Verlagsgruppe Handelsblatt Claudia Michalski geht / Neuordnung der Geschäftsführung

Montag, 29. Juni 2015
Gabor Steingart baut die VHB um
Gabor Steingart baut die VHB um
Foto: Handelsblatt-Gruppe

Die Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) verliert Claudia Michalski, seit 2012 Mitglied der Geschäftsführung der VHB („Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“, Fachmedien). Die 49-Jährige werde das Düsseldorfer Haus zum 31. August 2015 auf eigenen Wunsch verlassen und in Berlin unternehmerisch tätig werden, teilt der Verlag mit – und nutzt Michalskis Abgang zu einer Neuordnung der Geschäftsführung und mancher Unternehmensbereiche.

Michalski verantwortet in der VHB die Bereiche Fachmedien und Beteiligungen; ihr Posten wird nicht nachbesetzt. Aus dem Geschäftsführer-Quartett wird also ein Trio: Gabor Steingart als Vorsitzender, außerdem Frank Dopheide und Finanzchef Ingo Rieper; letzterer übernimmt die Verantwortung für die VHB-Fachmedien („Absatzwirtschaft“, „Meedia“, „Der Betrieb“, „Wirtschaft und Wettbewerb“) und die Beteiligungen (VDI Verlag, VHB Ventures). Nur der Kongressveranstalter Management Forum in Frankfurt wandert in die Sphäre Dopheides.

Außerdem tauschen die drei verbleibenden VHB-Geschäftsführer Teile ihrer Bereiche. Steingart übernimmt den klassischen Vertrieb von Dopheide, um diesen besser mit den digitalen Vertriebsthemen zu verzahnen, die Steingart schon bisher verantwortete. Hier will er vor allem die „zu hohen Entstehungskosten pro Abonnement“ (Rabatte, Prämien) und wenig rentable Auflagenbestandteile reduzieren sowie das „Verkaufen journalistischer Inhalte übers Internet deutlich intensivieren“, so Steingart in einer Mail an die Mitarbeiter, die HORIZONT Online vorliegt.

Umgekehrt übernimmt Dopheide die Oberaufsicht über die Werbevermarktungssparte IQ Media Marketing samt ihrer Digitaltochter IQ Digital (an der auch noch „SZ“, „FAZ“ und die „Zeit“ beteiligt sind), um sie näher an seinen VHB-Bereich „360 Grad“ heranzuführen, der kanalübergreifend und kundenindividuell weitere Angebote wie Social Media, Kongresse, Marktforschung und Corporate Publishing vermarktet. „Keiner unserer Verkäufer soll künftig nur ein Produkt, zum Beispiel Anzeigen, anbieten, sondern wir wollen Firmen, Verbänden und staatlichen Einrichtungen eine Kommunikationsberatung und die dazugehörigen Pakete anbieten“, so Steingart in der internen Mail.

Zudem verantwortet Steingart künftig den Bereich Corporate Publishing (bisher: Rieper), in dem sich ebenfalls einiges tut: Bisher waren sowohl die Hamburger Verlagstochter Bellevue and More – neben ihren Publikumstiteln und Portalen in Sachen Immobilien und Reisen – als auch die eigene VHB-Kundenmagazinsparte Corps in Sachen Corporate Publishing (CP) unterwegs. Künftig werden die beiden CP-Bereiche zusammengelegt, und zwar unter der Führung von Andrea Wasmuth, bisher (und weiterhin) Bellevue-Geschäftsführerin. Sie wird Vorsitzende der künftig dreiköpfigen CP-Geschäftsführung, gemeinsam mit Holger Löwe und Thorsten Giersch, beide bisher Corps-Geschäftsführer. Der dritte bisherige Corps-Chef Wilfried Lülsdorf soll angeblich eine andere Aufgabe innerhalb der VHB übernehmen.

Durch die Verschmelzung, die Anfang 2016 vollzogen sein soll, „ergeben sich Synergien, die nicht zum Arbeitsplatzabbau, wohl aber zu neuem Umsatz- und Gewinnwachstum genutzt werden sollen“, heißt es in der Mitarbeiter-Mail. Mit Standorten in Hamburg und Düsseldorf sowie einem Umsatz von dann 15 Millionen Euro (zwei Drittel davon von Corps) entstehe „ein schlagkräftiger neuer Spieler auf dem Markt für Firmenkommunikation“, heißt es.

Zum Schluss zurück zur scheidenden Claudia Michalski: Sie hat laut VHB-Pressetext die Mehrheitsanteile an der Personalberatung OMC Ortleb Management Consulting in Berlin erworben und werde dort zum Jahresbeginn 2016 als geschäftsführende Gesellschafterin eintreten. Verleger Dieter von Holtzbrinck findet zu ihrem Abschied warme Worte: Michalski habe „mit ihrer zupackenden Art im Bereich der Fachmedien viel bewegt“. Sie habe die Sparte sichtbarer gemacht und stärker mit dem „Handelsblatt“ und der „Wirtschaftswoche“ verflochten. Man trenne sich „in bestem freundschaftlichen Einvernehmen“. rp

Meist gelesen
stats