Zeitungskrise "Darmstädter Echo" streicht mehr als jede zweite Stelle

Montag, 22. September 2014
Die Zeitungskrise zwingt auch das "Darmstädter Echo" zu Einschnitten
Die Zeitungskrise zwingt auch das "Darmstädter Echo" zu Einschnitten
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Drama in Darmstadt: Echo Medien, der Verlag des "Darmstädter Echo", steht vor einem massiven Sparkurs. Das heute vorgestellte Sanierungskonzept sieht den Abbau von mehr als der Hälfte aller Arbeitsplätze vor.
Dass die Geschäftsführung auf der heutigen Betreibsversammlung keine gute Nachrichten im Gespäck haben würde, stand bereits im Vorfeld fest: Bereits im Juni hatte das Unternehmen angekündigt, dass das Unternehmen saniert werden müsse. Verleger und Geschäftsführer Hans-Peter Bach hatte damals erklärt, "der rasante Strukturwandel in der deutschen Zeitungslandschaft" zwinge das Unternehmen zu einer "tiefgreifenden Sanierung". Die "Frankfurter Rundschau hatte bereits am Freitag über einen weitgehenden Personalabbau spekuliert. Mehr als ein Drittel der Stellen solle wegfallen, schrieb die "FR" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Wie der Verlag am Montag mitteilte, sieht das Sanierungskonzept den Abbau von mehr als der Hälfte aller Stellen vor. Von rund 300 Vollzeitstellen bleiben lediglich 140 erhalten. Für die Redaktionen mit derzeit rund 120 festen Mitarbeitern könne aber mit einer "geringeren Abschmelze" gerechnet werden, sagte ein Verlagssprecher der dpa. Pro Jahr will der Verlag zehn Millionen Euro einsparen, um wieder profitabel zu werden. Bereiche, die für die Kernaufgaben des Unternehmens "nicht unmittelbar relevant" sind, werden ausgegliedert.

"Wir sind uns bewusst, dass diese Information für viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ein Schock ist und Ihnen Angst macht und wir haben uns diese Entscheidung keineswegs leicht gemacht", sagt Verleger Hans-Peter Bach: "In diesem Fall aber bedeutet dieser tiefe Schnitt, Verantwortung für die Mitarbeiter und das Unternehmen zu tragen. Die Marktbedingungen für Tageszeitungen haben sich radikal geändert und es ist die Pflicht der Geschäftsführung, dem Unternehmen und den verbleibenden Mitarbeitern eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen." In Zukunft will sich der Verlag mit einer "verkleinerten Rumpfmannschaft" auf die drei Kernbereiche Journalismus, Vermarktung und Logistik konzentrieren und damit wieder profitabler und zukunftsfähiger werden.

Zum Verlag Echo Medien gehören neben dem "Darmstädter Echo" das Anzeigenblatt "SüWo Lokal" sowie eine Reihe von Beilagen und Sonderpublikationen. Die verkaufte Auflage des "Darmstädter Echo" lag im 2. Quartal 2014 inklusive aller Ableger bei 76.491 Exemplaren - ein Minus von rund 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 

Seit dem vergangenen Jahr hat das Traditionsblatt in seiner Heimatstadt zudem einen neuen Konkurrenten: Das Anzeigenblatt "Darmstädter Tagblatt", hinter dem unter anderem der gebürtige Darmstädter und "Focus"-Herausgeber Helmut Markwort und Anzeigenblatt-Pionier Horst Vatter stehen, buhlt seit September ebenfalls um Leser in der südhessischen Stadt. dh
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