Streit Droht dem "Spiegel" der "Endkampf"?

Dienstag, 16. September 2014
Der Kampf um die Zukunft des "Spiegel" geht weiter
Der Kampf um die Zukunft des "Spiegel" geht weiter
Foto: Foto: Spiegel Gruppe

Im Tauziehen um die Zukunft des "Spiegel" wird der Ton zunehmend kriegerischer. Nachdem Chefredakteur Wolfgang Büchner zwei seiner schärfsten Kritiker ein Aufhebungsangebot unterbeitet hat, wird beim "Spiegel" mittlerweile angeblich von einem "Endkampf" gesprochen. Die jüngsten Kolportagen dürften allerdings vor allem Teil des verlagsinternen Machtpokers und der Truppensammlung sein.
So berichtet der Mediendienst Turi2, die beiden Ressortleiter Armin Mahler (Wirtschaft) und Lothar Gorris (Kultur) hätten sowohl die angeblich siebenstellige Abfindungssumme als auch eine als Urlaub deklarierte zweiwöchige Bedenkzeit ausgeschlagen. Stattdessen wollten sie "den Kampf gegen Büchner und Geschäftsführer Ove Saffe aufnehmen". Büchners Vorgehen werde als "feindliche Übernahme" betrachtet; "der Endkampf" um die Macht beim "Spiegel" habe begonnen: "Wenn Saffe und Büchner durchkommen, ist der alte 'Spiegel' tot", zitiert Turi2 einen Insider. Die Printredaktion stehe "geschlossen" gegen Büchner und plane bereits Aktionen gegen den Chefredakteur und Geschäftsführer Saffe. Ob die Frontlinien allerdings tatsächlich so klar abgesteckt sind, darf man indes bezweifeln. Trotzdem: Die Zeichen stehen weiter auf Sturm. Die mächtige Mitarbeiter KG hat sich angesichts der drohenden Eskalation erst kürzlich öffentlich hinter das Projekt "Spiegel 3.0" gestellt - allerdings bitteschön "in enger Zusammenarbeit mit den Redaktionen" von Print und Online, "sowohl was die Umsetzung als auch was den Zeitablauf angeht".

Die neuerlichen Kolportagen über die angebliche Kampfbereitschaft von Mahler und Gorris dürften daher auch Teil der Zermürbungsstrategie der großen Anti-Büchner-Fraktion in der Print-Redaktion des "Spiegel" sein; bei Spiegel Online sind die Gewichte allerdings anders verteilt, ebenso in der Verlagsabteilungen.

Erst in der vergangenen Woche kursierte ein Brief durchs Haus und durch Deutschlands Medienredaktionen, in dem die Ressortleiter die geplante schnelle Einführung gemeinsamer Print- und Online-Ressortleitungen ablehnen und stattdessen für eine "zeitlich flexibel zu handhabende Übergangsstruktur" mit weiter getrennten Ressortleitungen von Print und Online und  "gemeinsamen Kopfstellen" plädierten.
Spiegel-Zentrale
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Die Fronten beim "Spiegel" sind also nach wie  vor verhärtet - dass Büchner nun versucht, sich seiner schärfsten Kritiker per Abfindung zu entledigen, dürfte nicht eben zur Entspannung der Lage beitragen. Am Mittwoch treffen sich die Stillen Gesellschafter des "Spiegel" offenbar zu einer informellen Versammlung. Ob es ihnen gelingt, einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden, erscheint nach den jüngsten Eskalation allerdings mehr als fraglich. dh/rp
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