VDZ-Bilanz Stabiles Stammgeschäft bei wachsenden Nebenerlösen

Dienstag, 25. April 2017
Stephan Scherzer präsentiert die Zeitschriftenbilanz für 2016
Stephan Scherzer präsentiert die Zeitschriftenbilanz für 2016
© VDZ

„Das Jahr 2016 war ein stabiles Jahr für die Zeitschriftenverlage“, bilanzierte Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger, am Dienstag in Berlin. Er schwärmte von der Innovationskraft der Verlage, von redaktionell überprüften Inhalten, vertrauenswürdigem Journalismus, vom Wert geistigen Eigentums, schützenswerter Meinungs- und Pressefreiheit. Man mag ihm nicht widersprechen, und es gibt ja auch den einen oder anderen Lichtblick am Kiosk. Wie aber passen Scherzers Ausführungen zu den vielen Minuszeichen in den tags zuvor veröffentlichten IVW-Zahlen, zu immer neuen Thermomix-Magazinen und den zahlreichen neuen wie alten Yellows, die geschäftsmäßig mit Irreführendem und mit Falschbehauptungen locken?

Die Zeitschriftenbranche ist ein starker Wirtschaftszweig in Deutschland. 2016 erwirtschafteten die Verlage einen Umsatz in Höhe von 14,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 14,7 Milliarden Euro). Sie beschäftigen rund 60.000 Mitarbeiter. Stetig werden neue Magazine entwickelt. 2016 brachten die Verlage 87 Titel auf den Markt, 53 wurden eingestellt. Auch im laufenden Jahr sind Neugründungen geplant. Das gaben bei der vom VDZ durchgeführten Trend-Umfrage fast zwei Drittel der befragten Häuser an. Im ersten Quartal waren es bereits 18 Titel. Zum Ende des ersten Quartals 2017 gab es in Deutschland dem Wissenschaftlichen Institut für Presseforschung und Medienberatung aus Köln zufolge 1.596 mindestens quartalsweise erscheinende Publikumszeitschriften. Bei den Gründungen stünden hochpreisige mit kleinen Auflagen von weniger als 50.000 Exemplaren und thematisch „besonders die Segmente Gesundheit, Frauen sowie Essen und Kochen hoch im Kurs“, sagte Stephan Scherzer.

Unterm Strich sinken die Umsätze aus den klassischen Erlösquellen dennoch weiter, im Vertrieb um 1,6 Prozent und im Anzeigengeschäft um 1,9 Prozent. Umso mehr setzen die Verlagsmanager 2017 auf das Digitalgeschäft, das 2017 ein Wachstum von elf Prozent verspricht, sowie auf Neben- und sonstige Geschäfte wie Konferenzen und Datenbank-Services, die ein Umsatzplus von gut sieben Prozent erwarten lassen.

„Die Presseverleger müssen als Rechteinhaber im EU-Urheberrecht anerkannt werden.“
Stephan Scherzer
Stephan Scherzer auf der Jahrespressekonferenz des VDZ
Stephan Scherzer auf der Jahrespressekonferenz des VDZ (Bild: VDZ)
Ein Schwerpunkt liegt im Aufbau von Communities, bei denen „Print eine zentrale Rolle als vertrauensvoller Anker der Marken“ spiele, sagte Scherzer. Zugleich klagte er über fehlende Rechtspositionen im Digitalen, die die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle erschwerten. Damit war er bei den bekannten Forderungen angelangt: dem Schutz fremden geistigen Eigentums vor den großen Technologie-Plattformen: „Die Presseverleger müssen als Rechteinhaber im EU-Urheberrecht anerkannt werden. Die Vermarktungshoheit der Verlage über ihre journalistischen Produkte ist existenziell für eine unabhängige, digitale Pressefinanzierung“, sagte Scherzer. Eine Absage erteilte er dem sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Justizminister Heiko Maas, das Facebook zum Zensor mache. Es sei gut gemeint, aber schlecht gemacht. Besser wäre, Facebook würde, „eigene Ressourcen aufbauen und 24/7 erreichbar sein, um geltendes Recht nach Aufforderung zeitnah umzusetzen“. Zugleich müssten Bürger ermutigt werden, im Zweifel die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten. Vor allem aber reiche es aus, geltendes Recht umzusetzen. In diesem Zusammenhang hob Scherzer hervor, dass die Zeitschriftenverlage „mit ihren Medien-Marken gerade im Vergleich zu den sozialen Netzwerken, Youtube und Co. ein vertrauenswürdiges Umfeld für Leser und für nachhaltige Werbung“ böten. Die Stichwörter lauten Glaubwürdigkeit und Brand Safety.

Was aber ist mit all jenen Yellows, nicht zuletzt aus der Funke Mediengruppe des VDZ-Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner, die es geschäftsmäßig mit redaktionell geprüften Inhalten nicht so genau nehmen? Für Scherzer sind genau diese Blätter der Beleg, wie gut der Markt funktioniere: Die Medien loteten Grenzen aus, wo sie überschritten würden, schreite das Gesetz ein, alles andere regle der Markt. Die Menschen wüssten, was sie erwartet, wenn sie diese Titel kaufen, wollten es nicht anders und könnten einordnen, was sie dort zu lesen bekommen. So kann man es auch sehen.

Die Prognose für 2017

Zuversichtlich schaut die Branche auf 2017. Drei Viertel der Verlagsmanager erwarten steigende Umsätze bei Online-Angeboten, die Hälfte verspricht sich Erlöszuwächse bei Mobile- und Paid-Content-Angeboten, gefolgt von Sonderausgaben und Specials (38 Prozent). Gleichzeitig richtet sich der Fokus darauf, die Umsatzbasis durch neue Erlösquellen zu verbreitern. 62 Prozent der Befragten gehen von einem Umsatz-Plus im Geschäft mit Diversifikationsprodukten wie E-Commerce und Datenbank-Services aus. Mit steigenden Umsätzen rechnen die Verlagsmanager bei Content-Marketing-Dienstleistungen (52 Prozent), Lead-Generierung (43 Prozent) und Native Advertising (35 Prozent).  usi

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