UFA-Chef Nico Hofmann "Im Moment leben wir Produzenten in einem Dorado"

Donnerstag, 02. April 2015
UFA-Fiction-Chef Nico Hofmann
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Für UFA-Chef Nico Hofmann läuft es derzeit rund: Das KZ-Drama "Nackt unter Wölfen" erzielte am Mittwoch im Ersten sehr gute Marktanteile, die Serie "Unsere Mütter, unsere Väter" wurde im vergangenen Jahr mit Preisen überhäuft. Film- und Fernseh-Produzenten würden heute durch die nie dagewesene Vielfalt der Distributionskanäle goldene Zeiten erleben.
"Im Moment leben wir Produzenten in einem Dorado, auch weil es ständig neue Abspielflächen gibt: Das gleiche Programm kann auf immer neuen Produktwegen verkauft werden", freut sich der Erfolgsproduzent im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die von ihm produzierte TV-Serie "Unsere Mütter, unsere Väter" sei im Ausland eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehproduktionen gewesen. "Auch 'Nackt unter Wölfen' sehe ich als einen Film, der sich nicht nur in einer Ausstrahlung erschöpft, sondern eine lange Reise vor sich hat. Auch der größte französische Privatsender M6 wird ihn ausstrahlen. Und er hat sich bereits in ganz Skandinavien verkauft". Selbst in den USA müsse er heute nicht mehr um Termine betteln - in der kommenden Woche führe er Verkaufsgespräche mit Netflix. Das zeitversetzte Fernsehen werde wichtiger: "Ich glaube, dass es im deutschen Fernsehen zwar noch bei den festen Sendezeiten bleiben wird, dass die 'Tagesschau' oder der 'Tatort' also auch künftig noch in klaren Schemata ausgestrahlt werden. Aber die Möglichkeit, zeitlich selbst über sein Programm zu entscheiden, wird über Mediatheken oder Angebote wie Netflix deutlich stärker genutzt werden."

Um das klassische Fernsehen macht sich Hofmann aber keine Sorgen: "Heute schauen junge Leute zeitversetzt übers Internet TV. 'Unsere Mütter, unsere Väter' wurde immerhin zwei Millionen Mal über Mediatheken angeschaut. Und außerdem ist es - bisher jedenfalls - so, dass die fernsehabstinenten Jugendlichen zum regulären Fernsehprogramm zurückfinden, wenn sie ungefähr dreißig sind."

Auch über das Privatfernsehen mag Hofmann kein schlechtes Wort verlieren: "Ich bin froh über das Privatfernsehen. Es sorgt teilweise für sehr gute Qualität. Und die Konkurrenz wäre ja ohnehin gekommen - durchs Internet und die Vielzahl ausländischer Sender via Satellit. Meine These lautet: Wenn etwas Qualität hat, findet der Zuschauer das Programm und bleibt auch dran." dh
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