VDZ Hubert Burda kündigt Rücktritt an / Stephan Holthoff-Pförtner soll Nachfolger werden

Dienstag, 18. Oktober 2016
VDZ-Chef Hubert Burda tritt ab
VDZ-Chef Hubert Burda tritt ab
Foto: VDZ

In gut zwei Wochen endet eine Ära: Hubert Burda, seit fast 20 Jahren Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), tritt ab. Auf der Verbandssitzung am 6. November im Vorfeld des VDZ-Kongresses Publishers’ Summit in Berlin will Burda, 76, sein Amt niederlegen, das er 1997 übernommen hatte. Dies verkündete der VDZ am Dienstagvormittag. Der anstehende Präsidentenwechsel dürfte erneut Planspiele und Spekulationen über eine mögliche Fusion mit dem Zeitungsverband BDZV befeuern.

Seine Entscheidung sei gereift und komme zur richtigen Zeit, so Burda. "Der VDZ ist so gut aufgestellt wie nie, er wirkt mit großer Nachhaltigkeit und erfolgreich sowohl in Berlin als auch in Brüssel: Wir haben gerade in diesem Jahr politisch enorm viel erreicht", erklärt der scheidende VDZ-Präsident. Das Präsidium des VDZ dankt Burda für seine herausragenden Leistungen und Verdienste für die gesamte Branche wie für deren Interessenvertretung. "Er hat die positive Entwicklung des VDZ und der gesamten Branche maßgeblich gestaltet. Als Verleger ist er ein Musterbeispiel dafür, wie ein Unternehmer in der zunehmend digitalisierten Verlagswelt agieren kann", so VDZ-Vizepräsident Rudolf Thiemann.

Als Nachfolger schlägt das VDZ-Präsidium der Delegiertenversammlung Stephan Holthoff-Pförtner aus der Gesellschafterfamilie der Funke Mediengruppe vor. Der frühere Zeitungskonzern ("WAZ") habe sich in den vergangenen Jahren durch hohe Investitionen in Magazine unter den Top 4-Zeitschriftenverlagen in Deutschland etabliert, lobt der VDZ. Holthoff-Pförtner wirke als Verleger, Unternehmer, Rechtsanwalt und Notar von seiner Heimatstadt Essen aus. Er sei "in der politischen Welt über die Parteigrenzen hinweg vernetzt und ein gefragter Ratgeber zahlreicher Vorstände unterschiedlichster Unternehmen und Branchen". Thiemann: "Stephan Holthoff-Pörtner ist ein hochkompetenter, in gleicher Weise unternehmerisch wie politisch denkender und agierender Verleger."

Doch der anstehende Präsidentenwechsel dürfte erneut Planspiele und Spekulationen über eine mögliche Fusion mit dem Zeitungsverband BDZV befeuern.

Rückblende: Bereits 2011 hatte Burda in Verbands- und Verlagskreisen signalisiert, sein VDZ-Amt eigentlich schon bis Sommer 2012 abgeben zu wollen. Hinter den Kulissen liefen damals monatelange Nachfolgevorbereitungen für den Tag X. Top-Kandidat war damals Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Doch auch vor dem Verkauf vieler Zeitschriften an Funke galt Springer vor allem als Zeitungshaus, deshalb war Döpfner umstritten. Und für eine Fusion des VDZ mit dem BDZV schien die Zeit noch nicht reif – vor allem in diesem Szenario hätte ein Präsident Döpfner Sinn ergeben. Wie auch immer: Döpfner stand damals für eine (Kampf-) Kandidatur nicht zur Verfügung. In dieser Situation verschaffte der quer durch alle Verlagslager hoch geschätzte Hubert Burda seinem Verband mit weiteren Amtszeitverlängerungen die Zeit und Ruhe für Strategie- und Nachfolgersuchen.

Vor dem Hintergrund von Burdas nun endgültigem Rücktrittswunsch wundert es nicht, dass in der jüngsten Zeit wieder Fusionsszenarien spekulativ die Runde machen. Zuletzt hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet. Döpfner amtiert mittlerweile als BDZV-Präsident – und neben ihm wäre ein VDZ-Pendant Holthoff-Pförtner, der auch bei Funke bei aller Vernetzung bisher eher im Hintergrund wirkte, kaum dauerhaft vorstellbar. Vielmehr könnte er, gerade er als Funke-Mann, als erfahrener Strippenzieher im eigenen Zeitungsgeschäft (WAZ-Gruppe, "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost", Zeitungsgruppe Thüringen) engere Verbindungen zwischen den deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen und ihren Verbänden knüpfen. Holthoff-Pförtner könnte deshalb ein VDZ-Präsident des Übergangs werden: Des Übergangs zur Fusion mit dem BDZV unter einem gemeinsamen Verlagspräsidenten Mathias Döpfner.

Zurück zu Hubert Burda: Als er 1997 an die Spitze des VDZ rückte, hatte sein Verlag gerade einen Wachstumsschub hinter sich, beschreibt die „FAZ“ mit Blick auf die erfolgreiche Gründung des „Focus“ 1993. Umso stärker war der Rückenwind Burdas für seinen VDZ-Kampf gegen weitere Werbeverbote, gegen gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Textkonkurrenz durch ARD und ZDF im Internet – und für das Leistungsschutzrecht für Verlage sowie für vergleichbare faire Wettbewerbsregeln für die US-Digitalplattformen. „Dass der frühere EU-Kommissar Joaquin Almunia das Wettbewerbsverfahren gegen Google nicht ohne weitere Begründung sang- und klanglos einstellen konnte, war auch Burdas Verdienst“, urteilt die „FAZ“. rp

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