Vermarktung "Time Magazine" öffnet Titelseite für Anzeigen

Montag, 26. Mai 2014
Kaum zu erkennen: Die Anzeige ist am unteren Rand des Adressfeldes
Kaum zu erkennen: Die Anzeige ist am unteren Rand des Adressfeldes

Der US-Verlag Time Inc. hat mit einem der größten Tabus der US-Verlagsbranche gebrochen und die Titelseiten seiner Magazine "Time" und "Sports Illustrated" für Anzeigen geöffnet. Die Werbehinweise für den Telekommunikationsriesen Verizon sind zwar winzig, allerdings bastelt der Verlag offenbar bereits an neuen Werbeformen für die Titelseiten. Auf den ersten Blick ist die Anzeige kaum zu erkennen: "For Best Results Use Verizon" steht in winziger Schrift am unteren Rand des Adressfeldes der aktuellen Ausgabe der "Time", außerdem wird auf die Seite der Printanzeige im Heft verwiesen. Die gleiche Anzeige wurde auf dem Cover von "Sports Illustrated" abgedruckt.

Eigentlich wären die Anzeige kaum der Rede wert - allerdings markiert die Werbung auf den Titelseiten von "Time" und "Sports Illustrated" eine kleine Revolution in der US-amerikanischen Verlangsbranche. Denn bislang waren Anzeigen auf den Covern von Magazinen im größten Werbemarkt der Welt tabu. In den Richtlinien des US-Verlegerverbandes, der American Soctiety of Magazine Editors (ASME), steht eindeutig: "Don't Print Ads on Covers". Die Titelseite sei das Markenversprechen des Herausgebers und solle daher werbefrei bleiben.

Doch unter dem Druck sinkender Auflagen und bröckelnder Werbeeinnahmen nimmt es Time Inc. mit den Richtlinien des Verlegerverbandes nun offensichtlich nicht mehr so genau. Und die Anzeigen für Verizon sind womöglich nur der Anfang: Nach Informationen des Branchenmagazins "Ad Age" hat der Verlag Mediaagenturen auch Streifenanzeigen angeboten, die über die gesamte Breite des Covers reichen sollen. Einem Mitarbeiter des Verlags zufolge sollen außerdem sogenannte "Native Placements" im Inhaltsverzeichnis verkauft werden, Anzeigen also, die in der Gestaltung an redaktionelle Inhalte erinnern.

Sid Holt, Präsident des US-Verlegerverbands ASME, hat bereits angekündigt, dass man die Entwicklung in den kommenden Monaten im Auge behalten werde. Norman Pearlstine, Chief Content Officer von Time Inc., verteidigte die Öffnung der Titelseiten für Werbung dagegen. Man könne die Entscheidung als bahnbrechende Entscheidung bezeichnen, aber auch als moderate Anpassung an die grundlegenden Entwicklungen in der gesamten Branche. dh
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