VDZ-Präsident Rudolf Thiemann "Der Verband braucht gewiss keine Rettung"

Montag, 06. November 2017
 Rudolf Thiemann beim Publisher's Summit des VDZ
Rudolf Thiemann beim Publisher's Summit des VDZ
© VDZ

Klare Ansage: Nach seiner Wahl macht Rudolf Thiemann klar, dass er sich nicht nur als Übergangspräsident sieht, auch wenn er jetzt die Amts-Restlaufzeit von Stephan Holthoff-Pförtner übernimmt. Schon im Sommer 2018 will Thiemann wieder antreten, dann für eine volle Amtszeit bis Ende 2021. „Bis dahin möchte ich gezeigt haben, dass ich dieses Vertrauen verdiene“, sagt er im Interview mit HORIZONT Online.

Herr Thiemann, erst einmal Glückwunsch zur Wahl! Vor der Abstimmung am Sonntag hatten Sie vor den Delegierten Ihre Bewerbungsrede gehalten. Eine weitere Keynote folgte heute zur Eröffnung des Publishers‘ Summit. An welchen Worten haben Sie länger gefeilt? Die Bewerbungsrede war deutlich kürzer. Jedenfalls freue ich mich über die Zustimmung und das damit verbundene Vertrauen in meine Person.

Die Wahl war nötig, weil Ihr Vorgänger Stephan Holthoff-Pförtner nach nur acht Monaten hingeschmissen hat, um in die Politik zu gehen. Und das, nachdem die wichtigen Mitglieder Gruner + Jahr, Spiegel und Zeit sein Berufungsverfahren zum Anlass genommen hatten, aus dem Fachverband auszutreten. Haben Sie sich als Retter in der Not breitschlagen lassen? Ich habe mich nicht breitschlagen lassen, sondern ich bin gefragt worden – und ich habe sehr gerne zugestimmt. Das ist eine neue spannende Herausforderung für mich. Und ja, es ist kein Geheimnis, dass rund um das Präsidentenamt zuletzt einige Dinge unerwartet verlaufen sind. Aber der VDZ braucht gewiss keine „Rettung“, und er war auch in den vergangenen Wochen nicht kopflos. Er funktioniert bestens, eine gewisse Zeit auch ohne Präsident – dank der Landesverbände, die den VDZ tragen, dank der Fachverbände, dank der schlagkräftigen Organisation in Berlin und dank des Präsidiums, dem auch ich seit 20 Jahren angehöre.

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Sehen Sie sich als Übergangskandidat? Das ist nicht despektierlich gemeint – schließlich sind Übergänge oft entscheidende und sensible Phasen, die besonnene Führung erfordern. Die Verlagswirtschaft insgesamt befindet sich schon seit Jahren in einer Phase der Transformation, die ich in meinem eigenen Haus und im Verbandspräsidium seit langem miterlebe und mitgestalte. Dies werde ich nun als VDZ-Präsident noch intensiver fortsetzen.

„Wenn Menschen sich in den großen Plattformen freiwillig mit allen ihren Daten öffnen, ist es widersinnig, einen Verbraucherschutz einzurichten, der Verlagen die Gewinnung von und den Umgang mit solchen Daten unnötig erschwert oder sogar verbietet.“
Rudolf Thiemann
Da übernehmen Sie nun erst einmal die Amts-Restlaufzeit Ihrer Vorgänger Hubert Burda und Holthoff-Pförtner. Bereits im Sommer 2018 steht die Bestätigung Ihrer Präsidentschaft mit neuerlicher Wahl an, dann für eine volle Amtszeit bis Ende 2021. Werden Sie antreten? Ja, das werde ich. Bis dahin möchte ich gezeigt haben, dass ich dieses Vertrauen verdiene.

Was steht ganz oben auf Ihrer außenpolitischen Agenda? Die Auseinandersetzung mit den großen Digitalplattformen ist auch gesellschaftspolitisch ganz entscheidend. Wenn Menschen sich in den großen Plattformen freiwillig mit allen ihren Daten öffnen, ist es widersinnig, einen Verbraucherschutz einzurichten, der Verlagen die Gewinnung von und den Umgang mit solchen Daten unnötig erschwert oder sogar verbietet. Wir kritisieren massiv die E-Privacy-Verordnung, deren aktuelle Fassung die werbefinanzierte freie Digitalpresse gefährdet. Ähnlich wie die Einschränkungen im Telefonmarketing, mit dem wir Verlage derzeit jährlich ein Drittel aller bestehenden Abos auffrischen. Ich sehe es als unsere Verbandsaufgabe an, bei allen Regulierungsplänen in Brüssel und Berlin die Finanzierung redaktioneller Medien und Marken zu sichern. Des geschriebenen Wortes, ob gedruckt oder digital. Das Thema Fake News ist schließlich nicht durch die Verlage aufgekommen.

Sie hatten einen Mitbewerber ums Amt, den Clap-Verleger Peter Böhling. Er will, dass sich der VDZ mehr um Magazinmacher und weniger um Medienmanager kümmert. Mehr ums Kreieren von Inhalten, weniger um Lobby- und BWL-Themen. Sind das gute Anregungen? Ich hatte den Kollegen getroffen und schätze ihn als leidenschaftlichen Blattmacher und Geschichtenerzähler. Ich bin aber der Meinung, dass es Aufgabe der Verlage ist, Inhalte zu erschaffen – nicht des Verbands. Und ein VDZ-Präsident sollte nicht erklären, wie das geht.

Böhling kritisiert auch Ihr Berufungsprocedere als intransparent, Stichwort Hinterzimmer. Alles geht von den Landesverbänden aus, dort werden Kandidaten gesucht, vorgeschlagen, müssen sich erklären und überzeugen – erst die eigenen Delegierten, dann die übrigen. Wenn nach diesen Diskussionen ein Kandidat übrigbleibt, sollte man sich nicht wundern, wenn der dann auch gewählt wird. Die Satzung lässt es zu, dass Kandidaten auch von der Seitenlinie zur Wahl antreten können. Unabhängig davon freuen wir uns über das Engagement und jedwede Anregung aller Mitglieder.

Philipp Welte 2016
Bild: Flo Fetzer für Hubert Burda Media

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Vor der Wahl hatte sich Böhling Ihnen als Vize angedient. Wären Sie nicht ein gutes Team? Das gibt die Satzung nicht her. Vize-Präsident kann nur werden, wer Delegierter ist. Und dazu sollte man sich im eigenen Landesverband einbringen und aufstellen lassen. Ich lade den Kollegen herzlich ein, dies zu tun. Die Tür für engagierte neue Köpfe dort steht weit offen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit im neuen Präsidium, ebenso mit den Vorständen der Fachverbände im VDZ, etwa dem der Publikumszeitschriften mit seinem neuen Sprecher Philipp Welte und dessen Vertretern.

Man könnte die VDZ-Satzung ändern, um künftig Wahlvorschläge zu erleichtern. Das werden wir prüfen.

Sieht sich Thiemann als Präsident der kleineren Verlage? Und eher zuständig für die Verbands-Innenpolitik – oder fürs Äußere? Wie bringt er Klatschblätter mit Meinungsfreiheit zusammen? Welche Rolle spielt Religion in seiner Verlagsmission? Wieviel Tradition kann sich der VDZ in Zeiten der Disruption leisten? Macht eine Fusion mit dem BDZV Sinn? Was hält er von Julia Jäkels Vorschlag einer „Corporate Media Responsibilty“? Und fährt er bald zu den abtrünnigen Verlagen, um sie zur Rückkehr zu bewegen? Das und mehr lesen Abonnenten im Interview mit Thiemann, das in der Ausgabe 45/2017 am Donnerstag, 9. November erscheint und auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen. rp

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