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Wer mit Chrome im Web surft, soll weniger nervige Werbung zu sehen bekommen
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Trotz "Konkurrent" Google Chrome Adblock Plus verzeichnet "ungebrochen hohe" Downloadzahlen

Wer mit Chrome im Web surft, soll weniger nervige Werbung zu sehen bekommen
Werbeunterdrücker und Werbeverteidiger sehen den "Konkurrenten" Google Chrome gelassen. Sie selbst positionieren sich mehr denn je als Sub-Vermarkter. Dahinter steht ein ganz bestimmtes Credo.
von Roland Pimpl, Freitag, 06. April 2018
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    Sie sind die bizarrsten Gewächse im Ökosystem der digitalen Werbung: jene Unternehmen, die Profit schlagen aus dem Unterdrücken von Onlineanzeigen (Adblocker) und jene, die ihr Geld damit verdienen, dass sie auf blockierten Inventaren nun doch Werbung durchschleusen (Anti-Adblocker). Beide liefern sich ein technologisches Wettrüsten, das sich derzeit durch drei Entwicklungen zuspitzt.

    Erstens ist durch ein genaueres Messverfahren mittlerweile klar, dass die Adblocker-Quote noch höher ist als bislang angenommen. "Die Rate der Werbeverweigerung wird weiter steigen", glaubt Michael Siegler, Gründer des Anti-Adblockers Tisoomi, mit Blick auf neue Werbefilter von Browsern und Handy-Herstellern. Überhaupt Mobile: "Hier wird die Werbung gefühlt aggressiver – die Branche macht dieselben Fehler wie vor zehn Jahren auf dem Desktop", beobachtet Siegler und prophezeit, dass die bisher niedrig einstelligen mobilen Blockadequoten stark steigen werden.

    Zweitens beschäftigt gerade Google Chrome mit seinem weltweit (derzeit: 62 Prozent) und auch in Deutschland (37 Prozent) steigenden Marktanteil die Gewerke. Seit Mitte Februar wartet der Browser mit einem vorinstallierten Tool auf, das Anzeigen unterdrückt, die nach den Kriterien der US-zentrierten Coalition for Better Ads (CBA) "störend" sind. Untergräbt dies das Geschäft der Blockadebranche? Im Gegenteil, sagt Laura Dornheim, Sprecherin bei Eyeo, dem Betreiber des führenden Werbeunterdrückers Adblock Plus. Dessen Downloadzahlen seien "ungebrochen hoch". Durch Chrome und das mediale Interesse beschäftigten sich mehr Menschen mit Reklamevermeidung und merkten, dass Chrome "eben nur ein Werbefilter ist, weit entfernt von einem echten Blocker". Das komme Adblock Plus zugute. Eyeo hält demnach die Akzeptanzkriterien der CBA für zu lasch.

    Der Anti-Adblocker Addefend dagegen teilt die Philosophie der CBA. "Werbung, die von Chrome herausgefiltert wird, spielen auch wir nicht aus", sagt CEO Dominik Reisig. Anders als beim Mozilla-Browser Firefox, dessen Trackingschutz als Kollateralschaden auch Werbung sperrt – diese spielt Addefend sehr wohl aus. Das heißt: Wenn alle User den Google-Browser nutzen und zusätzliche Adblocker abschalten würden, verlören nicht nur Werbebekämpfer wie Eyeo ihr Geschäftsmodell, sondern auch Werbeverteidiger wie Addefend und Tisoomi. Doch Reisig macht sich nicht bange: Längst nicht jeder surfe mit Chrome, und sogar dessen Nutzer hätten zusätzlich Adblocker aktiviert. Hier ähneln sich die Argumente von Blockierern und Blockadebrechern. Kein Wunder, schließlich leben beide vom selben Wirt.

    Nämlich von Publishern und (Erst-)Vermarktern. Denn Blockierer und Blockadebrecher avancieren, drittens, immer mehr zu Sub-Vermarktern der Inhalte anderer – jetzt sogar mithilfe von Zielgruppenstudien. Dahinter steht das Credo, dass Adblocker-Nutzer nicht generell etwas gegen Internetwerbung haben, sondern nur etwas gegen sogenannte schlechte oder aufdringliche Formate. Doch künftig könnten neue kompromisslose Adblocker dieses Biotop stören. Mehr zu diesen Themen lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 14/2018 vom 5. April. rp

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