Upday Würtenberger warnt vor Duopol von Google und Facebook bei Mobile-Werbung

Donnerstag, 06. April 2017
Wollen Upday nach vorne bringen: Peter Würtenberger (li.) und Mario Winter
Wollen Upday nach vorne bringen: Peter Würtenberger (li.) und Mario Winter
© Jeannette Petri

Facebook, Google - und dann ganz lange gar nichts? In den USA landen bereits über 80 Prozent der aus klassischen Medien in Mobile-Werbung verschobenen Budgets bei den beiden Internet-Giganten, sagt Axel-Springer-Manager Peter Würtenberger. Und weiter: „Das ist dramatisch, da müssen sich die anderen Player wirklich anstrengen. Wir sollten in Europa den mobilen Werbemarkt nicht einem Duopol von Facebook und Google überlassen.“

Peter Würtenberger ist CEO von Upday, einer News-App, die Springer exklusiv für Samsung-Smartphones produziert. Das ehrgeizige Ziel: Upday soll zu einem „wirklich paneuropäischen News-Service“ werden und „eine führende Rolle in Europa spielen.“ Teil 1 der Mission hat schon mal ganz gut geklappt: Mit über 3 Millionen Unique Usern schaffte das Team um Chefredakteur Jan-Eric Peters bereits im ersten Jahr der Sprung in die Agof-Top-Ten der digitalen News-Angebote. Fast noch wichtiger ist, dass man auch bei Samsung zufrieden ist mit den aktuellen Nutzerzahlen. Auf die Frage, ob Upday besser performe als davor Flipboard, antwortet Mario Winter, Director Marketing für IT und Mobile Devices:  „Eindeutig ja. Wir sind sehr zufrieden mit der Performance im ersten Jahr. Die App wird von den Usern hervorragend angenommen.“

HORIZONT Online sprach mit Würtenberger und Winter über den Status Quo von Upday und wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll.


"Unser Ziel ist, eine führende Rolle in Europa zu spielen"

 

Wie ist die bisherige Bilanz von Upday?
Peter Würtenberger: 
Wir liegen deutlich über dem, was wir selbst erwartet haben. In Deutschland sind wir mit über drei Millionen Unique Usern im Inland die Nummer 1 unter den News-Apps und in den Top 10 der digitalen News-Angebote insgesamt. Was uns besonders freut und auch überrascht hat, ist die tägliche Nutzungsdauer von durchschnittlich über fünf Minuten. Das ist im Vergleich zu den Wettbewerbern ein sehr hoher Wert und spricht für die Qualität von Upday.

Performt Upday besser als der vorherige Samsung-Newspartner Flipboard?
Mario Winter: 
Eindeutig ja, wir sind sehr zufrieden mit der Performance im ersten Jahr, die App wird von den Usern hervorragend angenommen. Was uns besonders wichtig ist: Upday ist ein sehr starkes Argument für Wiederkäufer. Laut Marktforschung sagen über 50 Prozent unserer Kunden, Upday sei ein wichtiger Grund, sich beim nächsten Kauf wieder für Samsung zu entscheiden. Das ist ein fantastischer Wert.

Wie geht es weiter mit Upday?
Würtenberger: 
Aktuell sind wir in sechs Ländern vertreten und erreichen insgesamt mehr als acht Millionen Unique User. Ab dem 10. April kommen zehn weitere europäische Märkte hinzu. Die meisten Verlage konzentrieren sich auf ihre lokalen Heimatmärkte, wir gehen einen Schritt weiter und bauen Upday zu einem wirklich paneuropäischen News-Service aus. Unser Ziel ist, eine führende Rolle in Europa zu spielen.

„Wir brauchen auch Services, die einen zusätzlichen Mehrwert bieten. Upday gibt es nur auf Samsung-Devices, das ist ein starkes Alleinstellungsmerkmal, das wir auch offensiv kommunizieren.“
Mario Winter
Samsung-Manager Mario Winter
Samsung-Manager Mario Winter (Bild: Jeannette Petri)
Welche strategische Bedeutung hat Upday für Samsung?
Winter: 
Wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass sich die Geräte heute optisch weitgehend ähneln. Technologisch ist Samsung sicherlich top, auch die starke Marke ist ein wichtiges Argument. Aber wir brauchen auch Services, die einen zusätzlichen Mehrwert bieten. Upday gibt es nur auf Samsung-Devices, das ist ein starkes Alleinstellungsmerkmal, das wir auch offensiv kommunizieren.

Wie lauten die Ziele in der Werbevermarktung? 
Würtenberger: 
Im ersten Jahr stand der Aufbau von Reichweite im Mittelpunkt, jetzt konzentrieren wir uns voll auf die Vermarktung. Ich habe in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe Gespräche mit Werbungtreibenden auf Top-Ebene geführt, die Resonanz ist überaus vielversprechend. Wir haben feste Zusagen von VW, Seat, Vodafone, Henkel, ATU. Alles wunderbare Kunden und für mich alte Bekannte. Ich bin sehr optimistisch für die Vermarktung. Und wir fangen ja gerade erst richtig an.

Wie übermächtig sind Facebook und Google? 
Würtenberger: 
Facebook und Google vereinnahmen in den USA bereits über 80 Prozent der aus klassischen Gattungen in Mobile-Werbung verschobenen Budgets. Das ist dramatisch, da müssen sich die anderen Player wirklich anstrengen. Wir sollten in Europa den mobilen Werbemarkt nicht einem Duopol von Facebook und Google überlassen.

Wie schwer wiegt der Vorteil der geringen Ladezeiten von Instant Articles auf Facebook? 
Würtenberger: 
Die Ladezeiten sind auch bei Upday sehr schnell. Hier muss ich einmal ausdrücklich Google loben. Fast zeitgleich zum Start von Upday hat Google den Standard Accelerated Mobile Pages (AMP) eingeführt, durch den die Zugriffsschnelligkeit auf Publisher-Websites um ein Vielfaches gestiegen ist. Das war wirklich ein Segen für uns.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Mobile-Werbung insgesamt? 
Würtenberger: 
Es gilt die alte Regel: Ads follow Eyeballs. Deshalb wird Mobile mit Sicherheit weiter sehr stark wachsen - laut Nielsen in den ersten zwei Monaten in Deutschland bereits um 80 Prozent. Allerdings: Die Menschen wollen nach meiner Erfahrung keine frustrierenden Layer-Ads, die sie wegklicken müssen, oder kleinformatige Anzeigen, die man kaum lesen kann.
„Das Werbeformat der Zukunft in Mobile ist integrierte Fullscreen-Werbung.“
Peter Würtenberger
Peter Würtenberger
Peter Würtenberger (Bild: Jeannette Petri)


Welche Mobile-Werbung hat das größte Potential? 
Würtenberger: 
Ich glaube vor allem an Regio-Targeting, also GPS-basiertes Targeting. Das wird sich in den nächsten Jahren rasant entwickeln. Sehr großes Potenzial sehe ich auch bei Native Advertising. Und natürlich wird auch Bewegtbild zunehmend wichtig.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen Publishern? 
Würtenberger:
Anders als bei Instant Articles auf Facebook leiten wir den Traffic direkt auf die Websites der Medienmarken weiter. Deshalb profitieren auch andere Verlage von Upday und eben nicht nur Axel Springer und Samsung. Namhafte Verlage bekommen mittlerweile fast 5 Prozent des Traffics ihrer Mobile-Websites von Upday, bei einzelnen sind es sogar schon über 10 Prozent. Wir sind nicht alleine auf der Autobahn von Samsung, sondern nehmen die anderen Verlage mit. Das ist eine echte Win-Win-Win-Situation.

Plant Samsung Änderungen im Media-Mix? 
Winter: 
Unser Media-Budget wird sich 2017 in etwa auf Vorjahresniveau bewegen, wobei wir zukünftig einen deutlich stärkeren Schwerpunkt auf Performance Marketing legen. Das betrifft auch sehr stark gemeinsame Maßnahmen mit Partnern wie Netzbetreibern und dem Retail. Grundsätzlich geht es uns darum, die Consumer-Decision-Journey noch besser zu verstehen und die einzelnen Medien noch exakter zu tracken. Der Anteil von Digital an unseren Media-Spendings wird weiter steigen, aber wir setzen auch auf Print und werden natürlich auch weiterhin im Fernsehen zu sehen sein. Wir brauchen alle Medien. Die Frage lautet immer: Über welche Kanäle kann ich welche Message am besten rüberbringen?

Wie wichtig ist Content Marketing für Samsung?
Winter: 
Sehr wichtig. Wir sprechen hier vor allem von sogenanntem Uplift-Content. Unsere Zahlen zeigen, dass sich in der Launch-Phase eines neuen Produkts die Conversions in den E-Shops um 20 bis 30 Prozent steigern lassen, wenn man den richtigen Content liefert. Eine der wichtigsten Aufgaben lautet: Wie schaffen wir es, für jeden Partner spezifischen Content zu liefern und gleichzeitig konsistent über alle Kanäle zu kommunizieren? Das ist aktuell die große Herausforderung.

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