TV-Deal in Österreich ORF-Chef sorgt mit "Anschluss"-Tweet für Eklat

Dienstag, 07. Februar 2017
Die Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring
Die Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring
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Misstöne begleiten die Expansion der deutschen Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe in Österreichs Fernsehlandschaft. Der Gruppe gehört mit Puls 4 bereits ein Privatsender in der Alpenrepublik, nun planen die Münchener auch den Sender ATV zu kaufen. ORF-Intendant Alexander Wrabetz sprach angesichts der Entwicklung von einem "Anschluss".

Auf Twitter schrieb er: "ATV-Anschluss an deutschen P7-Konzern perfekt. Auflagen zum Schutz österreichischer Medien vor deutscher Marktmacht notwendig". In Österreich ist der Begriff "Anschluss" vor allem mit der Besetzung Österreichs durch das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 verbunden.

Pro Sieben Sat 1 will ATV nach Angaben beider Vertragspartner von der Tele-München Gruppe kaufen. Ziel sei es, ATV in die Gruppe Pro Sieben Sat 1 Puls 4 zu integrieren und die Position von ATV auf dem österreichischen TV-Markt so nachhaltig zu stärken. Der Kauf steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Es gilt als wahrscheinlich, dass er unter Auflagen genehmigt wird.

Von einer "unglaublichen Wortwahl" sprach Puls 4-Infochefin Corinna Milborn. "So ein Begriff von höchster Stelle des öffentl(ich)-rechtlichen Rundfunks. Ich finde das wirklich skandalös", meinte Milborn via Twitter.

ATV-Eigentümer Herbert Kloiber hatte den Sender 2008 erworben und damit Verluste eingefahren. "Ich freue mich, dass wir für den Fortbestand des Unternehmens die optimale Lösung gefunden haben", sagte Kloiber laut Pressemitteilung. Er hatte den Kauf von ATV einmal als seinen "größten Fehler" bezeichnet.

Während der ORF bei den Marktanteilen trotz der geplanten Fusion unangefochten die Nummer eins bliebe, wären die Privatsender nun gemeinsam im Werbemarkt stärker. Durch die geplante Integration und Sanierung wolle Puls 4 den Fortbestand von ATV langfristig sichern, hieß es. ATV ging 2003 auf Sendung, 2011 folgten ATV2 sowie 2016 ATVsmart. dpa

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