Ukraine-Krise Zwei Drittel der Deutschen vertrauen Berichterstattung nicht

Mittwoch, 17. Dezember 2014
Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD Aktuell, äußert sich in "Zapp" zur Kritik
Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD Aktuell, äußert sich in "Zapp" zur Kritik
Foto: NDR/Holde Schneider

Die Kritik an der Berichterstattung über die Ukraine-Krise hat bei der Bevölkerung Spuren hinterlassen. Laut einer repräsentativen Umfrage des NDR-Medienmagazins "Zapp" haben 63 Prozent der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen in die Ukraine-Berichterstattung deutscher Medien. Das wirkt sich auch insgesamt auf deren Reputation aus: Gaben im April 2012 40 Prozent der Befragten an, großes oder sehr großes Vertrauen zu den Medien zu haben, sind es nun nur noch 29 Prozent.
Von den 63 Prozent derjenigen, die wenig oder gar kein Vertrauen in die Ukraine-Berichterstattung haben, nannte fast jeder Dritte als Grund, die Medien berichteten einseitig oder nicht objektiv. Fast jeder Fünfte geht sogar von einer bewussten Fehlinformation durch die Medien aus; die Berichterstattung entspreche nicht der Realität. Das Medienmagazin nimmt diese Resultate in seiner heutigen Sendung (23.20 Uhr, NDR) genauer unter die Lupe und befragt dazu führende Journalistinnen und Journalisten. "Vertrauen ist die Substanz des Journalismus. Wenn hier so viel Kritik geübt wird, müssen wir nachdenken", sagt Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung", bei "Zapp". Laut Kai Gniffke, erster Chefredakteur von ARD Aktuell, würden die Ergebnisse allerdings "nichts daran ändern, dass wir jeden Tag nach bestem Wissen und Gewissen Nachrichten machen, dass wir das tun, was Journalismus ausmacht, nämlich Recherche, bestmögliche Recherche, und dann Zusammenhänge erklären". Im "Tagesschau"-Blog hatte Gniffke vor einigen Monaten bereits einmal Selbstkritik geübt - sich aber ansonsten klar hinter die Redaktion und die Korrespondenten der ARD gestellt.

Die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap Anfang Dezember durchgeführt. Telefonisch wurden 1002 Menschen befragt. Detallierte Ergebnisse dokumentiert "Zapp" auf der Internetseite der Sendung. fam
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