Vermarktungsverbund der Regionalzeitungen Auf ein Neues

Freitag, 30. September 2016
Die Führungsriege: Christian Zimmer, Judith Sterl und Heiko Genzlinger
Die Führungsriege: Christian Zimmer, Judith Sterl und Heiko Genzlinger
Foto: Score Media

Bislang sind Versuche, einen Vermarktungsverbund regionaler Zeitungen auf nationaler Ebene zu etablieren, meist erwartungsfroh ge-, aber nie richtig durchgestartet. Den letzten Anlauf nahmen acht regionale Verlage, die sich im Herbst 2012 zum Medienhaus Deutschland zusammenschlossen. Es wird sich zum Ende des Jahres, ebenso wie die Anzeigenkombi Nielsen Ballungsraum Zeitungen (NBRZ), aus dem Geschäft zurückziehen. Eigeninteressen der Verlage, eine (zu) abwartende Haltung von Werbungtreibenden und Mediaentscheidern, der Wettbewerb zwischen den Mediengattungen - es gibt viele Gründe für das Scheitern. Nun heißt es: Auf ein Neues.

Den Verlagen sei der Vorteil bewusst, "wenn sie kooperieren statt weiterhin zu konkurrieren", sagt Heiko Genzlinger. Er ist Chef der Score Media Group und nun personifizierter Hoffnungsträger dafür, dass es vielleicht doch noch etwas wird mit einer schlagkräftigen Anzeigenallianz. Score Media besteht zurzeit aus 25 Verlagen, die über 130 Tageszeitungen mit rund 600 Lokalausgaben in die Vermarktungsgemeinschaft einbringen und eine Crossmedia-Reichweite von monatlich knapp 43 Millionen Nutzern abbilden.

„Etwas Vergleichbares hat es im deutschen Markt bislang noch nicht gegeben“, betont Genzlinger mit Blick auf die regionalen Aussteuerungsmöglichkeiten. An guten Absichten mangelte es aber auch in der Vergangenheit nicht. Was ändert sich? Score Media wurde von den beteiligten Verlagen mit einem starken Mandat ausgestattet und habe auch direkten Durchgriff auf das Inventar, so Genzlinger.
„Etwas Vergleichbares hat es im deutschen Markt bislang noch nicht gegeben.“
Heiko Genzlinger
„Ein Vermarkter muss heute schnell, flexibel und serviceorientiert agieren, aber gleichzeitig eine relevante Reichweite anbieten – und das medienübergreifend“, stellt er klar. Es sei das Zeitalter der Allianzen: „Wer nur in abgeschotteten Silos denkt, wird es langfristig sehr schwer haben – unsere Mitglieder haben das verstanden.“ Bislang sei die Vermarktung regionaler Tageszeitungen geprägt von fehlenden Standards, einer Vielzahl von Ansprechpartnern sowie unflexiblen Strukturen. „Das wollen wir ändern. Wir machen Tageszeitung einfach“, verspricht Genzlinger.

Zum Management gehört Judith Sterl als Chief Operations Officer (COO), die sich um Unternehmensstrukturen und -prozesse, Kommunikation, Marketing und Personal kümmert. Genzlinger kennt sie unter anderem aus gemeinsamen Zeiten bei Yahoo. Das Führungstrio komplettiert Christian Zimmer, der lange Zeit für die Omnicom Media Group (OMG) gearbeitet hat. Er ist Chief Revenue Officer und in dieser Funktion für die strategische Ausrichtung des Sales-Teams sowie sämtliche Vermarktungsaktivitäten von Score Media zuständig. Genzlinger selbst hatte mit Zeitungen bislang wenig am Hut. Der 47-Jährige arbeitete früher unter anderem für Yahoo Deutschland, United Internet Media und TV München. Das sei kein Nachteil: „Die großen Zeitungen sind längst zu crossmedialen Medienmarken geworden und investieren sehr viel in digitale Transformation. Daher sehen die Herausforderungen in allen Gattungen ähnlich aus.“

Sinkende Auflagen nimmt er zur Kenntnis, aber lenkt gleich auf die Reichweite, die sich stabil auf hohem Niveau bewege. Entscheidender sei, dass „insbesondere in der Kontaktqualität Tageszeitungen gegenüber Online oder Mobile, aber auch gegenüber TV stark überlegen sind“. 37 Minuten durchschnittliche Lesezeit, höchste Glaubwürdigkeit aller Mediengattungen, 90 Prozent der Leser betrachten die Zeitungsanzeige, 80 Prozent betonen ihren praktischen Einkaufsnutzen: Seit März im Job, kann Genzlinger die Argumente pro Tagespresse fließend vortragen. Das ist der leichtere Teil der Aufgabe. Erfolgsentscheidend wird sein, dass Genzlinger tatsächlich ein „Wir“-Gefühl unter den Zeitungsverantwortlichen erzeugt. son

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