Twitter-Analytiker 5 Gründe, warum Apple Topsy kauft

Dienstag, 03. Dezember 2013
Topsy analysiert Twitter-Trends - wie etwa zu dem verstorbenen Schauspieler Paul Walker
Topsy analysiert Twitter-Trends - wie etwa zu dem verstorbenen Schauspieler Paul Walker


Übernahmen aus dem Software-Bereich kommen bei Apple eher selten vor - umso mehr lässt eine Meldung des "Wall Street Journal" aufhorchen: Wie die Wirtschaftszeitung berichtet, hat Apple für angeblich 200 Millionen Dollar den Twitter-Analysedienst Topsy gekauft. Was steckt hinter dem Deal? Topsy gehört zu einer Handvoll Unternehmen, die Zugang zur so genannten "Firehose" haben, also dem gesamten Twitter-Feed seit 2006. Und das Unternehmen kann mit diesem Wissen einiges anfangen: Ob Schlüsselwörter, Trends oder einflussreiche Persönlichkeiten: Topsy ist darauf spezialisiert, Unterhaltungen auf der Plattform auszuwerten und statistisch aufzubereiten. Sucht man etwa nach dem jüngst bei einem Autounfall verstorbenen US-Schauspieler Paul Walker, spuckt das Tool in den Ergebnissen über 50.000 Tweets aus, die allein in der vergangenen Stunde über den Star aus "The Fast and the Furious" abgesetzt wurden. Tiefer gehende Insights werden gegen Bezahlung zur Verfügung gestellt.

Apple selbst will den Deal offensichtlich nicht weiter kommentieren, das Unternehmen selbst zeigt sich gewohnt zugeknöpft: "Apple kauft hin und wieder kleinere Technologiefirmen, aber wir sprechen generell nicht über unsere Absichten und Pläne", so eine Sprecherin zum "WSJ". Eine denkbare Erklärung könnte sein, dass Apple einfach nur scharf auf die klugen Köpfe bei dem 2007 gegründeten Start-Up ist. Wie aber kann Apple von der Topsy-Technologie profitieren?

1. Gespräche über die Marke auswerten

Unternehmen - insbesondere aus dem Bereich Konsumgüter - sind interessiert daran zu wissen, was über sie in den sozialen Netzwerken so alles verbreitet wird. Mit einem eigenen, äußerst ausgereiften Tool an der Hand, könnte Apple jederzeit die Stimmung auf Twitter aufsaugen und anschließend verwerten - sei es für besseren Kundenservice oder neue Produkte.

2. Empfehlungen an iTunes- und App-Store-Nutzer

Wenn Apple weiß, worüber sich die Nutzer auf Twitter gerne unterhalten, können passgenauere Empfehlungen für den Download von Musik, Filmen oder TV-Sendungen auf iTunes ausgeprochen werden, sagt Susan Etlinger, Analystin bei der Altimeter Group, gegenüber dem "WSJ". Das Gleiche gilt natürlich für den App-Store.

3. Targeting-Optionen für Werbekunden

Während Apple die Topsy-Insights dafür verwenden könnte, den Nutzern attraktive Download-Angebote zu unterbreiten, könnten Werbekunden anhand von Twitter-Trends ihre Anzeigenschaltungen optimieren, indem sie ihre Zielgruppen eingrenzen. Daher wäre eine Verwendung der Daten auf Apples Werbeplattform iAd denkbar.

4. Programm von iTunes Radio optimieren

Eine große Rolle in den Spekulationen der Beobachter spielt iTunes Radio. Der noch recht junge Dienst, der verschiedene Radiostationen als Streams anbietet, soll auf lange Sicht etablierten Angeboten wie Pandora oder Spotify Konkurrenz machen können. Und das geht am besten, wenn Apple weiß, welche Stars oder Songs derzeit am angesagtesten sind. Deswegen könnten die Topsy-Daten dazu genutzt werden, die Playlists bei iTunes Radio den aktuellen Trends anzupassen. Und natürlich spielt auch hier die Einblendung passender Werbung eine Rolle.

5. Siri verfeinern

Seit dem Update auf die iOS-Version 7 fragt Siri die Nutzer bereits nach Zugang zu deren Twitter-Account, um Tweets in die Suche einzubeziehen. Hierbei könnten die Suchergebnisse künftig noch detaillierter und zielgenauer ausgespielt werden. Pikant: Aktuell erkennt Siri bei Spracheingabe den Suchbegriff Topsy überhaupt nicht und bietet stattdessen Suchergebnisse zu "Taxi" respektive "Pupsi" an. ire
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