TV-Markt 2013 ZDF behauptet Führung, RTL und Sat 1 verlieren

Donnerstag, 02. Januar 2014
Der ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" kam bei Kritik und Zuschauern gut an
Der ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" kam bei Kritik und Zuschauern gut an
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Das Zweite Deutsche Fernsehen hat das TV-Jahr 2013 als Quoten-Erster beendet. Mit 12,8 Prozent Marktanteil konnte das ZDF seinen Marktanteil im Gesamtpublikum weiter ausbauen und verwies ARD und RTL klar auf die Plätze 2 und 3. Das Erste verzeichnete das dritte Jahr in Folge ein Minus und auch für RTL ging es erneut steil abwärts. In der jungen Zielgruppe konnten die Kölner ihre Führungsposition zwar verteidigen, allerdings mit dem schlechtesten Marktanteil seit über 20 Jahren.
Das ZDF ist der große Gewinner des Jahres: Die Mainzer beenden das Jahr 2013 mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 12,8 Prozent - ein Plkus von 0,2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Da Das Erste im gleichn Umfang Marktanteile verlor, konnte das Zweite den Abstand auf beachtliche 0,7 Prozentpunkte ausbauen.

Neben der Champions League, die den Mainzern wiederholt überragende Marktanteile beschert hat, konnte der öffentlich-rechtliche Sender aber auch mit seinen Eigenproduktionen punkten: Mehrteiler wie "Unsere Mütter, unsere Väter" oder "Das Adlon" kamen nicht nur bei der Kritik, sondern auch beim Publikum gut an, die Montagsfilme waren zumeist sehr erfolgreich und auch Klassiker wie der "Bergdoktor" oder das "Traumschiff" bescheren den Mainzern nach wie vor hervorragende Einschaltquoten. Mit dem Champions League-Finale von Bayern München gegen Borussia Dortmund mit 21,61 Millionen Zuschauern hatte das ZDF zudem die meistgesehene Sendung des Jahres im Programm.

Das Erste hat dagegen nach wie vor mit Problemen zu kämpfen. Während das Gemeinschaftsprogramm der ARD zur besten Sendezeit ab 20 Uhr dank "Tatort" & Co. nach wie vor der meistgesehene Sender ist, läuft es vor allem am Vorabend immer noch nicht rund. Die Folge: Ein Minus von 0,2 Punkten auf einen neuen Tiefstwert von 12,1 Prozent. Im Jahr 2014 dürfte es dank der Fußball-WM auch für Das Erste wieder aufwärts gehen, die strukturellen Probleme am Vorabend sind aber nach wie vor nicht gelöst.

RTL kann sich im neuen Jahr dagegen nicht auf den WM-Effekt verlassen. Mit einem Minus von 1 Prozentpunkt auf 11,3 Prozent Marktanteil gehört der Privatsender aus Köln zusammen mit Sat 1 zu den größten Verlierern des Jahres. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ging es sogar 1,4 Prozentpunkte auf nur noch 14,5 Prozent Marktanteil abwärts - der schlechteste Wert seit über 20 Jahren. Bei den von RTL als Kernzielgruppe definierten 14- bis 59-Jährigen erreichte der Sender 13,9 Prozent Marktanteil.

Neben der auch von RTL selbst oft bemühten Fragmentierung des Marktes hat RTL aber auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen: Zahlreiche neue Formate wie die Serien "Doc Meets Dorf", die Show "Unschlagbar" oder dei Doku-Soap "Die Zuschauer" floppten und konnten den Abwärtstrend bei zahlreichen ehemaligen Erfolgsformaten nicht wettmachen. Programmgeschäftsführer Frank Hofmann muss die Schlagzahl im kommenden Jahr hochhalten, um nicht noch weiter an Boden zu verlieren.

Kein großer Trost kann es da sein, dass auch Sat 1 erneut Marktanteile abgeben musste: Im Gesamtpublikum hat der Sender mit nur noch 8,2 Prozent Marktanteil (-1,2 Prozentpunkte) mittlerweile komplett den Anschluss an die großen Sender ARD, ZDF und RTL verloren und auch in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen tut sich Sat 1 weiter schwer: Mit einem Jahresschnitt von 9,4 Prozent ging es im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um einen halben Prozentpunkt bergab. Immerhin: Im zweiten Halbjahr konnte sich der Sender um 0,3 Prozentpunkte auf 9,7 Prozent Marktanteil steigern, ein zweistelliger Marktanteil liegt damit immerhin wieder in Reichweite. Die Daytime wurde mit neuen Formaten wie "Auf Streife", "Im Namen der Gerchtigkeit" und "Anwälte im Einsatz" erfolgreich stabilisiert, die größte Baustelle im Programm, der Vorabend wird aber immer noch mit Krimiserien in Dauerschleife notdürftig geflickt.

Durchwachsen fällt die Bilanz für Pro Sieben aus: Während der Sender im Gesamtpublikum mit 5,7 Prozent Marktanteil (-0,2 Prozentpunkte) nur noch knapp vor Vox liegt, konnte der Entertainmentsender seinen Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen leicht auf 11,4 Prozent ausbauen. Von den einst als Zielmarke ausgegebenen 12 Prozent Marktanteil bleibt der Sender aber vor allem wegen des verkorksten ersten Halbjahrs erneut ein gutes Stück entfernt.

Vox erreicht im Gesamtpublikum 5,6 Prozent Marktanteil, in der jungen Zielgruppe muss die kleine Schwester von RTL ein kleines Minus von 0,1 Punkten auf 7,6 Prozent Marktanteil verkraften. Einstige Quotengaranten wie "Daniela Katzenberger - Natürlich blond" haben spürbar an Zugkraft verloren, die zweite Ausgabe von "Glööckler, Glanz und Gloria" enttäuschte sogar völlig.

Der große Gewinner des Jahres heißt RTL 2: Der Sender steigerte seinen Marktanteil in der Zielgruppe im Vorjahresvergleich um 0,4 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent - der beste Wert seit 2004. Basis des Erfolgs ist der Vorabend: Die Soaps "Berlin - Tag & Nacht" und "Köln 50667" bescheren dem Sender Marktanteile von bis zu 17,5 beziehungsweise 16,9 Prozent und beflügeln damit den gesamten Marktanteil. In der Zeitschiene von 17 bis 20 Uhr holte RTL 2 im vergangenen Jahr im Schnitt 10 Prozent Marktanteil, der beste Wert in der Geschichte des Senders. Kabel Eins erreichte in der jungen Zielgruppe unverändert 5,6 Prozent Marktanteil. Im Gesamtpublikum konnte sich der Sender von Pro Sieben Sat 1 leicht auf 4 Prozent Marktanteil verbessern. dh

RTL 2 konnte auch dank "Köln 50667" erneut kräftig zulegen
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