Bewegtbild-Offensive Twitter bläst zum Angriff auf Youtube und Facebook

Dienstag, 06. Januar 2015
Auch für Twitter ist Bewegtbild ein Wachstumsthema
Auch für Twitter ist Bewegtbild ein Wachstumsthema
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Nach Facebook will nun auch Twitter offenbar den Bewegtbild-Bereich stärken: Auf einer Twitter-Seite im Netz finden sich derzeit einige FAQs zu Video-Uploads auf der Zwitscher-Plattform. Um den erwarteten Video-Player soll es sich dabei zwar noch nicht handeln - doch auch für Twitter gewinnt Bewegtbild immer mehr an Bedeutung.
In den Erläuterungen unter der URL video.twitter.com heißt es etwa, dass die Videos das  Dateiformat .mp4 oder .mov haben müssen und eine Länge von maximal 10 Minuten haben dürfen. Die Quellvideos sollten idealerweise eine hohe Auflösung haben, "um dem Nutzer eine möglichst gute Erfahrung zu bieten". Die Bearbeitung von Videos sei zunächst nicht möglich. Diese Sätze lesen sich bereits wie eine Bedienungsaleitung für jenen Video-Uploader bzw. -Player für alle Nutzer, den Twitter am 12. November 2014 in einem Blog-Beitrag ankündigte.
Nur bestätigte Nutzer haben derzeit Zugriff auf den Video-Bereich von Twitter
Nur bestätigte Nutzer haben derzeit Zugriff auf den Video-Bereich von Twitter (Bild: Screenshot video.twitter.com)
Die FAQs beziehen sich allerdings nicht darauf, wie Twitter auf Anfrage von HORIZONT Online ausrichten lässt. Ein Sprecher des Kurznachrichtendienstes hatte bereits gegenüber dem US-Portal Techcrunch erklärt, die Erläuterungen gingen auf jene Promoted Videos ein, die Twitter Werbungtreibenden ab sofort zur Verfügung stellt. Bereits im August des vergangenen Jahres hatte der 140-Zeichen-Dienst diese Werbeform vorgestellt. Das Feature basiert auf Twitters so genanntem Amplify-Programm. Hierbei können bestätigte Medienpartner Twitter-optimierte Video-Inhalte teilen - inklusive Integration von Sponsoren. Diese können etwa mit bis zu 6-sekündigen Pre-Rolls in diesen Umfeldern werben. Besonders für im Sport-Bereich aktive Marken sind diese Tools interessant. Denn wie die Fußball-WM 2014 bewiesen hat, werden sportliche Highlights auf Twitter ganz besonders intensiv geteilt.

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Angaben darüber, wie viele Views Twitter-Videos erzielen beziehungsweise, wie viele Werbe-Videos es auf der Plattform bislang gibt, macht Twitter auf Nachfrage von HORIZONT Online nicht. Von einem eigenen Video-Tool dürfte Twitter sich aber sicher erhoffen, mehr Markenartikler für Bewegtbild-Werbung zu gewinnen und dadurch Youtube und Facebook in diesem Bereich anzugreifen. Beide Player versuchen derzeit massiv, an die TV-Budgets der Werbungtreibenden zu gelangen. Für Facebook gilt Video derzeit sogar als das Thema Nummer 1. Nicht ohne Grund: Laut VPRT-Prognose betragen die Netto-Werbeerlöse in Deutschland im Bereich Online-Bewegtbild insgesamt 240 Millionen Euro. Hierzulande wurden laut OVK im ersten Halbjahr 2014 allein für Pre-Rolls 23,5 Millionen Euro mehr ausgegeben als im Vorjahr. Die Brutto-Werbeinvestitionen in dieses Werbeformat beliefen sich damit auf 121 Millionen Euro - wobei sich die Vermarkter IP und SevenOne den Markt mit Youtube und Smartclip aufteilen. Selbst Facebook steht hier noch am Anfang.

Auch Twitter, das in Sachen Vermarktung hinter Youtube und Facebook deutlich hinterherhinkt (Werbeumsatz im 3. Quartal 2014: 320 Millionen US-Dollar) wird sich dieses Potenzial nicht entgehen lassen wollen. Dazu passt auch, dass Twitter sich nun verstärkt als Alternative zu Youtube positionieren will: "Um dem Nutzer eine möglichst gute Erfahrung zu bieten, müssen alle Videos hochgeladen und auf Twitter gehostet werden. Das gleiche Video, das auf YouTube hochgeladen wurde, kann auch auf Twitter hochgeladen werden; das YouTube-URL kann jedoch nicht im Twitter Video Player verwendet werden", heißt es in den Video-FAQs.

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Zwei große Unbekannte gibt es allerdings in der Rechnung. Erstens: Twitter musste sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, nicht schnell genug zu wachsen. Nach Twitter-Angaben kommen zwar mehr als die etwa 285 Millionen aktiven Nutzer mit Twitter in Berührung - Finanzchef Anthony Noto nannte in diesem Zusammenhang die Zahl 500 Millionen. Für die Vermarktung ist allerdings die Zahl der aktiven Nutzer entscheidend, denn nur diese sehen Werbung bei Twitter. Und hier legten andere soziale Netzwerke wie Tumblr und Pinterest zuletzt deutlich stärker zu als der Zwitscher-Dienst. Die Facebook-Tochter-Instagram meldete bereits Ende des vergangenen Jahres, die Marke von 300 Millionen Nutzern geknackt zu haben. Für Twitter prognostizierte das Marktforschungsinstitut eMarketer einen Zuwachs auf rund 386,9 Millionen Nutzer bis 2018.

Bis 2018 soll die Zahl der Twitter-Nutzer auf rund 387 Millionen ansteigen
Bis 2018 soll die Zahl der Twitter-Nutzer auf rund 387 Millionen ansteigen (Bild: Statista)
Zweitens: Wie reagieren die Nutzer auf die zunehmende Unterbrechung der Timeline durch Werbung? Thomas de Buhr, seit August 2014 Sales-Geschäftsführer bei Twitter Deutschland, hat dazu eine klare Meinung: "Es gibt mittlerweile genügend dreiminütige Werbespots im Internet mit Reichweiten in dreistelliger Millionenhöhe. Und gerade Werbung wird auf Twitter viel favorisiert, weitergeleitet, gesucht, also wie Nutzerinhalt behandelt – wenn sie nicht stört, ins Umfeld passt, kreativ ist und über unser Targeting für passende Accounts ausgespielt wird. Dann sind die Interaktionsraten oft höher als bei organischen, nicht werblichen Inhalten", so der ehemalige Google-Manager im HORIZONT-Interview (Ausgabe 36/2014).

Antworten auf diese Fragen wird es wohl spätestens Ende des Jahres 2015 geben. Denn Twitter möchte seinen neuen Video-Player noch in der ersten Jahreshälfte von 2015 launchen. ire
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