VDZ Publishers' Summit Wiele und Welte kritisieren fehlenden Gemeinschaftssinn der Printbranche

Donnerstag, 06. November 2014
Andreas Wiele, Vorstand Vermarktung- und Rubrikenangebote von Axel Springer
Andreas Wiele, Vorstand Vermarktung- und Rubrikenangebote von Axel Springer
Foto: Axel Springer

Deutliche Worte in die eigenen Reihen: Andreas Wiele, Vorstand Vermarktung- und Rubrikenangebote bei Axel Springer, und Burda-Verlagsvorstand Philipp Welte kritisierten beim VDZ Publishers' Summit den fehlenden Zusammenhalt innerhalb der Printbranche. Stein des Anstoßes: das Leistungsschutzrecht. "Wir haben so lange für dieses Gesetz gekämpft, aber jetzt schwächen wir die Umsetzung durch fehlendes gemeinsames Auftreten", klagte Welte in Berlin.
Eine Kritik, die auch Springer-Mann Wiele los werden wollte. Es gehöre schon etwas mehr Mut dazu, sich gegen den "eklatanten Machtmissbrauch" von Google zu stellen. Doch "beim ersten Gegenwind knicken alle ein", wetterte der Vorstand gegen seine Kollegen aus VDZ und BDZV. Und wenn Wiele von Gegenwind spricht, tut er das durchaus aus Erfahrung: Nachdem Springer Google im Zuge der Umsetzung des Leistungsschutzrechtes keine Einwilligung zur kostenlose Anzeige von Textausschnitten und Vorschaubildern in dessen Suchergebnissen erteilt hatte, machte der Konzern seine Entscheidung nun, gerade einmal zwei Wochen später, rückgängig. Der Grund: Laut Springer hat vor allem die verschlechterte Suchanzeige einen massiven Traffic-Einbruch nach sich gezogen. In Berlin kündigte Wiele nun an, zusammen mit der Verwertungsgesellschaft VG Media weitere kartellrechtliche Schritte zu prüfen: "Die Messe ist noch nicht gelesen." Unabhängig von der Auseinandersetzung mit Google müsse die Branche selbstbewusster werden, appellierte Burda-Verlagschef Welte an die versammelte Branche. "Mit einer selbstzerstörerischen Begeisterung entwerten wir die Produkte, die wir herstellen." Dabei würden die Menschen die Produkte, die die Verlage auf den Markt bringen, lieben und schätzen. Eine Aussage, die auch Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, unterstrich. Man müsse häufiger darüber sprechen, was wirklich gut funktioniert, nicht nur über die Probleme. "Am Ende geht es darum, fantastischen Journalismus zu machen!"

Letzteres ist auch die Passion von Manfred Braun, Geschäftsführer der Essener Funke Mediengruppe. Um damit aber auch junge Menschen zu erreichen, seien dringend neue Ideen gefragt. Eine hat Braun offenbar aktuell im Köcher. "Es gibt ein Thema, das wichtiger ist als es die katholische Kirche jemals war: Sport! In diese Richtung müssen wir denken, wenn wir uns fragen, wie sich der Nachwuchs in der Tageszeitung wiederfinden kann." kl
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