"The Taste" im HORIZONT-Check Gut abgeschmecktes TV-Menu

Donnerstag, 14. November 2013
Die Jury hatte sichtlich Spaß bei den Verkostungen (Foto: Sat 1)
Die Jury hatte sichtlich Spaß bei den Verkostungen (Foto: Sat 1)


Mit "The Taste" traut sich Sat 1 erneut an den Herd. In der Kochshow wetteifern Hobbyköche und professionelle Löffelschwinger um den Titel des besten deutschen Kochs und 100.000 Euro Preisgeld. Wer dachte, das Thema Kochshow wäre mittlerweile reichlich ausgelutscht, sah sich getäuscht: Dank eines intelligenten Konzepts und einer gut gemischten Jury bringt "The Taste" eine ganz neue Geschmacksrichtung in das etwas fade gewordene Genre.

Das Konzept

Bei "The Taste" ist der Titel Programm: Über den Erfolg entscheidet tatsächlich allein der Geschmack. Die Kandidaten, ambitionierte Hobbyköche und echte Küchenprofis, müssen ihre Kreationen auf einem einzigen Löffel anrichten. Ähnlich wie bei der erfolgreichen Castingshow "The Voice of Germany" weiß die Jury zunächst nicht, wer das Gericht auf den Tisch gezaubert hat. Anhand dieser Blind-Verkostung wählen die vier Spitzenköche die Kandidaten für ihre Teams aus.

Ab der zweiten Folge wird dann nach dem gleichen Prinzip ausgesiebt: Die Verkostungen erfolgen wiederum blind und anhand eines einzigen Löffels. Die Spitzenköche wissen also nicht, ob sie das Gericht eines ihrer Schützlinge vor sich haben, oder das eines konkurrierenden Teams und müssen im Zweifelsfall gegen ihren eigenen Kandidaten entscheiden.

Während bei Kochshows wie "Die Küchenschlacht" oder "Die Kocharena" unabhängige Juroren über Wohl und Wehe der Kandidaten entscheiden, treibt "The Taste" das Verkostungsprinzip gnadenlos auf die Spitze - was der Dramaturgie aber eine ganz besondere Würze verleiht.

Die Jury

Auch die Jury ist gut abgeschmeckt: Mit Tim Mälzer, Alexander Herrmann, Lea Linster und Frank Rosin konnte Sat 1 einige der bekanntesten und besten deutschen TV-Köche für "The Taste" gewinnen - darunter drei Sterneköche. Tim Mälzer spielt souverän die Rolle des bodenständigen Küchenbullen, Lea Linster ist die ebenso liebenswerte wie respekteinflößende Grande Dame der Jury, Alexander Herrmann der gut aussehende Feingeist und Frank Rosin das sympathische Raubein unter den Sterneköchen.

Vor allem zwischen Mälzer und Rosin flogen bei den Verkostungen schon mal die Fetzen - ob inszeniert oder nicht, als Zuschauer hat man zumindest seinen Spaß an den Hahnenkämpfen der beiden Alpha-Tiere. Dass die drei Spitzenköche in ihrer Funktion als Coaches ihrer Schützlinge auch gegeneinander antreten, gibt der Dramaturgie zusätzliche Schärfe.

Die Produktion

So erfrischend das Konzept von "The Taste" auch ist, leider hielt die Produktion unnötigerweise an einigen offenbar unvermeidlichen Zutaten aus dem Bausatz für Castingshows fest. Während die üblichen Einspieler über die aussichtsreichsten Kandidaten für die Dramaturgie sicher unvermeidlich sind, hätte man sich die Reaktionen auf das Urteil im Backstage-Bereich inklusive Kurzbefragung durch die Moderatorin auch gut und gerne schenken können.

Dafür wurden die Vorbereitungen der Gerichte - jeder Kandidat hatte exakt eine Stunde Zeit - oft auf wenige Sekunden zusammengeschnitten. Zumindest als kochinteressierter Zuschauer hätte man dem einen oder anderen Kandidaten gerne etwas genauer über die Schulter geschaut. In den kommenden Folgen wird das Kochen an sich aber voraussichtlich stärker im Fokus stehen.

Die Einschaltquoten

Die Zutaten stimmen also, die Resonanz war zumindest zum Auftakt aber noch verhalten: Die erste Folge lockte gerade einmal 2,36 Millionen Zuschauer zu Sat 1, der Marktanteil blieb mit 8,5 Prozent im einstelligen Bereich. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erzielte die Show zum Start immerhin 12,3 Prozent Marktanteil. Der Sendeplatz am Mittwoch ist sicher nicht otpimal, war aber offensichtlich der beste Kompromiss: Am Freitag läuft derzeit "The Voice of Germany", am Samstag hätte man gegen "Das Supertalent" antreten müssen. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob auch die breite Masse noch auf den Geschmack von The Taste kommt.

Fazit

"The Taste" ist auf jeden Fall eine Bereicherung der Speisekarte von Sat 1. Das Konzept ist erfrischend, die Jury gut gemischt und die erste Folge machte Lust auf einen Nachschlag.
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