Tageszeitungen "Kieler Nachrichten" streichen jede dritte Redakteursstelle

Donnerstag, 27. November 2014
Bei den "Kieler Nachrichten" fällt jede dritte Stelle weg
Bei den "Kieler Nachrichten" fällt jede dritte Stelle weg
Foto: Verlag

Der Kahlschlag in deutschen Redaktionen geht weiter. So fällt bei den "Kieler Nachrichten" im redaktionellen Bereich jede dritte Stelle weg. Die Geschäftsführung schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.
Die Mitarbeiter wurden am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung über den Stellenabbau informiert. So werden von den bislang 103 Vollzeitstellen in den Redaktionen der Regionalzeitung mittelfristig 30 Arbeitsplätze gestrichen - unter anderem durch Vorruhestandsregelungen. Die Geschäftsführung schließt auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Die Geschäftsführung der "Kieler Nachrichten" verweist auf Nachfrage auf einen Artikel in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung. Darin äußert sich Geschäftsführer Sven Fricke zu den Gründen für den Stellenabbau: "Damit reagieren wir auf die schrumpfenden Erlöse im Anzeigen- und Beilagengeschäft, die sinkende Printauflage und steigende Kosten in Logistik und Zustellung", wird Fricke zitiert.

Neben dem Abbau von 30 Stellen sollen durch die Zentralisierung der Produktion am Standort Kiel weitere Kosten eingespart werden. In den nächsten Wochen wird ein neuer Newsroom in Betrieb genommen, in dem sowohl die Printausgabe als auch die digitalen Produkte hergestellt werden. Die schreibenden Redakteure sollen sich künftig "noch stärker als bisher auf die regionale und lokale Berichterstattung konzentrieren", kündigen die beiden Chefredakteure Christian Longardt und Klaus Kramer in dem Beitrag an. Überregionale Inhalte sollen dagegen künftig vermehrt von außen eingekauft werden.

Die "Kieler Nachrichten" gehören zu 51 den Erben des 2012 verstorbenen Verlegers Christian Heinen, 49 Prozent hält die Mediengruppe Madsack. Die Verlagsgruppe hatte erst in der vergangenen Woche seine neue Zentralredaktion in Hannover vorgestellt. Das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" versorgt die Zeitungen des Verlags künftig mit überregionalen Inhalten. Nach Meinung der Gewerkschaft Verdi tragen auch die Sparmaßnahmen in Kiel die "Handschrift des Madsack-Konzerns".

Die verkaufte Auflage der Zeitung lag im 3. Quartal 2014 laut IVW weitgehend stabil bei 96.256 Exemplaren. Die "Kieler Nachrichten" ist die einzige in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt erscheinende Tageszeitung. dh
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