Verbrauchertäuschung Wettbewerbszentrale mahnt Werbestopper ab

Freitag, 11. November 2016
Oliver Kahn wirbt für den Werbestopper
Oliver Kahn wirbt für den Werbestopper
© GDVI

Die Zweifel am Gebaren wie auch am Geschäftsmodell von Werbestopper.de werden konkreter. Wie berichtet lockt das von Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn als Testimonial beworbene Angebot mit dem Versprechen, den Briefkasten frei zu halten von unerwünschter Werbung. Inzwischen hat die Wettbewerbszentrale die dahinterstehende Gesellschaft zur Durchsetzung von Verbraucherinteressen (GDVI) abgemahnt.
Die Begründung: Den Nutzern würden einerseits wenig aussichtsreiche Zusagen gegeben, andererseits würden ihnen weitreichende Einwilligungen abverlangt. „Nach unserer Auffassung werden mit der derzeitigen Vorgehensweise der GDVI Verbraucher nicht nur über die Vorteile des Onlinedienstes getäuscht, sondern darüber hinaus an anderer Stelle auch im Unklaren darüber gelassen, wie mit ihren Daten verfahren wird", sagt Reiner Münker, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Wettbewerbszentrale.
Die zunächst auf den 3. November erteilte Frist, um Stellung zu nehmen beziehungsweise die Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, wurde auf Bitten der GDVI nach Angaben der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs bis zum 11.November verlängert. Währenddessen hat Christian Geltenpoth, der Geschäftsführer von GDVI, auf Facebook wegen der Veröffentlichungen über Werbestopper.de Stellung genommen. Diese seien „ganz klar durch die Werbeindustrie gesteuert“, behauptet er, „immerhin geht es um ein Milliardengeschäft“. GDVI gibt vor, mit ihrem Angebot vor allem die Umwelt schonen zu wollen. Eine Kooperation mit der Umweltorganisation WWF garantiere, dass für jeden registrierten Nutzer ein Baum im Regenwald gepflanzt werde. Geld verdiene GDVI nach eigenen Angaben lediglich, wenn der Nutzer ausdrücklich wünscht, Werbung digital zugesendet zu bekommen: „Dann bekommst du deine Wunschwerbung digital von uns, und dann verdienen wir damit“, lautet die Antwort auf die Frage eines Facebook-Nutzers nach dem Geschäftsmodell.

An Dritte sowie zu Werbezwecken würden keine Daten weitergegeben, schreibt Geltenpoth weiter: „Das können wir unseren Nutzern zusichern, und so haben wir es auch auf unserer Webseite garantiert.“ Über die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Werbestopper. de ziemlich versteckte Übermittlung der Daten an die schweizerische Reachsome AG, deren Verwaltungsrat Geltenpoth angehört, schreibt der GDVI-Chef: Diese erfolge lediglich, um den Zustellern eine mobile App anzubieten. „Durch diese können die Austräger sehen, ob bei einem bestimmten Haushalt ein Werbeverbot vorliegt und ob gewisse Werbung eingeworfen werden darf (Whitelist).“ Das sei „im Interesse der Nutzer, da durch diese der Zweck des Dienstes erfüllt wird“.

Wie berichtet, bietet die Reachsome AG bereits eine mobile App mit dem Namen Diva an. Diva steht für Distribution Verification App. Mit GDVI hat Reachsome eine exklusive Lizenz vereinbart. Die App warnt über GPS mit einem Ton vor Werbeverweigerern, die sich online auf der Seite von Werbestopper registriert haben. Wie Reachsome in einem Informationsschreiben mitteilt, könne mit der App die „Aktivität der Zusteller (Wegstrecke, Dauer der Verteilung)“ zudem „zentral geprüft/nachverfolgt werden“.

Zustellerunternehmen, denen GDVI bereits Adressen von Werbeverweigerern zuschickt („als Erklärungsbote“, also „nicht als Vertreter der Verbraucher“) können von Reachsome die Lizenz für Diva erwerben. Kostenpunkt für 50 Endgeräte bzw. ein Gebiet mit zehn Postleitzahlen: 1500 Euro pro Monat. In einer Präsentation, die HORIZONT vorliegt, betont Reachsome vorsorglich, mit GDVI in keiner Weise verbandelt zu sein: „Die Reachsome AG ist eine unabhängige Gesellschaft, die weder eine Beteiligung an der GDVI hält noch umgekehrt.“ Davon, dass GDVI-Geschäftsführer Geltenpoth einer der Reachsome-Gründer ist, steht da nichts. Auch nicht bei Facebook. Dort versichert GDVI, die um Werbestopper herum eine ganze Reihe weiterer Angebote in Planung hat, ihren Nutzern: „Wir geben eure Daten nicht an Dritte weiter, das ist schlicht und einfach unwahr.“ Es gebe „keinen Haken. Mit Werbestopper machen wir uns bekannt. Das ist alles“. usi
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