Ukraine-Berichterstattung ARD-Aktuell-Chef Kai Gniffke übt Selbstkritik

Dienstag, 30. September 2014
Kai Gniffke, Erster Chefredakteur von ARD Aktuell
Kai Gniffke, Erster Chefredakteur von ARD Aktuell
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Die Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt erhitzt die Gemüter. ARD und ZDF mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, tendenziös über den Streit zwischen Russland und der Ukraine zu berichten. Im Tagesschau-Blog hat nun ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke Selbstkritik geübt - sich aber ansonsten klar hinter die Redaktion und die Korrespondenten der ARD gestellt.
In dem Blogbeitrag vom Montag zeigt sich der Chefredakteur überrascht über die Wellen, die die Kritik an den ARD-Nachrichten geschlagen hat: "Die Kritik an unserer Ukraine-Berichterstattung hat ein Echo von bislang ungekanntem Ausmaß hervorgerufen", schreibt Gniffke. Die scheinbare Wiederkehr von Kaltem Krieg und Ost-West-Konflikt scheine die Gemüter viel stärker zu bewegen als andere Konflikte: "Deshalb nehmen wir die Kritik sehr ernst." Rund 30 Mitglieder der Redaktion hätten sich am Montag zusammengesetzt, um die Kritik von Zuschauern, Nutzern und Aufsichtsgremien zu diskutieren. Einen Teil der Kritik könne man zwar als gesteuerte Kampagne und Verschwörungstheorien abhaken, man wolle es sich aber auch nicht zu leicht machen: "Bevor uns unsere Kritiker nun für arrogante Dumpfbacken halten - es gab heute auch sehr viel Selbstkritisches", betont Gniffke.

So sei man möglicherweise "zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt". Vielleicht hätte man auch rechte Gruppierungen in der Ukraine früher thematisieren sollen. Auch einige Formulierungen hätten präziser sein können, zudem habe man die russischen Interessen vielleicht zu wenig für den deutschen Zuschauer "übersetzt" und die Position der NATO zu wenig kritisch hinterfragt.

Ausdrücklich in Schutz nimmt Gniffke dagegen die Korrespondenten der ARD: "Sie haben unter physisch und psychisch äußerst strapaziösen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet" und verdienten "unseren Respekt und unsere Rückendeckung".

"Bleibt die Frage, was wir für unsere künftige Arbeit daraus lernen können", schließt Gniffke. So wolle man künftig noch klarer offenlegen, "wenn wir etwas nicht (!) wissen." Eher selbstverständlich klingt eine weitere Einsicht: Man werde weiterhin die Schwerpunkte der Berichterstattung "nach journalistischem Kriterien festlegen und nicht nach sturem Proporzdenken". Vor allem aber habe man sich eines vorgenommen: "Wir werden auch künftig Kritik nicht einfach an uns abtropfen lassen, sondern uns immer wieder prüfen, ob wir richtig liegen." dh
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