Vice Eigener News-Kanal für eine neue (Medien-)Generation

Freitag, 14. Februar 2014
"Vice"-Herausgeber Benjamin Ruth und Chefredakteur Tom Littlewood (Bild: Grey Hutton)
"Vice"-Herausgeber Benjamin Ruth und Chefredakteur Tom Littlewood (Bild: Grey Hutton)

Medienhäuser, achtet auf euren Nachwuchs! Mit einem eigenen News-Kanal will das amerikanische Medienunternehmen Vice künftig auch hierzulande den Mainstream angreifen. Deutschlandchef Benjamin Ruth spricht von einer "koordinierten globalen Initiative" und kündigt einen umfangreichen Ausbau des Berliner Büros an. Für Vice News, das als Youtube- und Webchannel Ende des Monats online gehen wird, investiert Unternehmensgründer Shane Smith einen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag, unter anderem in den Aufbau von Newsrooms auf der ganzen Welt. Kanäle für die Bereiche Essen, Reise und Sport sollen folgen. In Berlin sucht Benjamin Ruth, Herausgeber der deutschen Ausgabe, ebenfalls mehr Personal, aktuell arbeiten mit ihm rund 80 feste Mitarbeiter. Der Vertrag mit einem deutschen Medienhaus, das Vice-Inhalte ab Sommer im linearen Fernsehen zeigt, ist unterzeichnet, den Namen will Ruth noch nicht verraten. Erklären, wieso Sender wie Pro Sieben, das ZDF oder HBO Reportagen von Vice senden wollen, kann der 39-Jährige schon: "Die Expertise, die wir uns über die Jahre aufgebaut haben, nämlich digitales Bewegtbild zu produzieren, kommt nicht von heute auf morgen. Wenn das der Fall wäre, hätten wir eine große Konkurrenz. Und das ist nicht der Fall."

Im gesamten Vice-Universum - weltweit gibt es 35 Büros - spielt Deutschland eine wesentliche Rolle, nach den USA ist es neben Großbritannien der wichtigste Markt. Laut Agof verzeichnet die Plattform 2013 fast 2 Millionen Unique User - eine Verdopplung innerhalb von zwölf Monaten. Ähnlich entwickelt sich offenbar der Umsatz, der laut Ruth 2013 um knapp 50 Prozent gewachsen ist. Zahlen veröffentlicht Vice nicht, aber Erklärungen: "Der Mainstream wird immer mehr auf uns aufmerksam, ohne dass wir unser Content-Angebot verändern", beschreibt der Deutschlandchef, der in diesem Jahr mit einer Verdreifachung der Reichweite rechnet. "Das hat auch damit zu tun, dass eine neue Generation eine neue Sprache spricht und andere Medien nutzt." Behält er Recht, müssen auch die deutschen Medienhäuser auf ihren Nachwuchs aufpassen. kl

Der ausführliche Artikel über Vice ist nachzulesen in der aktuellen HORIZONT-Printausgabe 7/2014.
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