Talkshow-Zoff Warum Matthias Matussek nicht in Kurt Krömers "Late Night Show" auftauchen will

Montag, 22. Juli 2013
Im Clinch: "Spiegel"-Autor Matthias Matussek (l.) und Kurt Krömer (Bild: RBB/Max Kohr)
Im Clinch: "Spiegel"-Autor Matthias Matussek (l.) und Kurt Krömer (Bild: RBB/Max Kohr)


Er ist bekannt für seine provokative Gesprächsführung, und wen er nicht leiden kann, den nennt er durchaus auch mal "Kackbratze": Kurt Kömer gilt als offensiver Vertreter des Anaracho-Humors. Nun trieb es der Comedian und Talkshow-Gastgeber aber wohl zu weit: Weil er seinen Gast, den "Spiegel"-Autor Matthias Matussek, wiederholt als "Puffgänger" bezeichnet haben soll, will sich Matussek aus der für den 10. August geplanten Austrahlung von Krömers "Late Night Show" herausschneiden lassen. Im Vorfeld sei Matussek gesagt worden, es solle in der Sendung über den Papst und Religion gehen - ein vertrautes Terrain für den "Spiegel"-Mann, der als Papst-Befürworter sowie für seine wertkonserative Grundeinstellung bekannt ist. Die Aufzeichnung nahm dann aber offenbar einen anderen Verlauf: "Was machen Sie eigentlich nach einer Talkshow? In den Puff gehen?", fragte Krömer seinen Gast dem Berliner "Tagesspiegel" zufolge. Daraus sei dann im Folgenden die Formulierung "Matthias Matussek, der Puffgänger" geworden. "Ich kann genauso gut austeilen wie einstecken, aber zu so einem Satz fiel mir nicht mehr viel ein", so Matussek gegenüber der Zeitung. "Eigentlich hatte ich nur zwei Optionen: Krömer eine reinzuhauen oder rauszugehen."

Matussek blieb. Und musste sich offenbar auch anhören, wie sein langjähriger Arbeitgeber sein Fett wegbekam: Der "Spiegel" verkaufe sich ja mittlerweile über Themen, die man sonst aus der Sendung "Vera am Mittag" kenne, lästerte Krömer laut "Welt am Sonntag" - eine Anspielung auf die häufig als zu seicht kritisierten Titelgeschichten des Magazins. Insgesamt war das zuviel für Matussek: Seinen Part in der "Late Night Show" will der Journalist nicht ausgestrahlt sehen und setzte eine entsprechende Aufforderung an Krömers Produktionsfirma ab. Diese denkt aber offenbar nicht daran, Matusseks Forderung zu erfüllen: "Der Dialog auf der Bühne zwischen Matussek und Krömer ist von der Kunst- und Satirefreiheit gedeckt und muss als Ganzes betrachtet werden. Da kann man nicht einzelne Passagen herausschneiden", sagte Krömers Anwalt Christian Schertz, der auch dessen Produktionsfirma vertritt, dem "Tagesspiegel".

In seiner Talkshow zeigt Kurt Krömer weniger Nachsicht als in dieser Anti-Diskriminierungskampagne
In seiner Talkshow zeigt Kurt Krömer weniger Nachsicht als in dieser Anti-Diskriminierungskampagne
Jedem Zuschauer und Gast sei vor der Sendung klar, dass Krömers Show "eine Form von absurdem Theater" sei. Schertz habe deswegen die Erwartung, "dass ein Kulturjournalist von der Bedeutung, wie Herr Matussek sie hat, die Sendung entsprechend tiefenentspannt sieht." Von Entspannung aber offenbar keine Spur: "Das ist keine Anarchie, das ist Dumpfheit", so Matussek zur "WamS". Zusätzlich zu seinem Protest bei der Produktionsfirma hat er auch einen Brief an die Intendanz der ARD geschrieben. "Mit unseren Zwangsgebühren wird da eine geistlose Kneipenprügelei inszeniert", zitiert die Sonntagszeitung den Journalisten. "Damit tut man dem Publikum keinen Gefallen."

Der für die Sendung verantwortliche Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) wolte sich zu dem Vorgang nicht äußern. Krömer selbst, der sich übrigens als Testimonial einer Anti-Diskriminierungs-Kampagne engagiert, begegnete der Auseinandersetzung auf ironische Weise: "Habe heute den 'Tagesspiegel' gelesen. Danke für den tollen Bericht! Nach 'Biene Maja' kehrt jetzt auch 'Lassie' endlich wieder ins Fernsehen zurück!!!", postete der Humorist am Samstag auf seiner Facebook-Seite. ire
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