VPRT-Prognose Audiovisuelle Medien machen erstmals mehr als 10 Milliarden Euro Umsatz

Mittwoch, 21. Oktober 2015
Frank Giersberg, Leiter der Marktentwicklung im VPRT
Frank Giersberg, Leiter der Marktentwicklung im VPRT
Foto: VPRT

Die Stimmung bei den TV- und Radioanbietern bleibt gut. In seiner aktuellen Prognose für 2015 rechnet der Rundfunkverband VPRT damit, dass TV-Werbung netto im Vorjahresvergleich um 2,5 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro steigen wird. Radio stagniert bei rund 740 Millionen Euro. Online werden sowohl Audio als auch Video ihren Werbeumsatz deutlich steigern können.
 Insgesamt werden die audiovisuellen Medien ein Umsatzplus von 5,5 Prozent verzeichnen. "In diesem Jahr durchbrechen wir erstmals die 10-Milliarden-Euro-Marke", sagt Frank Giersberg, Mitglied der Geschäftsleitung des VPRT und für den Markt und Geschäftsentwicklung verantwortlich. Allerdings erfasst der Verband in diesem Jahr auch erstmalig den Bereich Paid Audio, der es auf 464 Millionen Euro bringt. Damit erfasst der VPRT nun einen Großteil des Marktes. Ausgenommen sind die sonstigen Umsätze der audiovisuellen Medienunternehmen. Darunter fallen zum Beispiel der Rechtehandel und Lizenzen sowie die Gebühreneinnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender.

Insgesamt steuert der Pay-Bereich nun knapp ein Drittel zu den Erlösen der audiovisuellen Medien bei und verzeichnet mit 11 Prozent ein deutliches Wachstum. Der Löwenanteil kommt jedoch vom klassischen Pay-TV, auf Paid Video entfallen 229 Millionen Euro.

Den größten Brocken zum Gesamtumsatz der audiovisuellen Medien trägt jedoch immer noch die klassische TV-Vermarktung bei. Allen Unkenrufen zum Trotz wächst die Gattung weiter und profitiert davon, dass sie weniger Reichweitenverluste zu verbuchen hat als andere Medien. "TV hat weiterhin eine robuste Entwicklung. Das klassische Geschäft entwickelt sich positiv und neues Geschäft kommt hinzu",  sagt Martin Krapf, Geschäftsführer der Gattungsinitiative Screenforce TV und im VPRT. Und dieses neue Geschäft wächst stark. Instream-Videowerbung kommt auf ein Plus von 23 Prozent und damit  auf 307 Millionen Euro.

Ähnliches gilt bei den Radiovermarktern. Instream-Audiowerbung wächst in  diesem Jahr um 26 Prozent – allerdings von einem niedrigem Niveau von 10 Millionen Euro aus. Die klassischen Erlöse stagnieren dagegen bei 740 Millionen Euro. Im Vergleich zur Frühjahrsprognose ist das jedoch bereits eine Verbesserung. Ursprünglich hatte der Verband mit einem leichten Minus gerechnet (HORIZONT 21/2015).

"Radio hatte einen schwierigen Start ins Jahr", sagt Florian Ruckert, Vorsitzender der Geschäftsführung des Radiovermarkters RMS. Derzeit erholt sich die Gattung jedoch. Sie profitiert zudem vom VW-Skandal. "Wir sehen eine deutliche Dynamik bei Auto im Radiobereich", sagt Ruckert. Immer wenn es darum geht, den Abverkauf anzukurbeln, wird Radio gern hinzugebucht. Mittelfristig geht Ruckert davon aus, dass Radio auch wieder wachsen wird. Er glaubt, dass die Gattung von der Konvergenzwährung profitieren wird, an der die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse derzeit arbeitet. Die MA Audio mit ihren vergleichbaren Reichweiten soll voraussichtlich Ende November kommen. "Reichweite gewinnt in fragmentierten Märkten an Bedeutung", glaubt Ruckert.
Martin Krapf
Bild: Alexander Hassenstein / Getty Images

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In der Reichweite sieht auch Krapf für sein Medium das  größte Asset: "Wir bedienen die Möglichkeit, Massen zu erreichen", sagt er. Viele Menschen in kurzer Zeit ansprechen zu können, wird als Verkaufsargument immer wichtiger, weil die Mediennutzung sich auf mehr Angebote verteilt. "Wir erwarten eine fortschreitende Fragmentierung", sagt Giersberg.

Trotzdem geht er davon aus, dass der Markt in Summe weiter wachsen wird. Möglichkeiten dazu bieten auch mehr interaktive und datenbasierte Werbemodelle. Die Mitglieder erwarten für die Jahre 2016 bis 2012 eine deutlich steigende Nachfrage nach  Werbeplätzen in professionellen Radiound Audio- sowie TV- und Bewegtbildinhalten.

Auch für die Entwicklung der Pay-Erlöse sind die Mitglieder positiv gestimmt. Wie weit deutsche Anbieter von diesen steigenden Umsatzströmen profitieren werden, hängt aus Sicht der Befragten vor allem  davon ab, ob faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. pap
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