Umfrage Wie deutsche Medienmanager Qualität sicherstellen wollen

Donnerstag, 06. November 2014
Das Produktportfolio der Mainzer "Allgemeinen Zeitung"
Das Produktportfolio der Mainzer "Allgemeinen Zeitung"
Foto: Foto: "Allgemeine Zeitung"

Alle fordern sie, jeder behauptet, sie zu bieten: Qualität ist derzeit ein vielgebrauchter Begriff. Doch wie definieren Medienhäuser eigentlich Qualität? HORIZONT hat Vertreter unterschiedlicher Gattungen gefragt, wie sie ihr Niveau halten.

Stephan Madel, General Manager Marketing Axel Springer Media Impact

Stephan Madel, Axel Springer Media Impact
Stephan Madel, Axel Springer Media Impact (Bild: Asmi)
Im Vermarkter-Alltag spielt der Begriff Qualität eine besondere Rolle. Die Medienmarken von „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“ stehen für anspruchsvollen Qualitätsjournalismus, sie bilden eine Art Navigator durch den Informationsdschungel und bereiten komplexe Zusammenhänge zielgruppengerecht auf. Mit dem Begriff „Haute Lecture“ fassen wir diese Angebote nun zusammen: Eine aktuelle Kampagne inszeniert die Leitidee und zeigt, dass die Medien der Welt-Gruppe – von Print, Online, Mobile bis zu Apps und Supplements – das ideale Umfeld bieten, um einer qualitätsbewussten Zielgruppe hochwertige Produkte zu präsentieren.

Angelika Müller, Verlagsleitung Ahead Media

Angelika Müller, Ahead Media
Angelika Müller, Ahead Media (Bild: Ahead Media)
Ahead-Media-Qualität ist in erster Linie eine Frage der Exklusivität, der Darstellung und der Recherche und natürlich des sorgsam ausgewählten Teams. „Flair“ ist das „more than fashion“-Magazin. Da gibt es auch etwas zu lesen. Und „Home“ vernetzt seit 15 Jahren Design mit Mode, Architektur und Technologie zu modernem Lifestyle. Bei „Flair“ und „Home“ ist die eigenständige Fertigungstiefe sehr groß. 90 Prozent der Fotos und Texte werden ausschließlich für „Flair“ und „Home“ angefertigt. Als Boutique-Verlag legen wir auf Tailor-made-Lösungen Wert. Ein eigenes Netzwerk, das durch 20 Jahre Erfahrung im internationalen Lifestyle-Premiumbereich aufgebaut wurde, sichert die Mitwirkung von Top-Fotografen, die, wie bei „Flair“, zuvor in Deutschland noch nicht veröffentlicht wurden, und namhaften Autoren. Auch bei Corporate-Kooperationen sichern wir uns Exklusivität. Die Markenidentität wird durch dieses eigene Profil geschärft. Qualität heißt eben auch, dem Leser etwas zu bieten, was er so woanders nicht kriegt. Qualität schafft Unverwechselbarkeit.

Wolfgang Link, Vorsitzender der Geschäftsführung Pro Sieben Sat 1 Deutschland TV

Wolfgang Link, Pro Sieben Sat 1
Wolfgang Link, Pro Sieben Sat 1 (Bild: Pro Sieben Sat 1)
Unser Anspruch ist das beste Programm, für das unsere Mitarbeiter alles geben. Außerdem eine hohe Akzeptanz durch ein breites Publikum, das wir mit unseren Formaten unterhalten. Und unser Anspruch ist schließlich, unseren Marktpartnern auf der Basis dieser intensiven Zuschauerbindung eine ideale Plattform für die Markenkommunikation zu bauen. Qualität ist dabei nicht nur eine Frage des Geldes, obgleich wir jährlich die Investitionen ins Programm steigern. Qualität heißt auch, ins Risiko gehen und Neues wagen – sei es mit innovativer Lizenzware oder mit neuen Formaten, die wir selbst entwickeln. Auch bereichernden Partnerschaften stehen wir offen, wie es derzeit Galileo mit dem BR anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls zeigt. Wir geben kreativen Köpfen und starken Persönlichkeiten eine Bühne –wie Joko und Klaas oder Olli Schulz mit „Schulz in the Box“ – und haben damit eine völlig neue TV-Sprache entwickelt. Es gibt im TV wohl keine härtere Qualitätskontrolle als die Fernbedienung, und die Zuschauer urteilen unbarmherziger als denn je. Aber: Qualität kommt bekanntlich von sich quälen – und das tun wir Tag für Tag

Hermann Bimberg, Sprecher der Geschäftsführung Landwirtschaftsverlag

Hermann Bimberg, Landwirtschaftsverlag
Hermann Bimberg, Landwirtschaftsverlag (Bild: Landwirtschaftsverlag)
Die hohe journalistische Qualität unserer Redaktionen ist die Hauptquelle unseres Erfolgs. In der Tradition eines Fachverlages zeichnet sich guter Journalismus durch größtmögliche Unabhängigkeit und solides Handwerk aus. Der Leser wird ernst genommen und die produzierten Medien entsprechen dem Nutzungsverhalten der Menschen, die sie konsumieren. Dabei werden unsere Medienmarken in Print, Online, Mobile und live als Veranstaltung angeboten. Wir fördern Journalistinnen und Journalisten, die diese Grundsätze verkörpern und in kreativen Redaktionen neugierig, engagiert und selbstkritisch arbeiten. Dabei geben die Chefredaktionen für ihre Titel die Linie vor. Auch zukünftig wird der Landwirtschaftsverlag auf bestens qualifizierte und ausgebildete Fachjournalisten setzen, unabhängig davon, ob diese für analoge (Print) oder digitale Medien eingesetzt werden. Unsere Journalisten arbeiten grundsätzlich crossmedial.

Claus-Peter Schrack, Leiter Unternehmenskommunikation Gruner + Jahr

Claus-Peter Schrack, Gruner + Jahr
Claus-Peter Schrack, Gruner + Jahr (Bild: Gruner + Jahr)
Mit Blick auf den fundamentalen Strukturwandel unserer Branche gilt heute mehr denn je: Es gibt keine Qualität ohne journalistische Unabhängigkeit und keine journalistische Unabhängigkeit ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit. Wir müssen alles dafür tun, diese wirtschaftliche Unabhängigkeit durch kluges Management zu erhalten und gleichzeitig aufpassen, nicht den publizistischen Ast abzusägen, auf dem wir sitzen, und damit die journalistische Qualität zu gefährden. Dabei ist Qualität keine Frage von Quantität, eine große Redaktion macht nicht automatisch das bessere Produkt. Gefragt sind zeitgemäße Redaktionsstrukturen, die auch die heutigen technischen Möglichkeiten nutzen. Publizistisch gilt bei Gruner + Jahr unverändert das Chefredakteursprinzip, also die strikte Trennung zwischen Redaktion und Verlag. Dabei ist eine klare redaktionelle Haltung und Linie essenziell. Verflachen wir unsere Inhalte und vernachlässigen wir unsere journalistische Sorgfaltspflicht, dann verlieren wir Relevanz, Glaubwürdigkeit und schlussendlich unsere Leser, damit auf Dauer auch unsere Werbekunden, die hochwertige Zielgruppen erreichen wollen.

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Elke Schneiderbanger, GF ARD-Werbung Sales & Services

Elke Schneiderbanger, ARD-Werbung Sales & Services
Elke Schneiderbanger, ARD-Werbung Sales & Services (Bild: A&S )
Das Medienangebot der ARD in TV, Radio und Internet steht schon allein durch den Auftrag für das stete Bemühen um Qualität und Innovation. Bei uns als Werbezeitenvermarkter bezieht sich Qualität nicht allein auf das Produktangebot der AS&S in TV, Radio und Audiodigital, sondern auch auf die Prozesse unserer Vermarktungsarbeit und die Zusammenarbeit mit den Werbungtreibenden. Hier stehen gegenseitiges Vertrauen, Service, Beratung und Schnelligkeit ganz oben. Im Unterschied zu den privaten Unternehmen haben wir in TV und dem klassischen Radiomarkt ein zeitlich limitiertes Vermarktungsvolumen. Doch was uns an Quantität fehlen mag, kompensieren wir durch die Qualität des Inventars. Die einzigartigen und hochwertigen Programmumfelder im Ersten sowie im ARD-Hörfunk bieten den Werbungtreibenden vor allem bei den unterschiedlichen Konsumzielgruppen die beste Währung für Werbewirkung und Nachhaltigkeit. Gerade jetzt, da die Märkte im Zuge der Digitalisierung zunehmend in Nischen fragmentieren, sind die starken Marken in Fernsehen und Hörfunk verlässliche Lotsen zum Werbeerfolg.

Claudia Bachhausen, Bereichsleiterin Unternehmenskommunikation Bauer Media Group

Claudia Bachhausen, Bauer Media Group
Claudia Bachhausen, Bauer Media Group (Bild: Bauer Media Group)
Unser Anspruch ist es, unsere Leserinnen und Leser gut zu unterhalten und zu informieren. Das ist nicht leicht und erfordert ein großes Verständnis für unsere Zielgruppen. Wir begeistern mit Geschichten, die Menschen bewegen und berühren. Dieser Herausforderung stellen sich unsere Blatt- und Medienmacher jeden Tag aufs Neue. Dabei stehen die Wünsche und Bedürfnisse unserer Leserinnen und Leser im Mittelpunkt unseres Handelns. Mit kontinuierlichen Investitionen in Neuentwicklungen im Print- und im Digitalbereich, in die Weiterentwicklung unserer Klassiker und Topseller in allen Segmenten sowie in die Marktforschung gewährleisten wir die hohe Qualität unseres Portfolios. Wir sind in der glücklichen Lage, durch die Internationalität unseres Hauses und die gelebte Vernetzung, Prozesse und Workflows so zu optimieren, dass sie der Qualität und der Wirtschaftlichkeit unserer Medien gleichermaßen dienen.

Ingo Kohlschein, Geschäftsführer Jahreszeiten Verlag

Ingo Kohlschein, Jahreszeiten Verlag
Ingo Kohlschein, Jahreszeiten Verlag (Bild: Jahreszeiten Verlag)
Qualität ist seit Jahrzehnten der Markenkern unseres Unternehmens. „Der Feinschmecker“ und „Architektur & Wohnen“ setzen Maßstäbe für die Gestaltung von Zeitschriften. Mit „Vital“ haben wir einen Gattungsbereich erfolgreich neu definiert. Qualität ist die Lebensversicherung für Print. Wir investieren kontinuierlich in unser Portfolio. Qualität hat für unseren Verlag dabei einen klaren Focus: Es zählt, was für die Leser von Bedeutung ist. Wir definieren dies als „relevante Produktqualität“. Qualität muss Sinn und Nutzen stiften, sonst ist sie nur Selbstzweck. Wichtig ist, dass Form und Inhalt aufeinander abgestimmt sind, denn Zeitschriftenlesen ist ein haptisches Erlebnis: Man liest auch mit den Händen. Auch bei den Inhalten zählt die Relevanz: Was ist wirklich neu? Was ist wichtig, was unterhaltsam? Das kann jeder ganz einfach testen: Erzähl die Story mittags ein paar Bekannten. Und frage später nach: Hast du es weitererzählt? Falls ja, war die Story gut. Falls nein, suche eine bessere. So entstehen Magazine, die nicht nur im Lesermarkt begehrenswert sind, sondern automatisch auch zu attraktiven und wirkungsvollen Werbeträgern werden.

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