VDZ-Präsident Holthoff-Pförtner wird NRW-Minister / Manfred Braun steht als Nachfolger nicht zur Verfügung

Donnerstag, 29. Juni 2017
Die Politik ruft: Stephan Holthoff-Pförtner
Die Politik ruft: Stephan Holthoff-Pförtner
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Er präsidierte nur acht Monate lang: Stephan Holthoff-Pförtner, erst seit Anfang November Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), gibt sein Amt schon wieder auf, um Politiker zu werden. Nun drohen dem VDZ erneut Nachfolger- und Richtungsdiskussionen.

Holthoff-Pförtner, 68, soll Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien in der neuen schwarz-gelben Landesregierung von Nordrhein-Westfalen werden. Der Anwalt, Gesellschafter der Funke Mediengruppe und Freund auch des verstorbenen Ex-Bundeskanzlers Helmut Kohl gilt ebenso als Vertrauter des neuen NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und gehört der Partei seit seiner Jugend an. Holthoff-Pförtner saß im Rat der Stadt Essen, aktuell ist er Schatzmeister der CDU in NRW (Landesparteichef: Laschet), wollte dieses Amt aber nach der NRW-Wahl aufgeben und sich auf sein VDZ-Amt konzentrieren. Nun kommt es ganz anders.

Stephan Holthoff-Pförtner 2016
Bild: Funke Mediengruppe

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Seine Berufung verdeutliche die „große politische und kommunikative Kompetenz sowie die Erfahrung des VDZ-Präsidenten“, die er in die Regierungsarbeit einbringen könne, so der Verband und dankt Holthoff-Pförtner für „seine intensive Arbeit bei der Vertretung der Verlage in der Öffentlichkeit“. Es falle ihm nicht leicht, das VDZ-Amt aufzugeben, lässt der sich zitieren. Ihm sei bewusst, dass er viele Mitglieder mit dieser Entscheidung enttäusche. „Ich bitte um Verständnis, dass ich den Ruf des neuen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten nicht ablehnen konnte.“

Bis zur nächsten Delegiertenversammlung im November führt das Präsidium den VDZ, also die Vize-Präsidenten Lars Joachim Rose (Mediengruppe Klambt), Stefan Rühling (Vogel Business Media), Rudolf Thiemann (Liboriusblatt Hamm), – noch – Volker Breid (Motor Presse Stuttgart), Schatzmeister Christoph Müller und nicht zuletzt VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer. Die kommenden Monate sollen nun genutzt werden, „um die Delegiertenversammlung vorzubereiten“, die dann einen neuen Präsidenten wählt.

Für den VDZ kommt der auch für den Verband überraschende und offenbar sehr kurzfristig mitgeteilte Rücktritt zur Unzeit. Wer sich bei den – verbliebenen – Mitgliedsverlagen umhört, erfährt viel Anerkennung für den Kurzzeit-Kapitän. Holthoff-Pförtner habe sich mit hohem Engagement in die Themen eingearbeitet und seine politischen Verbindungen eingebracht. Ein „Arbeitspräsident“, heißt es.

Sein schneller Abschied ist für den VDZ aber auch deshalb misslich, weil seine Berufung und Wahl den Verband viel gekostet hat: Auch als Reaktion auf das aus ihrer Sicht und auch offensichtlich intransparente Berufungsverfahren des dann am Ende einstimmig gewählten neuen VDZ-Präsidenten und auf aus ihrer Sicht mangelnde Berücksichtigung ihrer Einwände sind Gruner + Jahr, Zeit- und Spiegel-Verlag sowie die Medtweth-Gruppe aus dem Fachverband Publikumszeitschriften (PZ) des VDZ ausgetreten. Zudem gaben die Abtrünnigen „grundlegende Interessen- und Auffassungsunterschiede über Ausrichtung, Ziele und das Miteinander im Verband“ an.

Was die selbst ernannte „Allianz eines modernen, transparenten, digital-zugewandten und gesellschaftlich relevanten Qualitätsjournalismus in Deutschland“ damit unter anderem gemeint haben könnte, zeichnet sich mittlerweile ab: So wollen die vier Dissidenten etwa mit Facebook und Co anders umgehen als der Rest der Verlagswelt und die „sozialen“ Plattformen dazu drängen, mehr Verantwortung für Inhalte zu übernehmen, die andere dort veröffentlichen, während der VDZ die Plattformen eher mit Marktmitteln schlagen will.

Auch das anstehende (Anti-Hate-Speech-) Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) betrachten G+J, „Spiegel“ und „Zeit“ mit größerer Milde, gar mit Verständnis, während VDZ-Geschäftsführer Stephan Scherzer das Vorhaben – zumindest in einer früheren Fassung – als „katastrophal“ für die Meinungsfreiheit bezeichnete. In beiden Fragen übrigens im argumentativen Schulterschluss mit Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, dem Präsidenten des Zeitungsverlegerverbandes BDZV.

Und nun? Befeuert Holthoff-Pförtners Rücktritt wieder mal die Diskussionen um eine mögliche Fusion mit dem BDZV, unter einem gemeinsamen Präsidenten Döpfner? Im Ergebnis unwahrscheinlich – dieses Thema dürfte erst viel später einmal auf der Agenda stehen. Oder kehren die abtrünnigen Verlage jetzt in den VDZ-Fachverband zurück und G+J-Chefin Julia Jäkel wird Präsidentin? Im Vorfeld von Holthoff-Pförtners Berufung war auch ihr Name ins Spiel gebracht worden, dem Vernehmen nach von „Zeit“-Geschäftsführer Rainer Esser – und nicht wenige in der Verlagswelt sagen, das brüske Abbürsten dieses Vorschlags seitens der VDZ-Findungsfunktionäre sei ein, wenn nicht gar der Grund für den Austritt gewesen. Dass G+J und Co jetzt so schnell wieder zurückkehrten, kann ausgeschlossen werden. Denn dann erschiene ihr Austritt rückblickend noch viel mehr als trotzige Farce denn als Versuch eines eigenen Weges. Und auch auf Seiten etlicher Mitgliedsverlage haben die vier Häuser durch ihren "Spaltkurs" (so einer von ihnen) eher verbrannte Erde als bereiteten Boden hinterlassen, abgesehen von den erwähnten marktstrategischen Differenzen.

Und so könnte alles auf Manfred Braun hinauslaufen, seit fünf Jahren einer von zwei Geschäftsführern der Essener Funke Mediengruppe – aus jenem Haus also, an dem Holthoff-Pförtner 17,6 Prozent der Anteile hält. Damit bliebe der Großverlagsproporz nach den langen Jahren der Burda-Präsidentschaft gewahrt, wenn man davon ausgeht, dass der Verband in politisch schwierigen Zeiten den Vertreter eines großen Publikumsverlages an seiner Spitze haben will. Bauer und G+J fallen als Nicht-VDZ-Mitglieder dafür aus, Axel Springer ist eher dem BDZV zuzurechnen.

Gerade erst hat Braun seinen Funke-Vertrag verlängert. Zudem fungiert der 64-Jährige als Vorstandschef des VDZ-Fachbereichs Publikumszeitschriften. Diesen Posten müsste Braun dann abgeben, hatte dies aber ohnehin vor. Und der VDZ? Müsste seine Usancen insofern ändern, dass ihm auch Nicht-Verleger und Nicht-Verlagsgesellschafter als Präsident dienen dürfen.

Ein Funke-Sprecher erteilt den aufkommenden plausiblen Gerüchten jedoch eine schnelle Absage: "Manfred Braun steht für dieses Amt nicht zur Verfügung." Leichter wird es für den VDZ nun nicht. rp

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