VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner "Manchmal reicht es schon, wenn ich anrufe"

Dienstag, 08. November 2016
Stephan Holthoff-Pförtner auf dem Publisher´s Summit des VDZ
Stephan Holthoff-Pförtner auf dem Publisher´s Summit des VDZ
Foto: VDZ

"Er war gar nicht so schlecht" – dieses Resümee möchte Stephan Holthoff-Pförtner einmal über sich lesen, wenn er irgendwann sein Amt wieder abgibt. Eine Bemerkung aus seinem ersten offiziellen Auftritt als frisch gewählter VDZ-Präsident auf dem Jahreskongress des Zeitschriftenverbandes, die den Geist seiner Antrittsrede in Kurzform widerspiegelt: Grundsätzlich statt konkret, humorvoll statt einfordernd, empathisch statt emphatisch.

Das große Thema des neuen VDZ-Präsidenten ist Freiheit. Die persönliche Freiheit, die so eng mit der Pressefreiheit zusammenhängt. „Die gesellschaftlichen Debatten werden härter, polarisierender und mit getrübter Wahrnehmung geführt“, ruft er in seiner ersten offiziellen Rede im neuen Amt den Mitgliedern und Gästen des Verbandes zu. „Die kommenden Zeiten verlangen von uns Mut und Haltung, um die Freiheit zu verteidigen“, so Holthoff-Pförtner, nach eigenen Worten und auch sichtlich noch unter dem Eindruck der Verleihung der VDZ-„Victoria für Pressefreiheit“ an den türkischen Journalisten Can Dündar am Vorabend.

Man müsse der Presse aber auch die Chance geben, ihre Aufgabe als 4. Gewalt, an der sie kritisch gemessen wird, zu erfüllen, sagt der neue VDZ-Präsident – und meint dies auch und gerade in wirtschaftlicher Hinsicht. Hier ist er nun bei den politischen Rahmenbedingungen, lässt sich aber auch auf Nachfragen nicht auf das programmatische Herunterbeten der bekannten VDZ-Forderungen ein.
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Dazu habe man doch gestern alles gehört, so Holthoff-Pförtner. Lediglich ein Thema spricht er explizit an: Den Wunsch nach einer reduzierten Mehrwertsteuer für digitale Presse. „Darüber hat Finanzminister Wolfgang Schäuble gestern leider nicht geredet, vielleicht wollte er uns nicht glücklich machen.“

Wird er seine ihm nachgesagten politischen Verbindungen zum Wohle der Zeitschriftenzunft einsetzen? „Ich nutze meine Freundschaften nicht aus, wahrscheinlich funktionieren sie deshalb so gut“, sagt er und fügt an: „Manchmal reicht es aber schon, wenn ich anrufe.“

Vielleicht wird er ja bald auch die Chefs von Gruner + Jahr, Spiegel-, Zeit- und Medweth-Verlag anrufen – jene Häuser also, die über das Procedere seiner Wahl verstimmt sind. Der VDZ sei „ein Verband, der vor allem von dem Vertrauen, dem Engagement seiner Mitglieder, von ihrer Geschlossenheit, vom Vertrauen und vom Willen zur Zusammenarbeit lebt“, sagt Holthoff-Pförtner: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass diese Grundlagen für eine erfolgreiche Verbandsarbeit selbstverständlich bleiben.“ Unverbindlich unangreifbar – mal sehen, ob er bei seinen baldigen Besuchen in Hamburg etwas verbindlicher agiert.

Immerhin: Wer beim VDZ antritt, „muss keinen Tanker sanieren, sondern kann ein agiles und vitales Schnellboot steuern, mit einem Team, das auf Augenhöhe und hoch anerkannt die Interessen unserer Branche gegenüber Politik und Wirtschaft vertritt“, sagt der neue VDZ-Präsident. Und dankt seinem Vorgänger Hubert Burda, der dem VDZ in fast 20 Jahren „höchste Reputation und Modernität“ verliehen und den Verband so geprägt habe, dass es für ihn, den Neuen, kaum Sinn ergebe, seine Schritte nachzumachen.

Interessant die Sicht von Holthoff-Pförtner (16,7-Prozent-Gesellschafter der Funke-Gruppe) auf den Funke-Kauf zahlreicher Titel von Axel Springer. „Wir sind dafür von Medien- und Wirtschaftsjournalisten nicht gerade mit Lob überschüttet worden“, sagt der VDZ-Präsident. Funke habe sich bei der Übernahmeentscheidung auch für Größenvorteile interessiert. „Größe wird im Zuge der Konsolidierung des Zeitschriften- und Zeitungsmarktes ein wichtiges Kriterium sein, um am Markt zu bestehen“, so Holthoff-Pförtner. Aus Größe heraus könne „eine neue Form der Zusammenarbeit entstehen“, woraus wiederum Wirtschaftlichkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und damit journalistische Unabhängigkeit erwachse – als Voraussetzung für inhaltliche Qualität. Hierin liege der eigentliche Kern des Deals.

Größe, Fusionen, Übernahmen – vielleicht ist das einer der programmatischen Punkte des Neuen. Nur auf die Verlage bezogen natürlich und nicht auf die Verbände. Denn eine schnelle Fusion mit dem Zeitungsverband BDZV haben die VDZ-Offiziellen ja ausgeschlossen. rp

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