Tarifstreit bei der Zeit Streik abgewendet, Onlinern winkt Bezahlung nach VDZ-Tarif

Dienstag, 12. April 2016
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Zeit Online Warnstreik VDZ Tarifstreit Tarifverhandlung


Die Warnstreiks sind abgewiesen: Im Streit um die Bezahlung der Mitarbeiter von Zeit Online haben sich der Verlag und die in den Tarifverhandlungen involvierten Gewerkschaften geeinigt. Wie ein Verdi-Vetreter mitteilt, wird die Zeit Digital Gmbh, bei der die Beschäftigten von Zeit Online angestellt sind, die Tarifverträge des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) für die Mitarbeiter in Redaktion und Verlag grundsätzlich anerkennen.
Der Tarifvertrag werde lediglich "in wenigen tariflichen Regelungen" den Bedingungen von Zeit Online angepasst. Der Zeit-Verlag bestätigt die Einigung auf HORIZONT-Anfrage. Aus der Geschäftsführung heißt es dazu: "Einige Regelungen werden stufenweise über 3 und 4 Jahre eingeführt. Andere sind noch gar nicht enthalten, sondern sind zurückgestellt, um die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Zeit Digital GmbH abzuwarten, z.B. Urlaubsgeld." Weitere Einzelheiten wolle man noch nicht bekannt geben, da erst die Mitarbeiter informiert werden sollen. Dies soll nach Verdi-Angaben am kommenden Montag geschehen. Anlass der Auseinandersetzung war die ungleiche Bezahlung der Onliner gegenüber den anderen Beschäftigten des Verlags. Die Mitarbeiter im Hamburger Stammhaus werden nach dem Tarifvertrag des VDZ bezahlt, für die Mitarbeiter der Online-Tochter Zeit Digital GbmH in Berlin galt dies nicht. Nach Angaben des Betriebsrates verdienen sie dadurch im Jahr durchschnittlich 10.000 Euro weniger als die für die Zeitung schreibenden Redakteure. 

Die Onliner forderten daher eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag des VDZ. Außerdem verlangten sie ein 13. Monatsgehalt, eine Zuzahlung zur Presseversorgung, die Entfristung von Arbeitsverträgen sowie eine bessere Entlohnung studentischer Mitarbeiter. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatten die Mitarbeiter von Zeit Online für Anfang April mit befristeten Warnstreiks gedroht.
Rainer Esser
Bild: Die Zeit

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Von der nun erzielten Einigung könnte durchaus eine Signalwirkung für die Branche ausgehen, denn auch in vielen anderen Verlagshäusern verdienen die Online-Mitarbeiter weniger als ihre Print-Kollegen. 
Der Zeit-Verlag hatte sich stets gegen eine komplette Angleichung der Gehälter gesperrt und auf die "wirtschaftlichen Realitäten" im Online-Journalismus verwiesen. Im Jahr 2014 war Zeit Online erstmals der Sprung über die Gewinnschwelle gelungen. Derzeit wächst das Angebot zwar nach Reichweite und Umsatz, profitabel ist es allerdings nicht.

In den kommenden ein bis zwei Jahren sollen alle "Zeit"-Mitarbeiter in Berlin in ein gemeinsames Gebäude umziehen. Nach einer passenden Immobilie wird nach Angaben einer Verlagssprecherin derzeit gesucht. Dann würden Print und Online Tür an Tür sitzen und arbeiten. Wie bei vielen anderen Verlagen auch, rücken bei der "Zeit" beide Mediengattungen enger zusammen und produzieren Inhalte sowohl für das gedruckte Blatt als auch für die Online-Ausgabe. Noch in diesem Jahr will die "Zeit" ein Bezahlmodell im Netz einführen. ire
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