Umstrittene Geste Giannis Varoufakis verbreitet Stinkefinger-Video per Twitter selbst weiter

Dienstag, 17. März 2015
Stein des Anstoßes: Das Video zeigt Giannis Varoufakis bei einem Vortrag in Zagreb
Stein des Anstoßes: Das Video zeigt Giannis Varoufakis bei einem Vortrag in Zagreb
Foto: Screenshot Youtube

Der Kampf um die Deutungshoheit über das "Stinkefinger-Video" von Giannis Varoufakis geht weiter. Am Montag verbreitete der griechische Finanzminister den kompletten Film selbst per Twitter weiter - obwohl der ausgestreckte Mittelfinger auch in diesem Clip zu sehen ist.
Was hat Giannis Varoufakis da wohl geritten? Am späten Montagabend twitterte der griechische Finanzminister einen Link zu einem Youtube-Video, in dem sein Auftritt auf einer Konferenz in Zagreb in Jahr 2013 in voller Länge zu sehen ist. Sein Kommentar: "And here is the 'undoctored' by the unscrupulous media's video". In dem Youtube-Video ist die Szene mit der umstrittenen Geste allerdings ebenfalls zu sehen (ab Minute 40:30). Was Varoufakis dazu getrieben hat, das Video nun selbst weiterzuberbreiten, ist unklar. In der ARD-Talkshow "Günther Jauch" hatte der Minister darauf bestanden, dass das in der Sendung gezeigte Video manipuliert worden sei und er den Finger nicht ausgestreckt habe.
Die Redaktion von Günther Jauch hat das Video unterdessen von Experten auf seine Echtheit prüfen lassen. Diese fanden allerdings keine Hinweise auf eine Manipulation der Aufnahme. Unstrittig ist indes, dass sich die Äußerungen von Varoufakis nicht auf die aktuelle Situation in Griechenland bezog. Das Video entstand auf einem Kongress im Jahr 2013, also lange bevor der Wirtschaftswissenschaftler zum griechischen Finanzminister ernannt wurde. In der fraglichen Passage bezog sich Varoufakis, der als Autor des Sachbuches "Der globale Minotaurus" zu der Veranstaltung eingeladen worden war, auf die Situation im Jahr 2010. Ob es journalistisch angemessen war, das Video anlässlich des aktuellen Streits zwischen Deutschland und Griechenland aus dem Hut zu zaubern, darüber kann man sicher streiten. Dass Varoufakis zunächst behauptete, das Video sei manipuliert worden, um es dann anschließend selbst weiterzuverbreiten, ist aber zumindest reichlich unglücklich. dh
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