TV-Konsum Akzeptanz fürs Bezahlen steigt

Mittwoch, 16. Oktober 2013
Telekom-Marketer Hagspihl will mit Entertain "alle Bedürfnisse einer Generation" bedienen
Telekom-Marketer Hagspihl will mit Entertain "alle Bedürfnisse einer Generation" bedienen

Es ist gerade mal sechs Jahre her, als die Presse einen lauten Abgesang auf Pay-TV, personifiziert durch Premiere, angestimmt hat. 2013 hat sich der Markt komplett gedreht. Nach Berechnungen von Roland Berger gibt es mittlerweile 11 Millionen Haushalte, die für Fernsehen bezahlen und durch die neuen Onlineangebote auch Over the top (OTT) genannt steigen die Zahlen weiter. "Für TV zahlen viel mehr Leute, als die öffentliche Meinung vermittelt", sagt Philipp Leutiger, Partner Roland Berger Strategy Consultants, auf den Medientagen München. Die entscheidende Frage ist jedoch, wer der große Sieger sein wird. US-Player wie Netflix haben den amerikanischen Markt aufgerollt. Hierzulande haben noch die klassischen TV-Broadcaster das Sagen. Doch auch in Deutschland setzen immer mehr Unternehmen auf Inhalte und dringen damit in die Domäne der TV-Konzerne vor. So hat der Kabelnetzbetreiber Unity Media vor einem Monat das Angebot Horizon gelauncht, das laut Geschäftsführer Lutz Schüler "sehr gut anläuft". Die deutsche Telekom baut Entertain immer weiter aus. Zu dem Grundangebot, das Telefonie, Internet und eben Fernsehen umfasst, kommen weitere Bezahlangebote hinzu: "Unsere Vision ist ein Anschluss, der all die Bedürfnisse für eine Generation bereit hält", sagt Telekom-Marketing-Chef Michael Hagspihl.

Sky fühlt sich von der neuen Konkurrenz nicht bedroht. "Die Kunden schauen weniger Free-TV und mehr Pay. Aber wir sehen nicht, dass das unser Wachstum dämpft", sagt Sky-Vorstand Holger Enßlin. Derzeit zählt das Unternehmen rund 3,5 Millionen Abonnenten, Tendenz steigend. Mit Sky Go war der Anbieter auch einer der ersten, der Fernsehen über mehrere Plattformen möglich gemacht hat.

Angebote von der Schlagkraft eines Netflix haben sich hierzulande jedoch noch nicht etabliert. Das Kartellamt hat die Versuche eines gemeinsamen Portals von Pro Sieben Sat 1 und der Mediengruppe RTL Deutschland mit Amazonas einerseits und von den öffentlich-rechtlichen Sendern mit Germany s Gold andererseits untersagt. Damit ist noch Luft für US-Größen wie Amazon, Apple, Google und eben Netflix.

Dass sich der hiesige Markt in den kommenden Jahren dramatisch ändern wird und die non-lineare TV-Nutzung die lineare ablöst, daran glauben die Medienmanager jedoch nicht so recht. "Natürlich wird es das alles geben, aber es wird ein bisschen dauern", sagt Hans Mahr, Ex-RTL-Chef und heute mit seiner Firma Mahr Media aktiv. Auch 2020 werde noch mindestens vier Fünftel des TV-Konsums "auf altmodische Weise" stattfinden, prognostiziert er. pap
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