Tag der Pressefreiheit Tageszeitungen erscheinen mit Titelmotiv von Yoko Ono

Mittwoch, 03. Mai 2017
Das Motiv zum Tag der Pressefreiheit stammt von Yoko Ono
Das Motiv zum Tag der Pressefreiheit stammt von Yoko Ono
Foto: FR

Zahlreiche deutsche Tageszeitungen erinnern heute mit einem gemeinsamen Titelmotiv von Yoko Ono an den Internationalen Tag der Pressefreiheit. In Berlin ist das Motiv heute auch im öffentlichen Raum zu sehen. Journalistenverbände mahnen unterdessen auch einen besseren Schutz von Journalisten in Deutschland an. 
Das Motiv der bekannten Kunstaktivistin mit der Botschaft "Free you, free me, free us, free them" ziert heute die Titelseiten zahlreicher deutscher Tageszeitungen. In Berlin ist das Motiv am 3. Mai dank einer Kooperation mit dem Außenwerber Wall Decaux zudem an zentralen Plätzen auf Anzeigenwänden sowie auf Screens in der U-Bahn zu sehen. Angestoßen wurde die Aktion vom Bundesverband Deutscher Zeitungesverleger BDZV.
"Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit nicht nur im Grundgesetz verankert ist, sondern täglich gelebt wird", erklärt BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff zum Internationalen Tag der Pressefreiheit. 
Das Motiv zum Tag der Pressefreiheit stammt von Yoko Ono
Das Motiv zum Tag der Pressefreiheit stammt von Yoko Ono (Bild: FR)
Allerdings steht es auch in Deutschland für die Pressefreiheit nicht zum Besten. Im Gegenteil. Reporter ohne Grenzen kritisiert, erneut seien Journalisten erschreckend vielen tätlichen Angriffen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt gewesen. Unverändert auf Platz 16, ist Deutschland von der Spitze der Rangliste, wo Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und die Niederlande zu finden sind, weit entfernt. 

Und weil die Lage weltweit prekärer wird, sei das für Deutschland eigentlich eine Verschlechterung, sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall. Dass Deutschland nicht weiter nach vorne gerückt ist, liege nicht zuletzt an staatlichen Repressionen. "Stichwort Vorratsdatenspeicherung, BND-Gesetz, Whistleblowerschutz. Ich darf daran erinnern, dass im Koalitionsvertrag stand, dass man den Schutz von Whistleblowern verbessern wollte", sagte Überall. "Das ist nicht eingelöst worden, und das wird die Große Koalition bis zur Bundestagswahl wohl auch nicht mehr schaffen." 
„Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit nicht nur im Grundgesetz verankert ist, sondern täglich gelebt wird.“
Dietmar Wolff
BDZV-Chef Dietmar Wolff warnt zudem vor einer Erosion der Glaubwürdigkeit: Hinter der erschreckenden Zunahme von Fake News in den sozialen Medien genau wie hinter den "Lügenpresse"-Vorwürfen stünden gezielte Interessen, das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien zu erschüttern. Das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das zum Beispiel Facebook zwingen soll, strafbare Inhalte zu löschen, sei keine Hilfe dagegen. 

Auch Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), kritisierte, so gut das Gesetz vielleicht gemeint sei, so sicher werde es die Meinungs- und Pressefreiheit schwächen. Der Staat dürfe Facebook nicht zum größten Zensor machen, warnte er. Stattdessen fordert der VDZ unter anderem, nicht nur rechtswidrige Veröffentlichungen zu bekämpfen, sondern auch zu verhindern, dass Quasi-Monopolisten wie Facebook nach eigenem Gutdünken bestimmte rechtmäßige Inhalte nicht veröffentlichten. dh, mit Material von dpa
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