Umfrage zum "Spiegel" am Samstag Was Top-Entscheider von dem neuen Erscheinungstermin halten

Donnerstag, 05. Dezember 2013
Auch 1988 in der Ära Helmut Kohl war der Montag als Spiegel-Tag gesetzt (c) ADSandBRANDS.com
Auch 1988 in der Ära Helmut Kohl war der Montag als Spiegel-Tag gesetzt (c) ADSandBRANDS.com

Die Redewendung "Montag ist Spiegel-Tag" ist bald Geschichte. Ab 2015 soll das Hamburger Nachrichtenmagazin immer samstags erscheinen - nach dann 48 Jahren. Was viele nicht wissen ist, dass der "Spiegel" damit zu seinen Ursprüngen zurückkehrt. Die ersten zwei Jahre nach seiner Gründung 1947 lag das Magazin ebenfalls samstags am Kiosk. Bevor sich der Verlag 1966 auf den Montag festlegte, kamen die Leser auch einige Jahre lang am Mittwoch (von 1950 bis Ende 1965) und am Donnerstag (bis 1950) in den Genuss des Magazins. HORIZONT.NET hat Top-Entscheider aus Marketing, Agenturen und Medien gefragt, was sie von der Entscheidung des frischgebackenen "Spiegel"-Chefredakteurs Wolfgang Büchner halten.

Stefan Schmidt, Geschäftsführer Dieckertschmidt

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„ Ich habe schon seit Jahren kein Papier-Abo mehr, weder für den Spiegel noch eine Tageszeitung. Ich habe Abos für Internet-Zeitungen und Zeitschriften. Und das Netz ist immer bei mir und braucht keinen Erscheinungstermin.“


Florian Ruckert, Vorsitzender der Geschäftsführung RMS

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„Der Spiegel ist ja nun mal kein Heftchen, das man mal so nebenbei überfliegen kann. Während der Woche und gerade am Wochenbeginn bleibt in meinem Tagesablauf wenig Zeit, sich dem Spiegel ausgiebig zu widmen. Am darauffolgenden Wochenende, wenn man dann die Zeit hätte, sind die Inhalte schon wieder fast eine Woche alt, so dass ich persönlich die Lektüre nicht mehr als zwingend empfinde. Die Entscheidung des Spiegels zukünftig am Samstag zu erscheinen finde ich gut. “


Thorsten Schulz, CEO Initiative

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„Ich kann der Entscheidung sehr viel positives abgewinnen. Zum Ersten haben sich die Lesegewohnheiten in den letzten Jahren doch in Teilen verändert das Wochenende hat im Vergleich an Relevanz gewonnen. Insofern erscheint mir auch wichtig zu sein, dass dies ein USP für den wichtigen Bereich der Abonnenten ist der weiterhin eine relevante Vertriebssäule des Spiegel darstellt. Zusätzlich könnte ein zusätzlicher Player am Wochenende auch eine stimulierende, positive Wirkung auf die einschlägigen Sonntagszeitungen haben. Insgesamt kann ich der Entscheidung nur Respekt zollen ich kann mir im Ansatz vorstellen, welche kontroversen Diskussionen dies im Spiegel ausgelöst haben könnte. Persönlich gesehen werde ich sicher seltener zum Spiegel greifen, aber nur aus einem Grund: Man kann ihn dann in Gänze bereits am Wochenende verschlingen dies wird meine Gesamtlesedauer des Titels deutlich erhöhen. “


Andreas Küenle, Geschäftsführer Netpoint Media

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„Als langjähriger Spiegel-Abonnement habe ich letztes Jahr aufgrund der internen Querelen und auch immer boulevardesken Berichterstattung die Notbremse gezogen und sowohl das Print- als auch das Digital-Abo gekündigt. Da der Spiegel bei uns in Berlin sonntags am Kiosk erhältlich ist und auch die digitale Version früher Samstags (nun aber auch erst am Sonntagmorgen) abrufbar ist, erscheint mir persönlich die Vorverlegung der Erscheinung nicht ganz so revolutionär und wird wohl meine persönliche Kaufentscheidung nicht oder nur kaum beeinflussen. Viel wichtiger ist für mich die Schärfung des redaktionellen Profils. Je nach Titel und Inhalt werde ich in Zukunft meine Entscheidung am Kiosk treffen.“


Thomas Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung SevenOne Media

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„Ich finde das gut, da kann ich schon mehr vom Spiegel am Wochenende in Ruhe lesen.“


Alexander Wipf, Head of Strategy Leo Burnett

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„Ehrlich gesagt lese ich den Spiegel persönlich kaum noch, schon gar nicht in der Print-Version. Für mich persönlich hat das Blatt an Relevanz verloren. Wann ich zum Spiegel "greife", ist also erstmal irrelevant. Dennoch finde ich es interessant, dass der Spiegel diesen Schritt geht, beziehungsweise wagt. War der Spiegel vor Jahrzehnten noch ein Kulturgut der alten BRD, also eine Vorzeigepublikation eines pluralistischen demokratischen Staates mit schwieriger Vergangenheit, mit dem informierte Leute ihre Woche begannen, so scheint sich das Magazin im Informationszeitalter in Richtung des Lean-Back iPad-Zeitalters zu verändern. Also eine Publikation, die man zum Wochenausklang liest, auf der Couch. Ich denke, das macht aufgrund genannter Veränderungen durchaus kommerziellen Sinn. Was das für die Herkunft, den Anspruch und inhaltliche Dimension des Blattes bedeutet, ist nochmal eine ganz andere Frage. Tatsache ist aber tatsächlich, dass Print-Medien zwar nach wie vor relevant sind, jedoch aber eher zum "Nachhalten" beziehungsweise "Nachgehen" von Sachverhalten relevant erscheinen, während tagtägliche Informationen immer mehr durch digitale Medien ersetzt werden. Deshalb steigt eher die Wahrscheinlichkeit, dass auch ich mal den Spiegel in der Hand haben werde.“


Bent Rosinski, Geschäftsführer LUKAS LINDEMANN ROSINSKI

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„Für mich persönlich macht das keinen Sinn, denn meine Woche hatte bisher so einen schönen Dreiklang: Montag bis Mittwoch SPIEGEL, Donnerstag bis Samstag DIE ZEIT, Sonntag FAS. Mehr Angebote am Wochenende führen bei mir nicht zu mehr Wochenendlektüre, denn meine Frau will ja auch noch mit mir sprechen.“


Manfred Kluge, CEO Omnicom Media Group

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„Ich finde die Umstellung gut. Und ich gehe davon aus, dass der "Spiegel" am Wochenende mehr Leser findet. Mein persönliches Zeitfenster für die Lektüre des "Spiegel" wird jedenfalls größer werden.“


Hannelore Deimel, Geschäftsleitung Mediaplus

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„Selbstverständlich werde ich den Spiegel weiterhin genauso nutzen wie bisher. Zumal voraussichtlich am Wochenende das Zeitbudget dafür größer ist und der Spiegel hoffentlich seine Qualität behält.“


Uwe Becker, Media Director Unilever

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„Ich betrachte es als großen Vorteil, da man am Wochenende mehr Zeit hat den Spiegel zu lesen.“


Frank Behrendt, CEO fischerAppelt, relations

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„Der logische Schritt für ein Print-Medium. Ich werde wieder öfters zum Spiegel greifen, da ich am Wochenende viel mehr Muße habe, mich mit der Zeitschrift auseinanderzusetzen. Print wird ohnehin immer mehr zum Genießer-Medium, das passt am Wochenende besser. Montags-Erscheinung ist für Business Medien noch richtig, sonst aber fehl am Platz.“


Kirsten Lübke, stellvertretende Geschäftsführerin Crossmedia

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„Das ist eine sehr gute Entscheidung des Spiegel. Damit bietet das Magazin zum einen eine bessere Aktualität der Themen. Zum anderen arbeiten die meisten Leser am Samstag nicht und haben am Wochenende Zeit, den Spiegel in Ruhe zu lesen. Auch die Wettbewerbssituation ist am Samstag eine ganz andere: Denn am Wochenende konkurrieren zumindest in der relevanten Zielgruppe nicht so viele Medien untereinander. “


Elke Schneiderbanger, Geschäftsführerin ARD-Werbung SALES & SERVICES

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„Der Boom der Sonntagszeitungen kam ja nicht von ungefähr. Auch die WiWo geht den Abonnenten bereits am Samstag zu. Das Wochenende ist einfach der ideale Tag für die Entscheidermedien. Und das gilt für den SPIEGEL erst recht. Bereits jetzt ist die Spiegel-iPad-Ausgabe am Sonntagmorgen ein besonderes Vergnügen. Wenn das Heft dann künftig für Abonnenten eventuell bereits am Freitagabend für die Bahnfahrt nach Düsseldorf auf dem iPAD zu lesen wäre, ist das natürlich der perfekte Einstieg in das Lese-Wochenende.“


Dirk Popp, CEO Ketchum Pleon Germany

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„Natürlich muss man den neuen Erscheinungstermin professionell im Blick haben für etwaige Kampagnen. Aber für mich spielt das ganze Thema praktisch keine große Rolle, schließlich ist der Spiegel schon lange nicht mehr die alleinig selig machende Informationsquelle. Die ganze Aufgeregtheit um den neuen Termin erscheint mit doch eher umrahmt von Marketinggetöse und ist letztlich etwas gestrig. SPON ist für mich wichtiger, weil schneller. Und die großen exklusiven Reportagen lese ich dann auch gern in der App.“
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