VDZ Publishers' Summit Chefredakteure diskutieren richtigen Umgang mit "Lügenpresse"-Vorwürfen

Dienstag, 03. November 2015
Die Chefredakteursrunde beim Publishers' Summit des VDZ
Die Chefredakteursrunde beim Publishers' Summit des VDZ
Foto: VDZ

Glaubwürdigkeit – sie ist das Pfund, mit dem Verlage gerne wuchern. Wenn es um ihren Beitrag zur Meinungsbildung in der Demokratie geht und auch um die besondere Qualität ihrer Titel als Werbeträger. Doch was tun, wenn immer mehr Menschen die Medien laut Umfragen als unglaubwürdig empfinden, gar als "Lügenpresse" beschimpfen?
"Guter Journalismus reicht wohl nicht mehr, um gegen diese Vorwürfe anzukämpfen", sagt "Stern"-Chef Christian Krug auf dem Chefredakteurspodium des VDZ Publishers‘ Summit: "Vielleicht müssen wir hier lauter werden." Nein, ein solches Dagegenhalten allein nütze wenig, widerspricht "Zeit"-Chef Giovanni di Lorenzo. "Wir müssen im Zweifel unsere Recherchen transparent machen und erklären, wie wir arbeiten." Und wenn Redaktionen – tatsächlich gravierende, nicht eher nebensächliche – Fehler machen, dann müsse man darüber reden. Doch genau dagegen gebe es leider eine "berufsnotorische Abneigung". "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer sieht es gelassener: "Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien ist nicht so stark wie wir das hier darstellen." Es mangele nicht an der Bereitschaft zu Selbstkritik und Vorsicht, denn Fehler würden eingestanden und Konjunktive bemüht. Und ja, man müsse in die Diskussion mit den Lesern einsteigen. Ein neues Phänomen sei, dass sich jetzt auch Nicht-Leser zu Wort meldeten, oft mit Gepöbel. "Die haben keine Ahnung, wovon sie reden und die Texte, die sie kritisieren, offenkundig gar nicht gelesen", so Brinkbäumer.

Aber ach, der Leser ist ein gespaltenes Wesen: "Er hat Lust auf Skandale, gleichzeitig aber verachtet er die Presse für die entsprechende Berichterstattung – vielleicht, weil er sich selbst für sein Interesse verachtet", meint "Bunte"-Chefin Patricia Riekel. Im harten Wettbewerb um Auflage, Aufmerksamkeit und Klicks dürften die Medien die Skandalisierungsschraube nicht überdrehen. "Leser wollen Wahrheiten – davon gibt es allerdings oft nicht nur eine", bemerkt „Bild am Sonntag“-Chefin Marion Horn. Schon deshalb sei es falsch, so vieles als Skandal zu verkaufen. Doch veranstaltet genau das nicht "Bild" von Zeit zu Zeit? Nun, sie sei allein für "BamS" verantwortlich und habe sich abgewöhnt, sich zum Schwesterblatt zu erklären. rp
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