Verlegerverband Nachfolgeregelung für Hubert Burda sorgt für Zoff beim VDZ

Montag, 24. Oktober 2016
Die Nachfolgeregelung für Hubert Burda sorgt für Unmut
Die Nachfolgeregelung für Hubert Burda sorgt für Unmut
Foto: VDZ

In einem Brandbrief an die Delegierten des Verbands beschweren sich die Verlagschefs von G+J, Spiegel, Zeit und Medweth über das intransparente Hauruck-Verfahren, mit dem Stephan Holthoff-Pförtner zum Präsidenten gekürt werden soll.

Die vier Unterzeichner sind entsetzt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie im VDZ übergangen werden. Rainer Esser, Julia Jäkel, Thomas Hass und Christian Medweth sind nicht bereit, dies widerspruchslos hinzunehmen. Was ist passiert? Vorige Woche kündigte der VDZ an, dass sein langjähriger Präsident Hubert Burda zurücktreten wird, sein Nachfolger am 6. November gewählt werde und Stephan Holthoff-Pförtner als Vertreter der Funke Mediengruppe der Wunschkandidat der Delegierten sei. Was die vier Verlagschefs von Zeit, G+J, Spiegel und der Medweth-Gruppe davon halten, hat zuvor offensichtlich keiner gefragt. Entsprechend erbost reagieren sie.

In dem am heutigen Montag abgeschickten Brief, der HORIZONT vorliegt, beschweren sie sich: "Eine sehr kleine Gruppe bestimmt, wer den VDZ repräsentiert; ein bedeutender Teil – nicht nur die Unterzeichner dieses Briefes – wird nicht informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt." Die Delegierten des Verbands wollen sie daher "wissen lassen, dass dieser Vorschlag ohne Beteiligung vieler wichtiger Mitgliedsunternehmen des VDZ und in einem für diese Mitglieder höchst intransparenten Procedere entstanden ist". Ihre Klage spitzen sie zur Frage zu: "Erinnert Sie das nicht auch an Hinterzimmerbünde, die so vielen Menschen die Freude an politischer Beteiligung genommen haben?"

Esser, Jäkel, Hass und Medweth bezeichnen den Vorgang nicht nur als unangemessen. Sie sehen nun auch die Chance als vertan an, die Chance zu nutzen und sich nach einer derart langen Amtszeit wie Burdas zu vergewissern, welche Rolle der Verband künftig spielen müsste, welche Bedeutung er hat, welches Bild einer Branche er in der Öffentlichkeit zeichnen soll. Die Antwort liefern sie gleich mit: "Unserer Überzeugung nach sollte der VDZ in den kommenden Jahren verstärkt ein modernes, digitales, kreatives und business-unterstützendes Antlitz haben."

Ist Holthoff-Pförtner in ihren Augen der falsche Mann? Tatsächlich könnte Holthoff-Pförtner, wie HORIZONT mutmaßte, auch nur eine Art Übergangspräsident sein, sollten unter Führung des BZDV-Präsidenten Mathias Döpfner beide Verbände, VDZ und BDZV, tatsächlich fusioniert werden.

Esser, Jäkel, Hass und Medweth betonen allerdings: Ihnen gehe es nicht um die Person Holthoff-Pförtner. Vielmehr liege ihnen daran, an der Spitze des VDZ jemanden zu haben, der für "Modernität, Digitalität, Kreativität" steht, "verbunden mit der Glaubwürdigkeit desjenigen, der den Wandel tagtäglich im Business spürt, der als aktiver Gestalter an der Modernisierung der Branche mitwirkt". Das wäre ein Anforderungsprofil, bei dem man nicht zwingend zuvorderst an den Anwalt aus Essen denkt. So oder so: Der VDZ steht vor einer Zerreißprobe. usi

Meist gelesen
stats