Twitter-Topmanager Adam Bain "Brillante Perspektiven in Deutschland"

Mittwoch, 29. Juli 2015
Will Werbungtreibende mit neuen Formaten überraschen: Twitter-President Adam Bain
Will Werbungtreibende mit neuen Formaten überraschen: Twitter-President Adam Bain
Foto: Photo by Helena Price (2014), Credit: Twitter, Inc.
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Regelmäßig kritisieren Analysten und Beobachter die Geschäftsentwicklung von Twitter. Dabei habe man derart „viel in der Pipeline“ beschwört Twitter-Topmanager Adam Bain im Gespräch. Neuestes Feature: Ein Terminplaner soll Werbungtreibenden die Anzeigenbuchung im Umfeld eines Live-Events, über das auf Twitter berichtet wird, erleichtern.

Adam Bain liebt nicht Twitter. Der President of Global Revenue & Partnerships lebt Twitter. Seit 2010 ist der heute 41-Jährige nach Stationen bei Fox und der Los Angeles Times bei dem „Interessen-Netzwerk“, wie sich das Unternehmen gerne positioniert. Vier Jahre an Bord – das macht Bain sozusagen zum Eigengewächs im Unternehmen, das 2006 gegründet wurde.

Im Gespräch sprudelt Bain geradezu vor Ideen und Optimismus. Er ist der tiefen Überzeugung, dass Twitter nicht nur in den USA dauerhaft eine der fünf relevanten Digital-Plattformen bleiben wird. Manche US-Beobachter geben ihm deshalb gute Chancen auf den CEO-Posten. Den hat zurzeit Mit-Gründer Jack Dorsey inne, der nach dem überraschenden Ausscheiden von Dick Costolo den Posten übernommen hat. Allerdings nur interimistisch, was einige Kritiker veranlasst hat, neue Zweifel an der Geschäftsstrategie zu schüren.

„Jack ist ein brillanter Vordenker. Und er ist ein brillanter Businessmensch“, verteidigt Bain seinen CEO und verspricht: „Wir haben so viel in der Pipeline.“ Was viele Beobachter nicht wahrhaben wollten, sei, dass Twitter eines der wenigen Medienunternehmen sei, das über eine Milliarde Menschen anspricht: 300 Millionen eingeloggte Mitglieder und weitere 700 Millionen Menschen, die über andere soziale Plattformen und Apps  oder im Logout-Status mit der Marke in Berührung kommen. „Bislang monetarisieren wir nur die eingeloggten Mitglieder. Das wird sich Ende des Jahres ändern“, verspricht er, bleibt allerdings im Vagen.

Nicht im Ungefähren bleiben allerdings aktuelle Neuerungen. Mit einem Terminplaner will Twitter Werbungtreibenden künftig Event-Targeting und –Werbung erleichtern. Der Eventkalender gibt Interessierten eine Übersicht über Sportveranstaltungen, Konzerte und TV-Shows, über die auf Twitter informiert und diskutiert wird. Getestet wurde das System mit den WPP-Agenturen Mindshare und MEC.

Während Event-Targeting erst anläuft, kann Bain über „Twitter Promoted Videos“ schon Genaueres erzählen. Der Schritt Richtung Bewegtbild, mit dem die Mobile-Plattform ganz bewusst zum Angriff auf Youtube und Facebook geblasen hat, sei enorm erfolgreich. Bain: „Im Gegensatz zu anderen Plattformen haben wir Viewability-Garantie. Werbungtreibende bezahlen nur, wenn Nutzer den Film zu 100 Prozent gesehen haben.“ Die Tatsache, dass die Videos im Autoplay direkt ablaufen, habe die Aufmerksamkeit um 25 Prozent erhöht.

Nicht alle Werbeformate stehen in Deutschland zur Verfügung. Den Event-Kalender gibt es in den USA, Brasilien, Japan, Großbritannien, Frankreich und in Deutschland für internationale Events wie Tour de France oder die MTV Video Music Awards.


Twitter ist für Deutschland ohnehin ein nicht ganz einfacher Markt. Deutsche Journalisten lieben Twitter, doch Durchschnittsbürger sind lieber auf Facebook unterwegs. Dennoch hat der deutsche Markt laut Bain eine enorme Bedeutung: „Deutschland ist die stärkste Wirtschaft und der stärkste Werbemarkt in Europa.“ Auch unter dem Aspekt des Mitglieder-Wachstums habe man „tolle Perspektiven, weil die Inhalte, die Menschen interessieren, bei uns zu finden sind: Sport, Design, Politik. Twitter zeigt den Menschen, what’s hot.“

Deutschland-Chef Thomas de Buhr hat die anspruchsvolle Aufgabe, die Deutschen auf Twitter heiß zu machen. Eine grassierende Skepsis in Deutschland will Twitters oberster Verkaufschef pauschal nicht gelten lassen: „Alle Menschen lieben die Idee von Twitter. Aber wir müssen besonders in Europa daran arbeiten, das Produkt noch besser und handhabbarer zu machen“, lobt Bain das eigene Produkt, leichte Selbstkritik inklusive.

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