"Unverantwortliche Spekulationen" WhatsApp-Gründer Jan Koum geht in die Offensive

Dienstag, 18. März 2014
Jan Koum beim Digitalkongress DLD 2014 in München (Bild: DLD)
Jan Koum beim Digitalkongress DLD 2014 in München (Bild: DLD)

Seit der Übernahme durch Facebook sieht sich WhatsApp-Gründer Jan Koum mit Spekulationen konfrontiert, sein Messaging-Dienst könnte nun ihn ähnlicher Größenordnung Daten der Nutzer sammeln wie die neuen Besitzer. Nun reichte es Koum offenbar: Per Blogpost stellte der WhatsApp-Chef klar, dass sein Unternehmen auch in Zukunft nicht im großen Stil Daten sammeln werde. "Missverständnisse aus dem Weg räumen" ist der Beitrag überschrieben, der am 17. März im Firmenblog erschien. Darin geht Koum zunächst auf das gigantische Echo ein, das die Übernahme durch Facebook hervorgerufen habe. "Leider gab es auch viel ungenaue und unachtsame Informationen darüber, was die Partnerschaft mit Facebook für die Daten und die Privatsphäre unserer Nutzer bedeutet", schreibt Koum und fährt fort, indem er von seinem Aufwachsen in der Sowjetunion der 80er Jahre erzählt. Die allgegenwärtige Angst vor Überwachung sei der Grund für seine Familie gewesen, in die USA auszuwandern.

Aus dieser Erfahrung heraus habe er für WhatsApp festgelegt, so wenig über die Nutzer zu wissen wie möglich: Name, E-Mail-Adresse, Geburtstadatum, Adresse, Arbeitsstelle, Vorlieben, Suchverhalten im Internet - alle diese Daten seien noch nie erhoben worden und es gebe keine Pläne, das zu ändern, schreibt Koum. Wohl wissend, dass Facebook viele dieser Dinge über seine Nutzer tatsächlich weiß. "Wenn die Partnerschaft mit Facebook bedeutet hätte, das zu ändern, dann hätten wir es nicht getan." Die fundamentalen Werte und Glaubensgrundsätze des Unternehmens würden sich nicht ändern. "Über das Gegenteil zu spekulieren ist nicht nur unbegründet, sondern auch unverantwortlich."

Ein derart klares Bekenntnis zum Datenschutz könnte so manchen verunsicherten Nutzer womöglich erst einmal beruhigen. Denn auch wenn WhatsApp bislang nicht als Datenkrake galt, stellte sich doch immer wieder die Frage, wie sicher die Informatione der Nutzer eigentlich sind. Denn mit schöner Regelmäßigkeit machten Berichte über Sicherheitslücken bei WhatsApp die Runde. Daran wird allerdings gearbeitet: Wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, könnte Whatsapp in das sogenannte "White Hat Bounty Programm" aufgenommen werden. Facebook zahlt dabei Belohnungen an freundlich gesinnte Hacker, wenn sie Sicherheitslücken aufspüren und melden.

Eine Frage bleibt allerdings auch nach Koums Blogbeitrag weiter offen: Kann WhatsApps Geschäftsmodell - keine Werbung, keine Spiele - wirklich fortbestehen, wenn der 19-Milliarden-Deal sich für Facebook jemals rechnen soll? Jüngst etwa berichtet "Forbes" unter Berufung auf Insider, dass es mit der Werbefreiheit der App bald vorbei sein könnte. Und digitale Anzeigenschaltungen haben, wenn sie wirksam sein und sich finanziell lohnen sollen, immer auch mit treffsicherer Zielgruppenansprache zu tun. Und dafür braucht es Daten.

Sollte es tatsächlich eines Tages so kommen, dass WhatsApp seine "No Ads"-Philosophie aufgibt, müsste Jan Koum sein Bekenntnis womöglich noch einmal neu formulieren. ire
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