VDZ Zeitschriftenbranche prognostiziert Stabilität in immer härterem Wettbewerb

Montag, 07. April 2014
Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des VDZ
Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des VDZ


Im immer härter werdenden Wettbewerb der Gattungen gibt sich die deutsche Zeitschriftenbranche selbstbewusst. Laut Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), sind es besonders die konjunkturelle Stabilität, eine zunehmende Relevanz auf allen Kanälen, zahlreiche Neugründungen sowie digitale und gedruckte Rekordreichweiten, die im Jahr 2014 für einen stabilen Umsatz sorgen sollen. Parallel dazu erneuerte er in der Jahrespressekonferenz seinen Appell an die Politik in Berlin und Brüssel, regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen.
Der "stabile Umsatz", den Scherzer in den kommenden Monaten erwartet, orientiert sich am Gesamtumsatz aus dem Jahr 2013: Insgesamt 14,85 Milliarden Euro erwirtschafteten die Verlage im vergangenen Jahr über alle Geschäftsfelder hinweg im In- und Ausland. Den Löwenanteil liefert nach wie vor Print, mit einem Umsatzanteil von 66 Prozent bleiben die gedruckten Titel die tragende Säule der Branche. Interessant: Über 40 Prozent des Umsatzes erzielen die Verleger dabei mit Titeln, die jünger als zehn Jahre sind. Und der Gründungsboom hält sowohl bei etablierten Häusern als auch bei jungen, neuen Verlagen an: Von Anfang 2013 bis einschließlich März 2014 stieg die Anzahl der mindestens quartalsweise erscheinenden Publikumszeitschriften um 69 auf ein neues Allzeit-Hoch von 1587 Titeln. Damit hat sich die Zahl der Publikationen innerhalb der letzten 15 Jahre um 43 Prozent erhöht.

Die steigende Titelanzahl geht allerdings mit einer leicht sinkenden Gesamtauflage einher. Laut IVW wurden im vergangenen Jahr pro Quartal durchschnittlich 106,4 Millionen Exemplare von Publikumszeitschriften verkauft. Zum Vergleich: Der Quartalsdurchschnitt 2012 lag bei 109,7 Millionen. Die Fachzeitschriften entwickelten sich dagegen mit 12 Millionen verkauften Exemplaren nahezu stabil (2012: 12,1 Millionen). Grundsätzlich könnten die Auflagenrückgänge in vielen Segmenten allerdings durch höhere Copypreise und neue Titel kompensiert werden, so Scherzer.

Im Anzeigenbereich geht der VDZ von einem Minus von 1,5 Prozent brutto aus, obwohl in den ersten beiden Monaten des Jahres ein Plus von 2,5 Prozent verzeichnet worden sei. Im Vertrieb rechnet der Verband mit einem Minus von 0,5 Prozent.

Wachstumstreiber der Branche bleiben dagegen das Digitalgeschäft und Bereiche wie Konferenzen, Datenbank-Services und Corporate Publishing. Laut einer aktuellen VDZ-Trendumfrage gehen die Teilnehmer ausgewählte VDZ-Mitglieder mit einem Gesamtumsatz von rund 11 Milliarden Euro davon aus, 34 Prozent ihrer Umsätze in den beiden Bereichen zu erwirtschaften. Online soll demnach ein deutliches Plus von 14,8 Prozent zu Buche schlagen, im sonstigen Geschäft ein Plus von 6,1 Prozent. Neben Mobile setzen die Verlage zudem auf Bewegtbild: 59 Prozent der befragten Häuser haben ihr Angebot im vergangenen Jahr ausgebaut, 75 Prozent erwarten in den kommenden zwei Jahren steigende Umsätze in diesem Geschäftsfeld.

"Die deutschen Zeitschriftenverleger haben sich sehr gut auf den medialen Wandel eingestellt", betonte VDZ-Chef Scherzer. Nun müsse auch die Politik in Berlin und Brüssel die regulatorischen Rahmenbedingungen für eine freie Presse, die von inhabergeführten, mittelständischen Verlagen getragen werde, zukunftsfest gestalten. Dies gelte für die EU-Datenschutzverordnung und im EU-Missbrauchsverfahren gegen Google genau wie hinsichtlich der reduzierten Mehrwertsteuer für die digitale Presse, im Schutz von Urheber- und Leistungsschutzrechten sowie im Adblocker-Streit. National belaste auch das Bundeskartellamt die wirtschaftliche Weiterentwicklung von Verlagen. "Während in den USA ein Marktführer wie Facebook seinen größten Konkurrenten Whatsapp für 19 Milliarden Dollar kaufen kann mit globalen Auswirkungen wird in Deutschland kleinkariert auf einen Submarkt wie die Programmzeitschriften geschaut", beschrieb Scherzer. Diese kartellrechtlichen Fesseln aus den 70er Jahren müssten dringend den Realitäten einer globalen Medienwelt angepasst werden. kl
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