TV-Markt Österreich ATV/P7S1: Das sagen Konkurrenten und Vermarkter zum möglichen Verkauf

Freitag, 03. Februar 2017
Schnappt sich Pro Sieben Sat 1 auch ATV?
Schnappt sich Pro Sieben Sat 1 auch ATV?
Foto: P7S1

Der mögliche Verkauf des österreichischen Privatsenders ATV an Pro Sieben Sat 1 würde die dortige TV-Landschaft deutlich verändern. HORIZONT Austria hat mit Vermarktern und Mediaagenturen über die Folgen gesprochen. Schon jetzt ist die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe – nach Bruttowerbevolumen – größter Player am TV-Werbemarkt und laut Marktanteilen zweistärkste Gruppe nach dem ORF in der Zielgruppe 12+.

Wird nun auch ATV Teil der Gruppe, würde dies die Marktposition stärken. "Für uns wäre das natürlich ein Szenario, das nicht zu den bevorzugten zählt", sagt etwa RTL-Vermarkter Walter Zinggl zu HORIZONT Austria und ergänzt: "Das wäre eine Konstellation, die auch für den Werbemarkt etwas vollkommen Neues ist und es wird spannend sein, zu sehen, wie sich der Markt auf diese Konstellation einstellt", so der IP-Österreich-Geschäftsführer.

Peter Lammerhuber, Chef der größten österreichischen Mediaagentur-Gruppe Group M, sieht weniger Player am Markt nicht als zwingend relevant für die Mediaplanung an. Nicht der Eigentümer, sondern die programmliche Gestaltung sei von Bedeutung. "Es kommt also stark darauf an, was ein allfälliger Eigentümer mit dem Programm vorhat. Es wird weiter nur auf die Performance ankommen. Aber: Die IP hat gemeinsam mit der Mediaprint an einem Angebot gebastelt. Für den Markt wäre es ausgewogener, wenn man mehrere gleich starke Player hätte", so Lammerhuber.

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Die angesprochene "Kronen Zeitung" ist 50-Prozent-Eigentümer der IP Österreich, des größten privaten Konkurrenten von Pro Sieben Sat 1. Auch Mediacom-CEO Joachim Feher sieht die künftige inhaltliche Positionierung des Senders als maßgeblich an. Bei einem Kauf durch P7S1 wäre eine Veränderung der Spotpreise aus seiner Sicht wahrscheinlich: "Ich glaube, dass es zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen geben wird – sicherlich wird dadurch die Pro-Sieben-Gruppe für den Sendermix im TV bedeutender. Aber sowohl IP wie auch der ORF werden sich keinesfalls kampflos Anteile wegnehmen lassen, sodass es sogar zu einem kurzfristigen Sinken der TKP kommen kann. Mittelfristig werden die Preise aber leider sicherlich steigen."

Solch ein Zusammenschluss würde auch bedeuten, "dass die IP-Gruppe noch deutlicher hinter Pro Sieben zurückfällt", so Feher. Wird ATV an P7S1 verkauft, prognostiziert auch Andreas Weiss, CEO des Dentsu Aegis Network, Veränderungen im Markt: "Weitere Konsolidierung, weniger Wettbewerb, weniger Vielfalt im Programm", umreißt er die Auswirkungen auf den TV-Markt und befürchtet, dass die Spotpreise steigen werden, "da zum einen die Nachfrage grundsätzlich groß ist und zum anderen der Wettbewerb geringer".

HORIZONT Austria hat auch beim ORF nachgefragt. Von Seiten des Öffentlich-Rechtlichen wollte man die Causa allerdings nicht kommentieren, "solange es dazu keine verbindlichen Informationen und Klarheit über allfällige behördliche Auflagen in dem Zusammenhang gibt", lässt die Pressestelle auf eine Anfrage an Generaldirektor Alexander Wrabetz hin ausrichten. Marlene Auer / Jürgen Hofer/ Alexandra O'Neill / Sandra Schieder

Mehr dazu in HORIZONT Austria vom 3. Februar 2017

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