gibt es Angebote, in denen Sie direkte Konkurrenten sehen?
Ludwig: Nein. Ich glaube, das was Broadly macht und wofür Broadly steht, gibt es in Deutschland in dieser Form noch nicht. Ich glaube, dass wir die Chance haben, Geschichten einen Raum zu geben, die sonst in der deutschen Medienlandschaft nicht stattfinden. Das wird sowohl für uns als auch für die Leserinnen, die darauf gewartet haben, dass es ein Magazin gibt, das sie ernst nimmt, ein spannendes Jahr. 

Ruth: Wir haben uns im Vorfeld natürlich auch das Wettbewerbsumfeld angeschaut und waren doch sehr überrascht, wie dünn die Konkurrenz in diesem Segment ist. Das war zum einen natürlich erfreulich für uns, aber auch ein wenig erschreckend. Der Markt in den USA ist in diesem Bereich doch wesentlich lebendiger und kreativer.

Wie groß ist das Team von Broadly in Deutschland?
Ludwig: Wir sind zum Start drei Mitarbeiter im deutschsprachigen Raum und arbeiten zudem mit einem großen Netzwerk an freien Autoren zusammen, die zum Teil bereits für andere Vice-Medien schreiben. Andere sind neu hinzugekommen. Viele Autoren haben sich nach unserer Ankündigung von Broadly bei mir gemeldet. Das Feedback war auch in dieser Hinsicht sehr positiv.

Ruth: Wir arbeiten auch sehr eng mit den Büros in New York, London und Madrid zusammen, wo es bereits eigenständige Broadly-Plattformen gibt. 

Mit was für einer potenziellen Reichweite rechnen Sie für Broadly in Deutschland?
Ruth:
Wir rechnen bis zum Ende des Jahres mit einer Reichweite von 500.000 Unique Visitors.

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