TV-Gipfel Medientage "Fragmentierung ist toll - und eine Katastrophe"

Mittwoch, 25. Oktober 2017
Olaf Schröder
Olaf Schröder
© Sport 1

Die TV-Landschaft ist im massiven Umbruch. Die Inhalte müssen auf allen Plattformen und jederzeit verfügbar sein, aber die Refinanzierung ist immer noch ungeklärt. "Die Fragmentierung ist toll - und eine Katastrophe", sagt Olaf Schröder, Vorstandsvorsitzender von Constantin Medien/Sport 1 beim TV-Gipfel der Medientage München. Es reicht nicht, die Inhalte zu verbreiten, man muss die Kosten für Rechte und Produktionen auch refinanzieren. "Die große Herausforderung liegt darin, non-lineare Inhalte ähnlich gut zu finanzieren wie mit einem 12-minütigen Werbeblock", sagt Vox-Geschäftsführer Bernd Reichart.

Wie das klassische TV und die non-linearen Verbreitungswege sich gegenseitig ergänzen und befeuern können, ist immer noch nicht ganz klar. Das lineare Fernsehen ist aus Sicht von Reichart "ein wichtiger Faktor, der die nicht-linearen Angebote treibt". Deshalb ist es für ihn entscheidend Formate zu finden, die zum Sender Vox passen und dessen Handschrift tragen. 

Auch Katja Hofem, COO von Pro Sieben Sat 1 TV Deutschland, ist auf der Suche nach den idealen Monetarisierungsplattformen. "Der Content ist der Kraftstoff, der alle Plattformen zum Laufen bringt." Wenn ein Format gut im TV läuft, hat es in der Regel auch Erfolg auf den non-linearen Kanälen. Für die eigene Sendergruppe hofft Hofem im Moment auf Formate, die bei Sat 1 und Pro Sieben helfen, die Quoten wieder nach oben zu bringen. "Darauf arbeiten wir hin. Ein Lucky Punch kann bei einem Sender viel verändern", sagt sie. 

Susanne Aigner-Drews, DACH-Chefin von Discovery Communications Network, sieht auch in Partnerschaften eine Möglichkeit, die Verbreitung zu stärken und Kosten im Zaum zu halten. "Wenn wir es alleine nicht schaffen, macht es Sinn, Partnerschaften einzugehen." Discovery kooperiert im Bereich Sport mit Amazon. "Die Partnerschaft funktioniert so gut, dass wir überlegen, sie auf Factual auszuweiten", kündigt Aigner-Drews an.

Bewegtbildgipfel 2017

Um TV-Vermarktung, Content-Produktion, Mediennutzung, Programmatic Creation, Streaming-Dienste, Reichweiten, Influencer Marketing und die künftige Verteilung der Werbespendings geht es auch beim Bewegtbildgipfel 2017, den HORIZONT am 21. und 22. November in Düsseldorf ausrichtet. Mehr Informationen und Tickets gibt es hier.
Auch für die öffentlich-rechtlichen Sender spielt eine möglichst weite Verbreitung eine große Rolle. "Es macht keinen Sinn, ein öffentlich-rechtliches Fahrverbot zu erteilen", sagt Reinhard Scolik, Fernsehdirektor des BR, mit Blick auf die derzeitigen Diskussionen um den Telemedienauftrag der öffentlich-rechtlichen und die Frage, was sie im Internet dürfen und was nicht. pap 

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