VPRT-Herbstprognose So entwickeln sich die Umsätze der audiovisuellen Medien

Mittwoch, 25. Oktober 2017
Frank Giersberg, Leiter der Marktentwicklung im VPRT
Frank Giersberg, Leiter der Marktentwicklung im VPRT
© VPRT

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) bleibt trotz der zuletzt eingetrübten Aussichten für TV-Werbung optimistisch. Insgesamt werden die audiovisuellen Medien ihren Umsatz in diesem Jahr um 5,8 Prozent auf rund 11,6 Milliarden Euro steigern. "Insgesamt ist es ein sehr erfreuliches Bild", sagt Frank Giersberg, Mitglied der Geschäftsleitung und für den Bereich Markt- und Geschäftsentwicklung im VPRT verantwortlich. "Seit 2013 hatten wir im Markt jedes Jahr eine halbe Milliarde zusätzlichen Umsatz."

Das Wachstum kommt aus jedem einzelnen Segment. Der VPRT macht eine umfangreiche Analyse der Erlösströme von audiovisuellen Medien. In die Betrachtung fließen die Werbeerlöse von Bewegtbild- und Audiowerbung ebenso ein, wie Pay-Umsätze und Teleshopping.

Der stärkste Treiber für die positive Entwicklung sind in diesem Jahr denn auch die Paid-Content-Erlöse. In Summe steigen sie um 12,5 Prozent beziehungsweise 413 Millionen Euro auf 3,3 Milliarden Euro und sind damit zu einem relevanten Standbein für die Industrie geworden. Pay-TV ist dabei das stärkste Segment mit einem Wachstum von 7 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Doch auch die Paid Video-on-Demand Umsätze, die Netflix & Co erzielen wachsen stark um satte 26 Prozent auf 691 Millionen Euro. Auch die Paid-Audio-on-Demand-Erlöse steigen deutlich um 20 Prozent auf 696 Millionen Euro an.
(Bild: VPRT)
Die audiovisuellen Werbeerlöse dagegen wachsen auf hohem Niveau weniger stark. Für Radiowerbung erwartet der VPRT ein Plus von 2,2 Prozent auf 785 Millionen Euro, Instream-Audiowerbung steigt um 38 Prozent auf 29 Millionen Euro. "Wir haben die Prognosen deutlich übererfüllt und sehen eine erfreuliche Nachfragesteigerung", sagt Matthias Wahl, Chef des Privatradiovermarkters RMS. "Wir profitieren von der guten Konjunktur und vom Konvergenzgedanken."

Radio konnte dabei nicht nur von steigenden Spendings relevanter Branchen wie Handels, Automobilbranche und E-Commerce profitieren, sondern auch von der Konsumgüterindustrie, einer Branche, bei der Radio seit Jahren versucht an Relevanz zu gewinnen. Dies scheint nun zu gelingen. Wahl ist auch für 2018 optimistisch: "In Online-Audio ist noch viel Luft."

Optimismus verströmt auch Martin Krapf, Geschäftsführer der Gattungsinitiative Screenforce. Die schlechten Nachrichten der vergangenen Wochen über schwächelnde TV-Werbeerlöse hält er für übertrieben. Von Krise könne keine Rede sein. "Wir sind sehr zufrieden über die Entwicklung und mit der Steigerung von 1,1 Prozent beim linearen Fernsehen", sagt er.
(Bild: VPRT)
Im Frühjahr war der VPRT für TV-Werbung noch von einem Plus von 2 bis 2,5 Prozent ausgegangen. Dass dies nun nicht erreicht wird, ist für Krapf nur eine kleine Delle in einem langfristigen Aufwärtstrend, zudem müsse TV gegen ein extrem starkes Vorjahr anlaufen. "TV-Werbung ist seit 2009 um eine Milliarde gewachsen und sehr robust", wiegelt Krapf Bedenken ab.

Die Unsicherheit, die derzeit in Gesprächen mit Vermarktern und Mediaagenturen spürbar ist, ist aus seiner Sicht nicht gerechtfertgt. "Die Rahmenbedingungen sind weiterhin extrem positiv", sagt er. "Die Berechenbarkeit und Planbarkeit ist allerdings schwieriger geworden", räumt Krapf ein. Das habe jedoch auch 2016 gegolten, als TV weit stärker gewachsen war, als vom VPRT prognostiziert. pap

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