Urteil Auch Anreißer müssen ausgewogen sein

Mittwoch, 04. März 2015
Daniel Mack ist Kommunikationsberater und saß für die Grünen im hessischen Landtag
Daniel Mack ist Kommunikationsberater und saß für die Grünen im hessischen Landtag
Foto: Screenshot Danielmack.de
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Daniel Mack Ralf Höcker


Für kurze Anreißer, die im Internet auf einen längeren kostenpflichtigen Text verweisen, gelten die gleichen journalistischen Regeln wie für den gesamten Text. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Köln hervor. Der hessische Grünen-Politiker Daniel Mack hatte gegen die "Bild"-Zeitung geklagt, die über eine angebliche Schwarzfahrt des ehemaligen Landtagsabgeordenten berichtet hatte.
Die "Bild" hatte in dem Artikel den Eindruck erweckt, der Politiker sei in einen "Schwarzfahr-und Fälscher-Skandal" verwickelt. Auf der Website Bild.de lautete der Teaser zu dem kostenpflichtigen Bild-plus-Artikel: "Grünen-Politiker soll Bahn-Ticket gefälscht haben". Entlastende Fakten, die Mack dem Redakteur der "Bild"-Zeitung mitgeteilt hatte, wurden nicht erwähnt. Der Politiker und Kommunikationsberater erhob daraufhin eine Unterlassungsklage gegen die Boulevardzeitung - und bekam nun vor dem Landgericht Köln Recht. Dass beide Textteile, also sowohl der Anriss als auch der Text selbst, nicht mehr erscheinen dürfen, belegen nach Ansicht von Macks Anwalt Ralf Höcker, dass jeder Text "ausgewogen formuliert" sein müsse - auch ein ausgewogener Artikel hinter der Bezahlschranke rechtfertige keinen reißerischen Teaser.

Das Urteil könnte weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur die "Bild"-Zeitung arbeitet oft mit stark zugespitzten Schlagzeilen und Teasern, um Leser auf ihre Website zu lenken oder zum Kauf kostenpflichtiger Inhalte zu bewegen. dh
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