Twitter Der Sortier-Algorithmus ist da - aber nur als Option

Mittwoch, 10. Februar 2016
Twitter bastelt an der Timeline
Twitter bastelt an der Timeline
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Twitter Timeline Mike Jahr Jack Dorsey


Nun ist es offiziell: Wie bereits vermutet, stellt Twitter seinen Nutzern künftig eine Erweiterung der bisherigen Timeline zur Verfügung, in der Tweets nicht mehr nur chronologisch angezeigt werden. Die ganz große Revolution bleibt allerdings vorerst aus.
Am Wochenende tauchten auf Buzzfeed erste Gerüchte auf, wonach Twitter schon bald einen Relevanz-Algorithmus einführen könnte. Viele Nutzer reagierten empört, weil der 140-Zeichen-Dienst damit seinen USP aufgeben würde - die Folge waren tausende wütende und enttäuschte Tweets mit dem Hashtag #RIPTwitter. Twitter-CEO Jack Dorsey hatte den Bericht anschließend nicht dementiert, gleichwohl aber behutsame Änderungen für den Tweet-Strom angekündigt.  Diese kommen nun schneller als gedacht: Ab sofort bietet Twitter allen Nutzern eine veränderte Timeline an. "Sobald Ihr Twitter öffnet, werden die für Euch wichtigsten Tweets direkt am Anfang Eurer Timeline angezeigt - beginnend mit den aktuellsten Tweets", heißt es in einem Blogbeitrag von Senior Engineering Manager Mike Jahr. Direkt darunter würden dann wie gewohnt alle anderen Tweets angezeigt. Die Neuerung baut damit auf eine Funktion aus Twitters Smartphone-App auf, die den Nutzern nach einigen Stunden Abwesenheit von einem Algorithmus ausgewählte verpasste Tweets anzeigt.

Das neue Feature steht laut Twitter ab sofort in den Apps für iOS und Android sowie auf twitter.com zur Verfügung. Die Nutzer werden mit einer kleinen Benachrichtung in ihrer Timeline darüber informiert. Aktivieren lässt es sich in den Einstellungen, indem 
man im Bereich Timeline-Personalisierung ‘Zeige mir die besten Tweets zuerst an’ auswählt. "In einer Testphase hat sich gezeigt, dass diejenigen, die diese neue Option nutzen, mehr retweeten und Tweets verschicken", erklärt Jahr. Wem das neue Feature nicht gefalle, der könne einfach wieder zur alten Darstellung zurückwechseln.
Twitter-Chef Jack Dorsey
Twitter-Chef Jack Dorsey (Bild: Esten Hurtle / Twitter)
Heißt konkret: Hier handelt es sich offensichtlich um einen größer angelegten Testballon, der den Nutzern die Wahl lässt. Kommt die Änderung an, wird sie wohl irgendwann obligatorisch. Andernfalls dürfte sie wohl wieder verschwinden. Jahr lädt die Nutzer jedenfalls dazu ein, fleißig ihre Meinung zur neuen Timeline zu hinterlassen.

Twitter rollt das Feature praktisch zeitgleich zur Vorstellung der nächsten Quartalszahlen aus, die am 10. Februar um 17 Uhr unserer Zeit präsentiert werden. Nicht wenige Analysten vermuten, dass Twitter danach einmal mehr von der Börse abgestraft wird. Zwar legt das Unternehmen beim Umsatz kontinuierlich zu (im 3. Quartal um 58 Prozent auf 596 Millionen Dollar), in punkto Nutzerwachstum tritt der Kurznachrichtendienst jedoch schon eine gefühlte Ewigkeit mehr oder weniger auf der Stelle.

Mit Experimenten beim Kernprodukt wie der neuen Timeline oder einer stark heraufgesetzten Zeichenzahl für Tweets sowie erweiterten Werbemöglichkeiten versucht Dorsey seit Längerem, Twitter neues Leben an der Börse einzuhauchen. Ausgang: ungewiss. ire
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