Undercover-Reportage aus dem BAMF "Bild" will "direkten, ungeschönten Einblick" in die Arbeit der Flüchtlingsbehörde geben

Montag, 08. August 2016
Die "Bild"-Ausgabe vom 8. August 2016
Die "Bild"-Ausgabe vom 8. August 2016
Foto: Axel Springer

Am Sonntag ließ Springers "Bild" mit einer ungewöhnlichen Geschichte aufhorchen: Im Frühjahr schleuste die Boulevardzeitung einen Reporter in das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ein, um die Arbeit der Behörde in der Flüchtlingskrise auf den Prüfstand zu stellen. Seine Ergebnisse wird Reporter Abdullah Khan in einer mehrteiligen Serie in "Bild" vorlegen.
Der 26-Jährige, dessen Eltern 1971 aus Pakistan nach Deutschland eingewandert sind, bewarb sich im November 2015 auf eine ausgeschriebene Stelle beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - zu einer Zeit, als täglich tausende Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Er habe wissen wollen, wer da kommt, warum und wieso die Bearbeitung der Asylanträge so lange dauere, so Khan in einem Video auf bild.de. Mitte Februar trat er seinen Dienst im Referat MD 10 beim Asylverfahrenssekretariat in Berlin an. Niemand weiß, dass er Journalist ist. "Bild möchte einen direkten, ungeschönten Einblick geben in die Arbeitsweise und Situation des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Keine andere Bundesbehörde spielt für die Bewältigung der Flüchtlingskrise eine so zentrale Rolle", teilt eine Verlagssprecherin auf Nachfrage von HORIZONT Online mit. Der Pressekodex erlaubt nach Richtlinie 4.1 (Grundsätze der Recherchen) verdecktes Recherchieren, "wenn damit Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind." Dies sei hier der Fall, so die Sprecherin: "Die Frage, ob das BAMF die aktuellen Herausforderungen bewältigt, ist von übergroßem öffentlichen Interesse. Die verdeckte Recherche von 'Bild' dient ihrer Beantwortung."

Natürlich habe es für den Mitarbeiter gewisse Regeln gegeben, an die er sich habe halten müssen. In Absprache mit der Chefredaktion und der Rechtsabteilung habe man sich etwa darauf geeinigt, keine Daten des BAMF zu veröffentlichen und 
die Persönlichkeitsrechte der Antragsteller zu wahren. Dennoch dürften in der fünfteiligen Serie einige Dinge ans Licht kommen, die den Verantwortlichen im Bundesamt nicht gefallen werden.

Inwieweit die Behörde auf die Berichterstattung reagiert, ob sie dies überhaupt tun wird, steht derzeit noch in den Sternen. Auf Anfrage von HORIZONT Online heißt es lediglich: "Wir bitten um Verständnis, dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Stellungnahme zu dem von Ihnen angesprochenen Thema abgeben können." ire
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